Forschungsschwerpunkte

Begabung

Laut Kultusministerkonferenz besteht in Deutschland die Notwendigkeit, die Förderung von leistungsstarken und potenziell leistungsfähigen Schülerinnen und Schülern zu verbessern. Wie dies bereits in der Grundschule gelingen kann, untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main in mehreren Studien.

Educational Effectiveness

Wie gut fördert das Bildungssystem die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden? Wie "gerecht" ist das Bildungssystem? Solche klassischen Fragen nach der Educational Effectiveness stellen einen weiteren der sechs Forschungsschwerpunkte des Instituts dar. In mehreren großen, zumeist längschnittlich angelegten Studien wie TOSCA und TRAIN widmen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Effektivität von Bildungsprogrammen, Bildungsinstitutionen und des Bildungssystems in Hinblick auf die Förderung von Kompetenzen sowie auf die Verringerung sozialer Ungleichheit der Bildungsbeteiligung und des Kompetenzerwerbs. Die Spanne der Studien reicht vom Grundschulbereich über die Sekundarstufe I und II, die berufliche Bildung bis hin zur Untersuchung des Übertritts vom Studium in den Beruf.

Methodenforschung

Wie gut können Schüler Unterricht beurteilen? Die quantitative Methodenforschung, also die wissenschaftliche Beschäftigung mit statistischen Verfahren in den Sozialwissenschaften und deren Weiterentwicklung, ist ein Arbeitsschwerpunkt der Abteilung. Kennzeichen der Tübinger Methodenforschung ist die sehr enge Verzahnung forschungspraktischer Fragestellungen mit der Entwicklung methodischer Lösungsansätze, die dazu führt, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts von dieser Schwerpunktsetzung profitieren. Dabei stehen drei Themenschwerpunkte im Mittelpunkt der Arbeit, die ihrerseits drei zentrale methodische Herausforderungen der empirischen Bildungsforschung adressieren: Mehrebenen-Modellierung, psychometrische latente Variablen-Modelle und Methoden der kausalen Inferenz.

Motivation

Wie kann man Schülern Wertschätzung für Mathematik vermitteln? Wie wichtig die Motivation von Schülerinnen und Schülern für deren Erfolg und Wohlbefinden in der Schule ist (und damit auch die wissenschaftliche Erforschung der Ursachen und Folgen von hoher und niedriger Motivation), muss man nicht mehr ausführlich begründen – allzu offensichtlich sind viele der negativen Folgen von fehlender schulischer Motivation und Anstrengung, viel zu häufig erfährt man von Betroffenen im Freundes- und Bekanntenkreis, und das eine oder andere Schulversagen fand Eingang in die Weltliteratur.

Das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung fokussiert in seiner Forschung mit den Fähigkeits- und Wertüberzeugungen im Leistungskontext zwei besonders zentrale Variablenbündel. Die theoretische Grundlage bildet hierbei zum einen das sogenannte Erwartungs-Wert-Modell der Leistungsmotivation von Jacquelynne Eccles. Nach diesem Modell wird leistungsorientiertes Verhalten durch die Erfolgserwartung bzw. das Fähigkeitsselbstkonzept („Kann ich es?“) und das subjektive Wertempfinden („Was bringt es mir?“) in Bezug auf eine Aufgabe beeinflusst. Zum anderen bauen wir in unserer Forschung auf das Big-Fish-Little-Pond-Effekt-Modell sowie das Internal/External-Frame-of- Reference-Modell von Herbert Marsh auf, die wichtige Faktoren bei der Genese von Fähigkeitsüberzeugungen benennen.

Im Projekt Motivation im Mathematikunterricht (MoMa) prüfen wir, wie sich die Motivation im Fach Mathematik bei Schülerinnen und Schülern der 9. Jahrgangsstufe fördern lässt.

Persönlichkeit

Gibt es "die fleißigen" und "die faulen" Schüler? Jeder Mensch besitzt eine Vielzahl besonderer Eigenschaften, die in ihrer Kombination seine Persönlichkeit ausmachen. So sind zum Beispiel manche Kinder ruhiger als andere, manche Lehrkräfte strukturierter und manche Erwachsene wiederum interessierter an Kunst und Kultur als andere. Die Persönlichkeit eines Menschen beeinflusst täglich das Erleben und Verhalten in unterschiedlichen Bereichen. Insofern ist es auch für unsere Forschungsprojekte zentral, die Persönlichkeit von Menschen, seien es Lehrkräfte oder andere Berufstätige, Eltern, Studierende oder Schülerinnen und Schüler, zu berücksichtigen. Doch die Einstellungen und Eigenschaften von Personen beeinflussen nicht nur das Verhalten in Lehr- Lern-Umgebungen – so haben beispielsweise Kinder, die gut organisiert sind, weniger Schwierigkeiten damit, ihre Hausaufgaben zu erledigen –, sondern diese Lehr-Lern-Umgebungen beeinflussen umgekehrt auch die Ausbildung und Entwicklung der Persönlichkeit: So ist es ein Ziel von Bildungsinstitutionen, den Menschen zu bilden, nicht nur hinsichtlich seines Wissens und seiner Fähigkeiten, sondern auch hinsichtlich vieler weiterer Einstellungen und Eigenschaften.

In unserer Forschung zur Persönlichkeit beschäftigten wir uns daher insbesondere mit drei Fragen: Welchen Einfluss haben Kontextfaktoren auf die Persönlichkeitsentwicklung? Welche Bedeutung hat das Zusammenspiel von Persönlichkeit mit Kontextfaktoren für die Vorhersage von Verhalten? Welche generelle Struktur hat die menschliche Persönlichkeit?

Unterrichtsqualität und Lehrerkompetenz

Begleiten, führen oder beides - was muss ein Lehrer tun? Wie viel Schülerinnen und Schüler in einem Schuljahr lernen und wie sich ihre Motivation und Anstrengungsbereitschaft entwickeln, hängt sehr stark davon ab, wie der Unterricht in einer Klasse gestaltet ist, wie gut es also der Lehrkraft gelingt, eine hohe Unterrichtsqualität zu gewährleisten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unseres Instituts befassen sich hier insbesondere mit drei Fragen: Wie lässt sich Unterrichtsqualität valide erfassen? Welche Aspekte der Unterrichtgestaltung sind entscheidend für den Unterrichtserfolg? Und welche Rolle spielt die professionelle Kompetenz der Lehrkräfte für die Unterrichtsqualität? Neben wissenschaftlicher Erkenntnis geht es explizit darum, einen Beitrag zur Aus- und Fortbildung von Lehrkräften leisten zu können.