Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft

Kai Hensel

An/Als was arbeiten Sie?

Als Kulturpädagoge hat man einen breiten Einsatzbereich. Ich betreue junge Menschen, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Oftmals sind es Menschen, die unterschiedlich sozialisiert sind und mitunter negative Fluchterfahrungen gemacht haben. Ich begleite diese Menschen durch ihren Alltag und leiste in den meisten Fällen Hilfe zur Selbsthilfe. Im Mittelpunkt steht dabei meist der Schulabschluss, Ausbildung bis Studium und das Finden einer Wohnung.
Kurz und knapp: Ich begleite junge Erwachsene durch alle Lebensbereiche. Dabei ist es immer wichtig die Grenze zwischen „Nähe und Distanz“ zur Person zu beachten. Meine Rolle ist wie eine Mischung aus großer Bruder, Elternteil und Freund   ich muss jedoch die Professionalität und Distanz des Betreuers wahren.

Was hat das EKW zu tun?

Vom Studium der Empirischen Kulturwissenschaft hat meine Arbeit mit Menschen sehr profitiert. Die Beschäftigung mit der Frage „Was ist Kultur?“ birgt eine Fülle an Antworten. Bei der Begleitung der jungen Erwachsenen kommt es immer wieder zu Missverständnissen mit den Betreuenden, denen kulturelle Differenzen zu Grunde liegen. Um diese Missverständnisse zu klären, ist es hilfreich diese Differenzen zu erkennen und wertfrei zu behandeln. Wie geht man beispielsweise mit Traditionen um, die in Deutschland mit dem Gesetz in Konflikt geraten, aber im Herkunftsland nicht wegzudenken sind? Wenn hierzulande praktizierte Ess-, Kleidungs-, und Gesprächsgewohnheiten oder der Umgang mit Familienmitgliedern der bisher gewohnten Lebensweise widersprechen? Die Perspektiven der Empirischen Kulturwissenschaft und die theoretische sowie methodische reflexiv ausgelegte Ausrichtung helfen mir hier, Situationen zu verstehen und mit Vielfalt praktisch zuzugehen.