Institut für Politikwissenschaft

2. Bericht zu Moskau

Erfahrungsbericht Moskau (WS 02/03 und SS 03)

von C. Zanev <c.zanevspam prevention@gmx.de>

- "Was machen Sie denn hier in Moskau?"
- "Ich studiere am MGIMO."
- "Ohhhh....".
Irgendwie war es immer fast unangenehm, wenn einem durchschnittliche Russen diese Frage stellten. Entweder kriegten sich die Leute, vor allem ältere Menschen in der Provinz, vor Bewunderung gar nicht mehr ein ("so ein schlaues Kind, ja was für ein fleißiges Kind du bist"). Oder - und das kam meist von jungen Moskauern - man wurde ganz provokant und abfällig gefragt, was denn der Vater von Beruf wäre. Man musste also immer erklären, dass man weder Millionärstochter noch ein Genie ist. Ein Taxifahrer sagte einmal mit Blick auf die vor der Uni geparkten BMW's kopfschüttelnd zu mir: "Und das sind die Leute, die einmal unser Land regieren sollen... Die haben doch keine Ahnung von den Problemen Russlands." Das scheint leider oft wirklich der Fall zu sein. Viele sind nicht etwa aus Interesse am Fach da, sondern um reich und wichtig zu werden, bzw. um einen reichen und wichtigen Ehemann zu finden. Wie Daniel schon schrieb, kommt man entweder mit viel Geld ins MGIMO oder durch eine extrem schwierige Aufnahmeprüfung. Wer über letzteren Weg reingekommen ist, fällt deutlich auf zwischen all den in Designerfetzen gehüllten anderen. Viele von uns westeuropäischen Austauschstudenten haben in unserer Ahnungslosigkeit unsere ältesten Klamotten mitgebracht, um die armen Russen aus unserer Phantasie auch ja nicht in Verlegenheit zu bringen - mit dem Ergebnis, dass wir uns im Vergleich zu unseren Kommilitonen geradezu schäbig vorkamen. Es findet an der Uni wirklich ein unvorstellbares Geprotze statt.
Aber trotz dieses negativen ersten Eindrucks hat das MGIMO den guten Ruf, den es nach wie vor genießt, verdient, und es lohnt sich in jedem Fall, seinen Auslandsaufenthalt dort zu verbringen. Daniel Plankermann hat in seinem Bericht schon viel über das MGIMO selbst geschrieben. Mein Bericht soll daher als eine Ergänzung verstanden werden, die mehr auf meiner persönlichen Wahrnehmung basiert.

Russisch

Man kann theoretisch auch ans MGIMO kommen, wenn man wenig oder gar kein russisch spricht. Es entgeht einem dann aber vieles, da die Lehrveranstaltungen wirklich nur in russischer Sprache stattfinden. Ich selbst hatte zwar schon Vorkenntnisse, aber um aktiv an den Veranstaltungen teilzunehmen hat es am Anfang trotzdem nicht gereicht. Ich habe daher im erstes Semester fast nur Russischunterricht genommen und bei einigen Vorlesungen zugehört.
Der Sprachunterricht ist sehr gut. Zunächst gibt es einen Einstufungstest, und nach dem Ergebnis richtet sich, wie viele Stunden pro Woche man hat und auf welchem Niveau - es gibt für jeden einen passenden Kurs. Ich hatte 12 Stunden pro Woche, aber der Kurs ist keine Pflichtveranstaltung. Jeder kann kommen und gehen, wann er will und so seinen Russischunterricht mit seinem übrigen Stundenplan koordinieren. Auch bezüglich des Unterrichtsinhalts sind die meisten Russischlehrer flexibel, v.a. in den fortgeschritteneren Kursen. Sollte einem der Lehrer oder der Kurs nicht gefallen, kann man wechseln. Die Kursteilnehmerzahl liegt zwischen 5 und 15, was auch sehr positiv ist. Zusätzlich zum eigentlichen Unterricht werden ständig Ausflüge in alle Museen und sonstigen Sehenswürdigkeiten komplett mit auf Russisch-Lernende zugeschnittenen Führungen sowie Ausflüge in die Umgebung angeboten. Meine Lehrerin war Tatjana Ljubimovna, die eine ausgezeichnete Lehrerin und eine großartige Person ist - grenzenlos hilfsbereit und engagiert, auch weit über den Russischunterricht hinaus.

