Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft

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Welche Gegenwart – welche Zukunft?


Die im November 2000 in Tübingen veranstaltete Hochschultagung trug den symbolisch-zahlenverspielten Titel „Volkskunde ‘00“. Ihr Hintergrund bildete mit „Hochschulreform und Fachidentität“ ein konkretes –  und im Übrigen tatsächlich stark zahlenorientiertes (Hochschulbudget, Studierendenzahlen, Fächergrößen) – Thema. Bereits in den vorangegangenen Hochschultagungen waren Fachidentität und disziplinäre Zukunft wiederholt verhandelt worden.
Neu an Tübingen ‘00 war der in dieser Zeit deutlich erkennbar gewordene, z.T. dramatisch veränderte universitäre Kontext: Mit dem anstehenden Bologna-Prozess deutete sich eine grundlegende Veränderung von Lehre und Studium an; gleichzeitig zeichneten sich – Stichwort: Exzellenzinitiative in Deutschland – radikal veränderte Forschungsformen und -förderungen ab, die ihrerseits von klaren top-down-Politiken und Auditverfahren auch der Universitäten entschieden befördert wurden.
Diese Veränderungen sind damals mit ihren „Risiken und Nebenwirkungen“ vor allem mit Blick auf die Folgen für das Fach diskutiert worden. Dabei aber war ebenso klar, dass  ein Wandel auf mehreren Ebenen – etwa: Anthropologisierung der Inhalte, starke Drittmittelorientierung der Institute, Internationalisierung und Interdisziplinarität von Forschung und Lehre – auch im Fach selbst angelegt war.

Wenn Tübingen nun zur Hochschultagung im September 2020 einlädt, dann hat dies einen einfachen Grund und eine weitgehende Zielsetzung. Der Grund: Die Tübinger EKW begeht im Mai 2021 ihr 50-jähriges Namensjubiläum – und will daher über Fach, Institut, Identität und Namen nachdenken. Die Zielsetzung der Tübinger Einladung geht aber  darüber hinaus: Sie will nicht primär Bilanz ziehen, sondern vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen auch die Zukunft unseres Faches diskutieren. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach der Gesellschaft, in die unser Fach derzeit hineinwirkt und gleichsam danach, wie wir uns in, mit oder gegenüber dieser positionieren. Gefordert sind damit die Reflexion über die eigenen Kompetenzen, momentane gesellschaftliche Entwicklungen adäquat zu beschreiben, ebenso wie die Befragung der Relevanzen des Faches, diesen Herausforderungen zu antworten und zu begegnen. Inwiefern wirken sich gesellschaftliche Um- und Aufbrüche auf die Studierenden(zahlen) aus, und wie kann und muss unsere Forschung auf die sogenannten gesellschaftlichen (Rechtspopulismus, Neoliberalisierung, Digitalisierung, Flucht und Migration etc.) und die ökologischen Herausforderungen des Klimawandels reagieren?
Damit aber stellt sich die Frage nach Relevanz und fachlichen Kompetenzen vollkommen neu. Sie – wie auch der Fachname – sollen in Tübingen in keynotes, Impulsvorträen und Diskussionsformaten in drei Sektionen zum Thema gemacht werden. Und zwar:

  1. Entwicklungen in der Forschung vor dem Hintergrund von Inter- und Transdisziplinarität; Drittmittelfinanzierung, Großforschung und Exzellenz; Vernetzung mit außeruniversitären und internationalen Partnern; Umgang mit Daten und Quellen
  2. Entwicklungen in der Lehre vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der Einführung neuer Studiengänge; dem Rückgang von Studierenzahlen und der Sichtbarkeit des Faches für nachkommende Generationen; Reflexion der Lehre in der Selektion von Inhalten und Didaktik zwischen kritischer Wissensvermittlung, Politisierung und Berufsausbildung
  3. Entwicklung des Fachs in einer sich rasant verändernden Hochschullandschaft; Selbst- und Fremdwahrnehmung; Notwendigkeit eines einheitlichen Namens.

Ausrichter

Institut für Empirische Kulturwissenschaft
der Universität Tübingen
Burgsteige 11 (Schloss)
72070 Tübingen

Veranstalter

Deutsche Gesellschaft für Volkskunde e.V. (dgv)
c/o Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft
Deutschhausstr. 3
35037 Marburg