Institut für Sportwissenschaft

BaSAlt - Verhältnisorientierte Bewegungsförderung und individuelle Bewegungsberatung in Seniorenheimen

Der Projektname BaSAlt steht kurz für „Verhältnisorientierte Bewegungsförderung und individuelle Bewegungsberatung im Setting ‚Altenwohnheim‘ – ein biopsychosoziales Analyse- und Beratungsprojekt“.

Der Anteil der Menschen im Alter von 65+ wird nach aktuellen Prognosen des Statistischen Bundesamts auf 23,7 Millionen und der Wert des Altenquotienten auf das Anderthalbfache bis Doppelte des heutigen Werts im Jahr 2060 steigen. Die Gesunderhaltung einer älteren Bevölkerung und die Vermeidung steigender Pflegebedürftigkeit wird vor diesem Hintergrund eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Aufgaben überhaupt werden. Besonders bedeutsam ist dabei die Förderung von körperlicher Aktivität als Schutzfaktor gegen chronisch degenerative Erkrankungen. Zugleich bewegt sich ein großer Teil der älteren Menschen nicht ausreichend. In Deutschland erreichen unter den 60- bis 69-Jährigen nur 16,8% der Frauen und 19,3% der Männer sowie unter den 70- bis 79-Jährigen nur 11,0 % der Frauen und 16,5 % der Männer einen Umfang körperlicher Aktivität entsprechend der WHO-Bewegungsempfehlungen. Zur Prävalenz und zur Relevanz körperlicher Aktivität von Menschen in Altenwohnheimen und Pflegeheimen als einer relevanten Lebenswelt von hochaltrigen Menschen liegen zudem bis dato kaum umfassende Studien vor.

BaSAlt ist Teil des neuen Förderschwerpunkts „Bewegung und Bewegungsförderungsforschung“ des Bundesministeriums für Gesundheit. Das Projekt ist deutschlandweit eines von acht Forschungsprojekten, die die Transferierbarkeit der Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung in unterschiedlichen Settings untersuchen. Acht Einrichtungen, in der Stadt Tübingen und Gemeinden im Umkreis, wurden bereits für die Projektdurchführung gewonnen. BaSAlt will in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit Praxispartnern Strategien der Bewegungsförderung entwickeln und Erkenntnisse über förderliche und hinderliche Faktoren gewinnen.

Die quasi-experimentelle prä-post Vergleichsstudie umfasst:
(1) lebensweltliche Settinganalyse zu bewegungsförderlichen und -hemmenden Potenzialen, Bewegungsmustern und -interaktionen, bewegungsbezogenem Klima und körperlicher Aktivität von ‚significant others‘ auf der Basis systematischer Beobachtungen, Interviews, Audits und Gruppendiskussionen und
(2) bewegungsbezogene Individualanalyse objektiver körperlicher Aktivität und sedentären Verhaltens, geriatrisches Assessment mit etablierten Testverfahren, Aktivitäts- und Gesundheitsbiographie (biographisches Mapping) sowie die Erhebung des Motivations-, Aktivitäts-, sowie des subjektiven Befindens- und Beschwerdestatus.
In den beteiligten Einrichtungen werden auf den Ergebnissen aufbauend unterschiedliche Beratungen erfolgen. In einer Auswahl an Einrichtungen bezieht sich Beratung auf die organisationale und lebensweltliche Ebene; bei den anderen wird die organisationale Ebene mit bewegungsbezogener Individualberatung verknüpft. Es werden dann die Wirkungen einer primären Organisationsberatung mit denen einer verknüpften Organisationsberatung und Individualberatung verglichen, sowie die Umsetzung vor Ort systematisch evaluiert.

BaSalt will einen Beitrag dazu leisten, bewegungsförderliche Strukturen vor Ort schaffen, die die Bewegung von Bewohnenden fördern und darüber zum Wohlbefinden und zu einer guten Lebens- und Arbeitsqualität aller Akteure beitragen.