Institut für Sportwissenschaft

ImPuls - ein sport- und bewegungstherapeutisches Programm für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Hintergrund

Etwa 28% der Bevölkerung waren 2014 von einer psychischen Erkrankung betroffen. Zu den häufigsten Krankheiten zählen Angststörungen (ca. 15 %) und unipolare Depressionen (ca. 8%). Mittlerweile gehören psychische Erkrankungen gemeinsam mit muskuloskelettalen, Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den Erkrankungen mit den bedeutsamsten negativen Konsequenzen für die Gesundheit und Lebensqualität. Dennoch erhalten lediglich 10 % aller Patient*innen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland eine evidenzbasierte, also eine leitliniengetreue psychopharmakologische oder psychotherapeutische Behandlung. Obwohl die Wirksamkeit ausdauerorientierter sportlicher Aktivität auf die psychische Gesundheit bei depressiven Erkrankungen, PTBS, Panikstörung und Insomnie mittlerweile gut belegt ist, sind sport- und bewegungstherapeutische (SBT) Konzepte in der ambulanten Versorgung psychisch erkrankter Patient*innen bislang nicht etabliert.

Die Intervention "ImPuls"

„ImPuls – starke Psyche durch Motivation und Bewegung (kurz: ImPuls)“ ist ein sport- und bewegungstherapeutisches Programm, das auf der aktuellen Evidenz zur Wirksamkeit und effektiven Förderung von (regelmäßiger) ausdauerorientierter sportlicher Aktivität (SpA) bei Menschen mit psychischen Erkrankungen basiert.

ImPuls kombiniert ausdauerorientierte Sportaktivitäten mit edukativen Interventionsbausteinen, die darauf abzielen Motivation hinsichtlich der Initiierung von SpA aufzubauen und SpA dauerhaft in den Alltag zu integrieren. Das Programm besteht aus einer vierwöchigen supervidierten und einer fünfmonatigen teil-supervidierten Phase. Während der supervidierten Phase finden wöchentlich zwei bis drei Einheiten Lauftraining in Kleingruppen von sechs Personen statt. Die Laufeinheiten werden von den beschriebenen edukativen Interventionsbausteinen ergänzt. Die Kleingruppen werden von Sport- und Bewegungstherapeut*innen mit 3- bis 5-jähriger akademischer Ausbildung betreut, die DVGS spezifische Schulungen im Themenspektrum Psychiatrie, Psychosomatik und Sucht sowie mehrtägige ImPuls-Schulungen absolviert haben. Darüber hinaus unterstützt eine an der Universität Tübingen entwickelte ImPuls App bei der Durchführung von ImPuls.

Während der teil-supervidierten Phase wird SpA weitergeführt. Zur Unterstützung des Transfers der SpA in den Alltag werden die Patient*innen in dieser Phase durch regelmäßige Telefonkontakte und die ImPuls-​App betreut.

Ziele der Studie

Im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie sollen in zehn Studienzentren in Baden-Württemberg 600 Patient*innen mit Depression, Panikstörung, Posttraumatischer Belastungsstörung und Insomnie eingeschlossen werden. Überprüft wird, ob ImPuls als Zusatzleistung gegenüber der Regelversorgung transdiagnostisch wirksam und ins Versorgungssystem implementierbar ist. Darüber hinaus wird die Kosteneffektivität des ImPuls Programms in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen TK und AOK BW analysiert. Die Evaluation erfolgt extern durch die Ludwig-Maximilians-Universität München sowie die Technische Universität München.

Bei positiver Evaluation könnte ImPuls bundesweit in die ambulante Versorgung implementiert werden und so zu einer Schließung der Versorgungslücke beitragen.

Studienteilnahme

ImPuls richtet sich im Rahmen des Innovationsfondsprojektes vornehmlich an Patient*innen im Alter von 18 bis 65 Jahren mit den beschriebenen Störungsbildern. Eine Studienteilnahme ist ab dem 1. März 2021 an 10 regionalen sport- und bewegungstherapeutischen Zentren in Baden-Württemberg möglich (Baden-Baden, Crailsheim, Freiburg, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen, Ulm, Weingarten). Patient*innen werden primär durch das behandelnde ärztliche Fachpersonal (Hausarzt/ Hausärztin) oder das behandelnde psychotherapeutische Fachpersonal (Psychiater*in , Psychotherapeut*in) an eines der Studienzentren überwiesen.

Das ImPuls-Team von links nach rechts: Stephanie Rosenstiel, Britta Seiffer, Jana Welkerling, Sophia Funk, Dr. Sebastian Wolf, Leonie Louisa Bauer, Prof. Gorden Sudeck, Johanna Zeibig