Institut für Politikwissenschaft

Neuigkeiten und Archiv des Arbeitsbereichs

Vom 8. bis 10. Juli 2019 fand im Haus auf der Alb in Bad Urach eine Mediations-Simulation unter Leitung von Dr. Gabi Schlag statt. Um das Atomabkommen mit dem Iran zu retten, schlüpften 15 Teilnehmer*innen in die Rollen von u.a. der EU Beauftragten für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik Frederica Mogherini, dem US-Amerikanischen Außenminister Mike R. Pompeo und dem Außenminister der Islamischen Republik Iran Mohammad Javad Zarif. Unterstützt wurden sie dabei von drei Mediatoren. Am Ende der ereignisreichen Verhandlungen, einigten sich alle Parteien auf eine gemeinsame Zusatzerklärung: Joint Agreement of Action!

Am 3. Juli 2019 hielt Prof. Thomas Diez im Rahmen des Institutskolloquiums einen Vortrag zum Thema "Macht und Inklusion in der Internationalen Gesellschaft". In seiner Präsentation stellte er einige grundlegende konzeptionelle Gedanken zu diesen Begriffen und ihrer Beziehung vor und wandte diese Überlegungen auf das Beispiel der EU als normativer Macht an.

Am 2. Juli 2019 hielt Lee Jarvis, Professor für Internationale Politik an der University of East Anglia, einen Gastvortrag im Rahmen der Vorlesung "Discourses of Security". Jarvis beschäftigte sich in seinem Vortrag mit parlamentarischen Debatten zu Verbotsverfahren von Terrororganisationen in Großbritannien. Er analysierte, wie in diesen Debatten die liberale britische Identität durch Gegenüberstellung mit der illiberalen und irrationalen Identität von Terrororganisationen produziert und reproduziert wird. Die Regelmäßigkeit dieses Prozesses verleihe den stets erfolgreichen Verbotsfahren einen ritualistischen Charakter. Anschließend diskutierte Jarvis mit den Studierenden über Grenzen und weitere Anwendungsmöglichkeiten seines Konzeptes.

Am 2. Juli 2019 hielt Prof. Münevver Cebeci von der Marmara University Istanbul, einen Gastvortrag mit dem Titel "Deconstructing Ideal Power Europe: The EU and the Arab Change". Cebeci analysierte darin am Beispiel der europäischen Reaktionen auf den Wandel in der arabischen Welt in den Jahren 2010 und 2011, wie die EU ihr Selbstverständnis als normative Macht konstruiert, und wie diese Konstruktion in der wissenschaftlichen Literatur reproduziert wird. Cebeci betonte, dass Sie mit ihrer Arbeit die Politik der EU nicht aus normativer Sicht bewerten wolle. Ihre poststrukturalistische Arbeit biete jedoch eine kritische Lesart, die es ermögliche die Prozesse der Identitätskonstruktion im politischen und akademischen Diskurs über die EU-Außenpolitik zu dekonstruieren.

Niklas Schörnig, stellvertrender Vorsitzender des Forschungsrats der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, hielt am 25. Juni einen Gastvortrag im Rahmen der Vorlesung "Discourses of Security". Dabei verteidigte Schörnig eine neorealistische "enge" Konzeption des Sicherheitsbegriffs. Er argumentierte, bezugnehmend auf weltpolitische Ereignisse und Entwicklungen in der Rüstungsindustrie, dass die Wahrscheinlichkeit zwischenstaatlicher Kriege zunehme. Diese Kriege zu verhindern stelle, so Schörnig, die zentrale Herausforderung dar, weshalb eine Ausdehnung des Sicherheitsbegriffs problematisch sei. Im Anschluss trat Schörnig in einen intensiven Austausch mit den Studierenden, die seine Argumente kritisch diskutierten.