Studium

Was das eigentliche Studium betrifft, so sollte zunächst gesagt werden: Es gibt kein Vorlesungsverzeichnis, nur einen Stundenplan, aus dem man überhaupt nicht schlau wird. Das einzige, was hilft, ist die MGIMO-Studenten am Ärmel zu zupfen und um Aufklärung zu bitten. Sie sind in der Regel sehr hilfsbereit und sprechen alle perfekt englisch. Das gleiche gilt bei der Suche nach den Veranstaltungsräumen - ich habe bestimmt zwei Monate gebraucht, bis ich mich in dem riesigen Gebäude orientieren konnte.

Man kann als Austauschstudent (mit dem offiziellen Titel "Stazhor") seine Veranstaltungen aus allen möglichen Fachbereichen völlig frei wählen. Man muss sich selbst einen Stundenplan zusammenstellen und den dann im Dekanat für ausländische Studenten von Olga Wladimirovna absegnen lassen. Die ist auch unsere Ansprechpartnerin bei allen möglichen Problemen und Fragen - eine manchmal forsche, aber im Herzen sehr nette Frau.

Zu den Veranstaltungen selbst: Während es in Deutschland Aufgabe der Uni ist, die Studenten mit der Fähigkeit auszustatten, sich Wissen selbst anzueignen und kritisch damit umzugehen, wird am MGIMO vorrangig Wissen vermittelt. Die Studenten müssen unglaublich viel (auswendig-)lernen und verfügen dann tatsächlich über ein beeindruckendes Wissen. Dinge zu hinterfragen, eigene Ideen zu entwickeln - das lernen sie am MGIMO allerdings kaum. Man könnte überspitzt sagen: die wissen viel und können nichts, während wir verglichen mit ihnen nichts wissen, aber viel können. Außerdem sind die Studenten in der Tat sehr jung, was sich an fliegenden Papierkügelchen und Gekicher in den Veranstaltungen bemerkbar macht. In den Vorlesungen wie auch in vielen Seminaren monologisiert der Professor, während die Studenten stenografieren. Was in Deutschland als vorbereitende Seminarlektüre vorausgesetzt wird, ist dort Inhalt des Unterrichts. Es gibt kaum Referate und Diskussionen, die Studenten kommen oft nur zu Wort, wenn sie abgefragt werden. Es gibt auch keinen Seminarplan, aber man kann sich darauf einstellen, dass wenn das Thema z.B. "Transformationsprozesse in Osteuropa" lautet man einfach alles über sämtliche Probleme dieser Länder erfährt (kritische Hinterfragung und Lösungsansätze gibt es dafür aber kaum). Insofern sind diese Veranstaltungen auch sehr interessant, solange man ein Thema wählt, mit dem man noch nicht so vertraut ist.

Man sollte unbedingt, wie Daniel schon sagte, Seminare ab dem 3. Studienjahr oder der Magistratur besuchen. In meinem Jahr neu war der Magisterstudiengang "Europastudien", in dem ich an einigen recht guten Veranstaltungen teilgenommen habe. Es war v.a. interessant, die Themen aus russischer Perspektive betrachtet zu behandeln. Sehr zu empfehlen ist das Seminar "Aspekte russischer Außenpolitik" bei Professor Degoev, das es wohl auch nächstes Jahr im Sommer wieder gibt. Herr Degoev unterrichtet vorranging ausländische (Voll-)studenten, spricht daher langsam und deutlich russisch (und perfekt englisch) und ist einer der wenigen, bei dem der Unterricht zu einem großen Teil auf der Beteiligung der Studenten basiert. Er ist übrigens Experte für den Kaukasus - ein Thema, mit dem man sich meiner Meinung nach unbedingt auseinander setzen sollte, solange man in Moskau ist.

Dass Kritik - vor allem an der russischen Politik - eine so untergeordnete Rolle spielt, hängt sicher damit zusammen, dass die Uni direkt dem russischen Außenministerium angeschlossen ist. Die Studenten werden hauptsächlich zu Diplomaten ausgebildet, d.h. sie lernen die russische Position, werden mit dem nötigen Fachwissen über internationale Politik und Wirtschaft ausgestattet und lernen das Handwerk der Diplomatie. Sie werden nicht zu Wissenschaftlern ausgebildet. Man muss den Aufenthalt am MGIMO als eine riesige Informationsveranstaltung verstehen und sollte die Gelegenheit nutzen, viel Wissen zu sammeln und die russische Perspektive kennen zu lernen.

