Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft

Aktuelle Studienprojekte

Ankündigung für das Studienprojekt WiSe 2019 – WiSe 2020/21

Gesa Ingendahl: „Heimattheater für die Welt“. 40 Jahre Theater Lindenhof in Melchingen, Schwäbische Alb
(WiSe 2019/20 – WiSe 2020/21)

1981 war eine Schar theaterbegeisterte Menschen auf die Schwäbische Alb gezogen. Sie kauften im Dorf Melchingen die Gaststätte „Linde“ und gründeten dort das Theater Lindenhof. Im Laufe der Jahre avancierte das kritisch-poetische „Volkstheater“ zur vielbeachteten Spielstätte und wird seit Jahren zudem zu bundesweit bedeutsamen Festivals wie die Ruhrfestspiele Recklinghausen oder die Hamburger Privattheatertage eingeladen.
Das Besondere am „Lindenhof“ ist, dass hier regionale und auch unbequeme Stoffe auf die Bühne gebracht werden. Statt zu ‚tümeln‘, lädt das Theater zur Auseinandersetzung mit dem schillernden und immer wieder aktuellen Phänomen „Heimat“ ein. Beispielhaft stehen dafür das 2013/14 durchgeführte große Theaterprojekt mit Bürger*innen zum Mössinger Generalstreik 1933 oder auch die Sommertheaterproduktionen mit Bürgerbeteiligung in Kleinstädten auf der Alb oder in Tübingen.
Das Studienprojekt wird in Kooperation mit dem Theater durchgeführt. Es ist angesiedelt zwischen Forschung zum ländlichen Raum und kulturwissenschaftlicher Theaterforschung. Es lädt ein, Begrifflichkeiten wie ‚Heimat‘ und ‚Ländlicher Raum‘ im Kontext von Performanz und Kunst am Beispiel eines ganz konkreten Jubiläums zu diskutieren und neu zu positionieren. In eigenen empirischen Studien werden die Projektmitglieder den konkreten Vorstellungen und Realitäten dieses Theaters nachgehen, mit den Gründern und Verantwortlichen Interviews führen, in Archiven graben und aktuelle Projekte ethnografisch begleiten. Herauskommen wird ein selbst konzipiertes und gestaltetes öffentliches Fest-Produkt zum Jubiläum. 

Monique Scheer, Jan Hinrichsen: Gutes Zusammen Leben
(WiSe 2018/19 – WiSe 2019/20)

Worin besteht ein ‚gutes Leben‘? Wer bestimmt, wie ein gutes Leben zu führen ist? Und vor allem: wie und unter welchen Bedingungen kann es von wem gelebt werden?
Das Streben nach persönlichem Glück, Erfüllung, Zufriedenheit, Gesundheit und Unversehrtheit, aber auch nach kollektiver Gerechtigkeit, Formen des guten Zusammenlebens, einem verantwortungsvollen und verantwortbaren Leben scheinen eine ‚conditio sine qua non’ menschlicher Existenz zu sein. Aber: muss man gut leben, um ein gutes Leben zu haben und ist Glück der Schlüssel dazu? Ist ein Glücksempfinden die Voraussetzung für ein Glücklichsein? Ein gutes Leben kann bedeuten, sich regelmäßig angenehme Empfindungen und Erfahrungen zu verschaffen Ein ‚gutes Leben’ kann aber ebenso und gleichzeitig bedeuten, danach zu streben, ein ‚guter Mensch’ zu sein, d.h. ‚richtig‘, ‚verantwortungsvoll’, ‚bewusst’ zu leben. Dann wird das alltägliche Leben zur moralischen Frage und zum Ort der ethischen Reflexion über die Grundsätze des Zusammenlebens.
Damit ist das ‚gute Leben’ stets auch eingebunden in Kontroversen und Machtkämpfe auf lokaler wie globaler EbeneDarf wirklich „jeder nach seiner Façon selig werden“? Welche Ideen gibt es, verschiedene Vorstellungen vom guten Leben nebeneinander und miteinander existieren zu lassen?
Das Studienprojekt positioniert sich im Schnittfeld der kulturwissenschaftlichen Emotions- und Moralforschung und beschäftigt sich mit theoretischen Debatten um die anthropology of the good life, anthropology of ethics und Moralsoziologie sowie der Lektüre von einschlägigen ethnografischen Studien. Diese sollen mit Konzepten zum Gelingen pluralistischer Gesellschaften zusammengedacht werden, etwa mit everyday multiculturalism oder Konvivialität. In eigenen empirischen Studien werden die Studierenden Entwürfen und Verwirklichungen des ‚guten Lebens‘ in Tübingen nachgehen.