Am 18. Juni 2019 hielt Cynthia Petrigh, Gründerin und Leiterin von "Beyond Peace", einen Vortrag im Rahmen der Vorlesung "Discourses of Security". Mit ihrerem Unternehmen bietet Petrigh Ausbildungs- und Beratungsdienste für Streitkräfte, Friedenstruppen und nichtstaatliche bewaffnete Gruppen zum humanitären Völkerrecht, zur Einhaltung internationaler Normen, zur Verhinderung sexueller Gewalt und zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen an. Sie begleitet Gesellschaften in Transformationsprozessen durch die Unterstützung von Vermittlungsbemühungen, Dialoginitiativen und die Förderung der Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen.

Petrigh gab detailiert Auskunft über ihre Arbeit in diversen Konfliktgebieten, darunter Kamerun, Mali, die Philippinen und die Zentralfrikanische Republik. Sie sprach ausführlich über die Chancen und Herausforderungen der Integration von Geschlechterperspektiven und des Bewusstseins für Menschenrechte und humanitäres Recht in bewaffnete Konflikte. In diesem Zusammenhang gab Petrigh zudem überraschende Einblicke in die praktische Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen.

Am 17. Juni 2019 hielt Prof. Thomas Diez im Rahmen der Studium Generale Vorlesung "Die Rückkehr des Sultans? Zur Politischen Ökonomie des Autoritarismus in der Türkei" einen Vortrag zum Thema "Die Europäische Union und die Türkei". Er analysierte darin die Entwicklung der Beziehungen zwischen der EU und der Türkei von den 1960er Jahren bis heute. Den aktuellen festgefahrenen Zustand der Beitrittsgesprächen beschrieb Diez als Ergebnis eines Dilemmas: beide Seiten seien weder an ernsthaften Verhandlungen, noch einem Abbruch der Gespräche interessiert, eine baldige Lösung dieser Problematik nicht abzusehen. Vor diesem Hintergrund wies Diez auf die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Austauschs für eine potentielle gegenseitige Annäherung hin.

Am 21. Mai hielt Ben Tonra vom University College Dublin im Rahmen der Vorlesung "Deutschland und die EU in der Internationalen Politik" einen Vortrag zum Thema "Brexit and European Security". Darin setzte sich Tonra mit den Auswirkungen des Brexits für die europäische Sicherheitsarchitektur und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU auseinander. Besonders anschaulich analysierte Tonra zudem die Folgen des Brexits für die Sicherheit Irlands, und warnte dabei vor einem erneuten Aufflammen der ethnisch-konfessionellen Konflikte auf der Insel.

Am 15. Mai 2019 hielt Dr. Gabi Schlag im Rahmen des Insitutskollquiums einen Vortrag mit dem Titel "Ignore or Delete? Governing graphic visual content on social media". Dabei setzte sie sich mit dem Ansatz der EU zur Regulierung graphisch-visueller Inhalte, die auf Social-Media-Plattformen hochgeladen, verbreitet und angesehen werden, auseinander. Gabi Schlag versuchte so eine Antwort auf die Frage zu geben, wer die Autorität und Legitimität hat, das Internet zu regieren, und wie eine legitime Reglementierung von graphischen Inhalten aussehen sollte.

Auch in diesem Jahr nahm eine Tübinger Delegation an der National Model United Nations –Konferenz in New York teil, der größten weltweit. Vom 14.-19. April 2019 vertrat die interdisziplinäre Gruppe die Republik Namibia. Neben der intensiven inhaltlichen Arbeit in den einzelnen Komitees, stand auch ein Besuch bei der namibischen UN-Vertretung auf dem Programm. Für ihre inhaltliche Vorbereitung wurde die Delegation mit zahlreichen „Position Paper Awards“ ausgezeichnet. Am letzten Tag hatten einige Mitglieder der Delegation die Gelegenheit, im Plenarsaal der UN-Generalversammlung vor ihren Komitees zu sprechen. Dort wurde die Tübinger Delegation zudem bei der Abschlussveranstaltung als „Distinguished Delegation“ geehrt.

Bettina Ahrens diskutierte am 04. April mit Schüler*innen sowie interessierten Bürger*innen über Themen der anstehen Europa-Wahl im Mai. Zusammen mit Vertreter*innen verschiedener politischer Parteien wurde über Uploadfilter und Migration debattiert, Ahrens sprach sich währenddessen auch für das aktuelle Engagement vieler Schüler*innen für das Klima aus.