Trotzdem hat mir die eigenständige Auseinandersetzung mit einem Thema am Ende gefehlt. Ich habe dann, nur um endlich mal wieder selbst etwas zustande zu bringen, statt immer nur aufzunehmen und auszuspucken, zwei Mini-Hausarbeiten verfasst, die ich als Grundlage für spätere Hausarbeiten nutzen will. Dabei waren meine Professoren sehr hilfsbereit, v.a. bei der Materialbeschaffung und bei dem Kontakt zu verschiedenen Forschungseinrichtungen in Moskau. Man kann also das MGIMO sehr gut als Plattform für eigene Forschungsbemühungen nutzen. An einer Stelle am MGIMO (ich weiß nicht mehr wo) bekommt man Zugangsberechtigungen zu allen anderen Unis, Forschungseinrichtungen und Bibliotheken der Stadt.

Noch zu erwähnen ist, dass es am MGIMO ein überwältigendes Angebot an besonderen Veranstaltungen gibt. Fast jeden Tag finden Gastvorträge statt, z.B. waren Igor Ivanov und Colin Powell da, um nur zwei der vielen prominenten Gäste zu nennen. Es werden auch oft Ausflüge in die Duma und verschiedene Ministerien angeboten. Jedes Jahr findet am MGIMO außerdem die Moscow International Model United Nations (MIMUN) statt. Ich kann nur empfehlen, daran teilzunehmen.

Wohnheim

Ich habe im Wohnheim Nr.2 gewohnt, direkt neben der Uni. Das war sehr bequem, und die anderen Wohnheime sind auch nicht wesentlicher näher am Zentrum, aber dafür mindestens eine halbe Stunde von der Uni entfernt. Vom Wohnheim Nr.2 fährt man mit Bus und Bahn eine halbe Stunde in die Stadt. Mein Zimmer habe ich mit einer französischen Austausschstudentin geteilt (Einzelzimmer gibt es übrigens, zumindest für Studienanfänger, gar nicht). Das war natürlich weniger gut für mein Russisch, aber dafür war das Jahr in Moskau so gleichzeitig auch eine Lektion in französischer Kultur und Denkweise. Es war auch sehr interessant zu sehen, wie die Franzosen die Russen wahrgenommen haben. Die anderen Deutschen hatten ähnliche Erfahrungen mit Japanern, Spaniern und Engländern. Es hat also durchaus seine Vorteile, wenn man mit anderen Ausländern zusammen wohnt - sozusagen zwei Auslandserfahrungen in einer. Man kann übrigens das Zimmer wechseln, wenn's mit dem Mitbewohner gar nicht geht.

Die Zimmer für westliche Ausländer befinden sich im 2. und 3. Stock und sind ganz schön und frisch renoviert, ausgestattet mit einem eigenen Bad (mit Badewanne!), Fernseher, Wasserkocher und Kühlschrank. Jeden Tag kommt eine Putzfrau, und jede Woche bekommt man frische Bettwäsche. Ansonsten muss man selbst waschen - und das mit der Hand. Eine Waschmaschine gibt es nicht, auch keinen Waschsalon in der Nähe. Auf jedem Stock gibt es eine Küche mit einer Arbeitsplatte aus Chrom und einigen Herdplatten - sonst nichts außer weißen Kacheln. Die Küche ist dort also alles andere als ein Ort der Begegnung, wie man es vielleicht aus deutschen Wohnheimen kennt. Und jeder muss selbst für Geschirr, Töpfe usw. sorgen - komischerweise gibt es keine Ansätze, sich mit den anderen Leuten des Stocks zusammen zu tun und gemeinsamen Hausrat zu besorgen. Im Gegenteil: man muss aufpassen, dass einem nicht die Bratpfanne oder sogar buchstäblich die Wurst vom Teller geklaut wird, wenn man mal kurz die Küche verlässt.

Die restlichen Stockwerke sind eine andere Welt, reserviert für Russen und dauerhaft am MGIMO studierende Ausländer - sozusagen Studenten zweiter Klasse. Dort ist nichts renoviert, es wird selten geputzt, es gibt Mäuse und es herrschen recht rohe Sitten. Der große Anteil an kaukasischen und zentralasiatischen Studenten hat die unangenehme Angewohnheit, die ganzen Flure voll zu rotzen. Die Leute in den oberen Etagen haben außerdem ihren Müll einfach aus dem Fenster geworfen - gelegentlich flogen ganze Mülltüten an meinem Fenster vorbei.
Allgemein ist das Leben im Wohnheim nicht so wie man es aus Deutschland kennt. Es gibt Pförtner, man muss immer seinen Ausweis vorzeigen, Besuch ist nur bis elf Uhr gestattet, es sei denn, man schmiert die Pförtner mit fünfzig Rubeln (1,50 Euro). Von zwei bis fünf Uhr nachts ist das Wohnheim geschlossen, und es soll schon Zuspätkommmer gegeben haben, die bei minus 20 Grad vor der Tür warten mussten. Auch die Wohnheimverwaltung, bestehend aus dem Direktor und der Vizedirektorin, hat sich scheinbar vorgenommen, einem das Leben schwer zu machen. Ständig gab es aus irgendwelchen erfundenen Gründen Ärger und sie waren überhaupt nicht kooperativ. Am besten so gut es geht vermeiden.
Wenn man Besuch von Verwandten bekommt (oder auch von Freunden - dann hat man eben mal fünf Cousins...), können die im Wohnheim für 10 Dollar pro Tag und Zimmer wohnen. Die muss man aber lange vorher ankündigen und sie müssen registriert sein - am besten alles über www.visatorussia.com abklären.
Direkt neben dem Wohnheim gibt es übrigens eine große uni-eigene Turnhalle mit Fitnessraum. Es wurde zu meiner Zeit auch noch an einem eigenen Schwimmbad gebaut, das wohl demnächst fertig wird.

