Methodenzentrum

Personen-orientierte statistische Methoden oder die Analyse von Kontingenztafeln mit R: Log-Lineare Modelle und Konfigurationsfrequenzanalyse (KFA)

Mark Stemmler

Während die Variablen-orientierte Psychologie Mittelwerte oder Kovarianzen von Skalenwerten psychologischer Konstrukte untersucht, beschäftigt sich der Personen-orientierte Ansatz mit Merkmalskombinationen, die eine Person auf sich vereinigt und mit deren Auftretenshäufigkeiten. Merkmalskombinationen oder Konfigurationen, die signifikant häufiger auftreten als unter der Nullhypothese vorausgesagt werden als Typen bezeichnet. Konfigurationen, die signifikant seltener auftreten als unter der Nullhypothese postuliert werden als Antitypen bezeichnet (Krauth & Lienert 1973). Die vorgestellten Verfahren eignen sich auch für kleinere Stichproben oder für den Fall, dass die statistischen Voraussetzungen für Multivariate Verfahren wie Intervalldaten, Normalverteilung oder homogene Fehlervarianzen nicht erfüllt sind.

Neben einer Einführung in die open-source Software R, wird das R-Paket confreq  vorgestellt. Es ermöglicht nicht nur die Analyse von Konfigurationen mit der KFA, sondern auch die Analyse von log-linearen Modellen sowie die zwei-Stichproben-KFA, die als Pendant zum t-Test für Kontingenztafeln angesehen werden kann. In der neuesten confreq Version können auch Kovariaten verwendet werden. Alle Methoden werden anhand von kleinen Zahlenbeispielen demonstriert und am eigenen Laptop geübt.

Der Personen-orientierte Ansatz wird hier nicht als Entweder-oder-Alternative zum Variablen-orientierten Ansatz präsentiert werden, sondern er soll die Denk- und Auswertungsmöglichkeiten in der psychologischen Forschung erweitern.

Voraussetzungen für Teilnahme: Verlangt werden nur Grundkenntnisse in multivariaten Verfahren; der Kurs bietet gleichzeitig eine Einführung in die Software R!

 

Literatur:

Stemmler, M. (2014). Person-centered  methods: Configural Frequency Analysis (CFA) and Other Methods for the Analysis of Contingency Tables. Series: Springer Briefs in Statistics. New York: Springer Publishing Company.

Stemmler, M. & Heine, J.-H. (2016). Using Configural Frequency Analysis as a Person-Centered Analytic Approach with Categorical Data. International Journal of Behavioural Development. DOI: 10.1177/0165025416647524.

 

Zielgruppe:

Die TeilnehmerInnen sollten Kenntnisse der Inferenzstatistik sowie der multivariaten Analyseverfahren mitbringen. Gearbeitet wird am eigenen Laptop, auf dem bereits die R-Version 3.1.0 (oder neuer) sowie ein R-Editor (am besten R-Studio) installiert sind. Einige Datenbeispiele werden auch mit Hilfe von SPSS analysiert.