Thomas Diez und Bettina Ahrens organisierten vom 11.-16. März 2019 den Workshop “Identity and Conflict: Revisioning Relations in the EU-Neighbourhood” in Tiflis, Georgien. Studierende aus Armenien, Aserbaidschan, Deutschland und Georgien setzten sich während der Woche in Tiflis mit Nationalismustheorien und Prozessen der Identitätskonstruktion in den Ländern des Südkaukasus auseinander, beleuchteten die Rolle der Europäischen Union sowie Russlands und schulten sich im Bereich der Interkulturellen Kommunikation. Anschließend erarbeiteten sie in gemischten Gruppen über die Methode des Szenario Schreibens Visionen im Hinblick auf die Entwicklung der jeweiligen Länder sowie die bestehenden Konflikte. Der Workshop fand in Kooperation mit SSC Europe statt und wurde von Seiten des DAAD finanziert.

Am 22. Januar 2019 hielt Thomas Diez im Rahmen der Studium-Generale Ringvorlesung "Autonomieforderungen und Sezessionsbestrebungen in Europa und der Welt" einen Vortrag zum Fallbeispiel Zypern. Dabei ging er auf die Ursachen des Zypernkonfliktes ein, und beschrieb dessen Verlauf anhand zahlreicher gescheiterter Annäherungsversuche der Konfliktparteien. Abschließend skizzierte Thomas Diez ein mögliches Konzept zur Lösung des Konfliktes, das im Anschluss an seinen Vortrag intensiv diskutiert wurde.

Natalie Pawlowski, Alexander Kobusch und Thomas Nielebock berichteten im Institutskolloquium über ihre Erfahrungen aus dem Kooperationsprojekt dreier standortübergreifender Seminare. Dabei verwendeten sie Videoübertragungen, Lernpodcasts sowie Expert*inneninterviews. Bei den Veranstaltungen handelte es sich um ein Kooperationsprojekt und innovatives Lehrkonzept mit 7 anderen Universitäten, die Friedens- und Konfliktforschung als Studiengang anbieten. In den Sitzungen waren Standorte per Live-Konferenz zusammengeschaltet. Angereichert wurde das Seminar durch e-learning Elemente, über welche Aufgaben in lokalen Arbeitsgruppen, aber auch in Arbeitsgruppen über Standorte hinweg erarbeitet werden konnten. Für die Durchführung der Lehrveranstaltungen und den innovativen Ansatz wurden sie mit dem Uni-Lehrpreis der Universität Tübingen 2018 ausgezeichnet.

Başak Alpan von der Middle East Technical University in Ankara hielt am 11. Dezember 2018 einen Gastvortrag im Rahmen des Seminars „Turkey in International Politics: Conflict and Power“ zur Türkischen Außenpolitik und zu den bestehenden Diskursen in der Türkei zu „Europa“. Dabei unterscheid sie vier verschiedene Phasen und hob hervor, dass sich die Diskurse in Bezug auf „Europa“ transformiert hätten, sie jedoch acuh heute nicht von einer umfassenden „De-Europäisierung“ sprechen würde. Vielmehr fungiere „Europa“ auch heute weiterhin als wichtiger Referenzpunkt innerhalb der Türkei.

Am 28. November 2018 hielt Bettina Ahrens einen Impulsvortrag auf Einladung der Jungen Europäer  zur Frage "Gibt es (noch) eine Wertorientierung in der europäischen Außenpolitik?". Der Vortrag fand im Rahmen des "Bürgerdialog Europawahlen 2019", organisiert von den Jungen Europäern Reutlingen (JEF Baden-Württemberg e.V), statt.

Bettina Ahrens diskutierte am 24. Oktober 2018 mit Wolfgang Bauer (Die ZEIT), Martin Rosemann (MdB) und Thomas Hitschler (MdB) über Realitäten und Erwartungen an "Deutschland Verantwortung in der Welt". Kontrovers wurden dabei militärische Einsätze als einseitige Interpretation von "Verantwortung" diskutiert. Bettina Ahrens hob hierbei die Bedeutung der Zusammenarbeit innerhalb der europäischen Union hervor.