Und eine letzte Sache zum Wohnheim: jeden Sommer, in der Gegend des Wohnheims so ab Mai, wird in Moskau das warme Wasser abgestellt, angeblich um die Heizkraftwerke der Stadt für den nächsten Winter in Stand setzten zu können. Es ist zwar wirklich warm im Sommer, aber das kalte Wasser ist nicht bloß kalt sondern scheint direkt aus dem Polarmeer hergeleitet zu werden. V.a. die Haare damit zu waschen ist äußerst unangenehm, aber es härtet ab... Im Winter dagegen vergeht man im Zimmer vor Hitze, da man die voll aufgedrehte Heizung nicht regulieren kann, bzw. nur, indem man das Fenster aufmacht. Auch ist die Luft dadurch extrem trocken, so dass rote Augen und Nasenbluten an der Tagesordnung sind. Es ist daher vielleicht keine schlechte Idee, sich irgendeine Art von Luftbefeuchter mitzubringen, so was soll es ja geben.

Freundschaften

Von den typischen MGIMO-Studenten habe ich eigentlich niemanden näher kennengelernt. Das wäre sicher eine interessante Erfahrung, aber ich fand es sehr schwierig, überhaupt mit denen in Kontakt zu treten. Ich hatte ich das Gefühl, die MGIMO-Studenten glaubten es einfach nicht nötig zu haben, sich mit uns Westlern zu unterhalten. "Ich komme aus Deutschland." - "Ah ja." Einfach null Interesse, als ob sie fürchteten, jede Frage nach unserem Land und unserem Leben könnte wie ein Eingeständnis ihrer Minderwertigkeit wirken, und dabei wissen sie ja schon alles über den Westen und sind selbst mindestens genauso toll wie der tolle Westen. Aber natürlich gibt es auch andere, sehr nette Leute an der Uni. Einige meiner besten - russischen - Freunde habe ich außerhalb der Uni kennengelernt. Die "normalen" Russen sind, im Gegensatz zu vielen Kommilitonen, sehr offen und haben großes Interesse daran, etwas über unser Leben in Deutschland zu erfahren. Generell darf man sich nicht davon abschrecken lassen, dass die Russen gegenüber Fremden oft ruppig und abweisend sind. Sobald man sie einmal kennengelernt hat, sind sie unendlich herzlich und würden einem wirklich das letzte Hemd geben. Um solche Leute kennenzulernen, reicht es schon, sympatisch aussehende junge Menschen nachts in der Metrostation zu fragen, wo man denn nett ausgehen könnte. Im besten Fall nehmen sie einen dann sofort mit zu einer Tour durch das moskauer Nachtleben - so war es bei mir. Ich würde jedem unbedingt empfehlen, sich um solche Bekanntschaften zu bemühen, denn nur so erlangt man einen Blick in die bekannte russische Seele. Die neuen Russen am MGIMO sind zwar auch Teil der russischen Gesellschaft, aber eben nur ein Teil.

Moskau - ja tebje ljublju! Moskau ist eine großartige Stadt. Ich kenne viele schöne große Städte, aber keine ist so abwechslungsreich und so pulsierend wie Moskau. Am beeindruckendsten ist die Dynamik der Stadt - nahezu jeden Tag sprießt irgendwo ein neues Café, überall wird gebaut und renoviert und die Menschen sind voller Energie. Natürlich kommt einem auch immer wieder mal Sowjetmief entgegen, vor allem im öffentlichen Dienst, und nicht alle der älteren Bevölkerung sind begeistert von dem Wandel. Viele haben es sichtlich schwer, in der neuen Situation zurecht zu kommen, aber jeder versucht irgendwie seine Nische zu finden.
Das Zentrum ist wunderschön. Man kann Tage damit verbringen, einfach durch die vielen kleinen und großen Straßen zu schlendern und die Architektur zu bewundern. Ganz zu schweigen von den zahllosen Sehenswürdigkeiten und Museen. Das Angebot an Theater, Ballett, Oper und Konzerten ist grenzenlos und fast umsonst (sofern man seinen russischen Studentenausweis vorzeigt - am besten so wenig wie möglich sprechen, um ja nicht als Ausländer erkannt zu werden. Dann kann es schnell viel teurer werden). Restaurants und Klubs gibt es von sehr günstig bis unverschämt teuer. Für Restaurants ist Jolki-Palki, eine russische Kette, ein guter Tipp. Die teuren Klubs werden von MGIMO-Studenten besucht, und ohne die neueste Kreation von Gucci kommt man nur schwer an den Türstehern vorbei. Anders ist es mit den sogenannten "demokratischen" Klubs - man kommt immer rein, und das meist umsonst. Das Publikum ist gemischt bis alternativ, die Stimmung ist locker und fröhlich, und es wird viel getanzt und viel getrunken - gute Adressen dafür sind der Klub Kitaiski Ljotshik und die Kneipe mit Buchladen Projekt OGI. Ein wunderbarer Wegweiser zu allen Veranstaltungen mit allen Adressen ist die Zeitschrift Afisha.
Es gibt nichts, was man in Moskau nicht kaufen könnte, allerdings zu den gleichen Preisen wie bei uns. Eine Ausnahme sind Bücher, die sind unglaublich billig. Ich habe fünfzehn Kilo Bücher per Post nach Hause geschickt... Büchersendungen sind sehr zuverlässig, ansonsten kommen Briefe entweder nie oder nach Monaten an. Am besten alles per Einschreiben schicken (zakaznoi) - das kostet auch nur einen Euro und kommt (ungefähr nach einem Monat) an.
Lebensmittel kann man gut und recht günstig (ein Kilo Tomaten 1 Euro) auf dem Markt kaufen, z.B. an der U-Bahn Station Jugo-Zapadnaja in der Nähe der Uni. Es ist auch ein schönes Erlebnis, den bunt gekleideten Frauen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken beim Anpreisen ihren Waren zuzusehen. Auf den Märkten kann man neben Lebensmitteln auch alles andere viel billiger kaufen, als in Geschäften. So teuer wie sein Ruf ist Moskau also nicht.
Die Transportmöglichkeiten sind sehr gut. An der Uni bekommt man ein billiges Monatsticket für Tram und Bus, und wenn man sich rechtzeitig bemüht auch eines für die Metro. Das ist aber recht kompliziert. Ich habe mir immer direkt in der U-Bahn-Station ein Ticket gekauft, was auch sehr günstig ist. Ansonsten gibt es Taxis - teure offizielle und sehr billige inoffizielle. Jedes Auto ist ein potentielles Taxi - einfach die Hand ausstrecken und das nächste Auto hält an. Wenn die Route passt, nehmen sie einen mit - wie kostenpflichtiges Anhalterfahren. Man muss aber hartnäckig verhandeln: vom Zentrum bis zur Uni sollte nachts maximal 150 Rubel (5 Euro) kosten. Als Mädchen nachts alleine mit so einem inoffiziellen Taxi zu fahren ist aber natürlich nicht empfehlenswert.

Sonstiges

Man kann fast überall in Moskau mit einer EC-Karte Geld am Automaten bekommen. Oder man nimmt Euro mit, die man an jeder Ecke günstig tauschen kann. Was viele nicht wissen und einem am MGIMO auch keiner sagt: Ausländische Gaststudenten bekommen ein kleines Stipendium vom MGIMO (ca. 30 Euro pro Monat). Das bekommt man immer (nur!) am 26. des Monats an der Kasse im Erdgeschoss, linker Flügel.
Ganz wichtig zum Schluss: Um auszureisen braucht man immer ein Ausreisevisum, das man mindestens drei Wochen vorher im sogenannten OVIR-Büro in der Uni beantragen muss. Ohne das Visum kommt man absolut nicht weg, und auch wenn es in Moskau wunderschön ist - irgendwann muss man ja leider zurück.

Fazit: Die Zeit am MGIMO war sicher eine der schösten und spannendsten meines Lebens. Ich kann jedem nur empfehlen, selbst diese Erfahrung zu machen und gebe gerne allen weitere Auskünfte, die das Abenteuer Moskau wagen wollen. Schreibt einfach eine Email an c.zanevspam prevention@gmx.de.