Fachbereich Wirtschaftswissenschaft

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03.01.2012

Arme Eltern, kleine Kinder?

Forschungsergebnisse von Professor Baten und Dr. Andreas Böhm wecken Medieninteresse

Professor Jörg Baten (Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte)

Professor Jörg Baten vom Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte hat in Zusammenarbeit mit Dr. Andreas Böhm vom Landesgesundheitsamt Brandenburg ein Forschungsprojekt zum Zusammenhang zwischen der Körpergröße von Kindern und der sozialen Stellung ihrer Eltern abgeschlossen. Die Forschungsergebnisse haben bereits am Tag ihrer Veröffentlichung mediales Interesse gefunden. Die Neue Presse berichtet, ebenso das Hamburger Abendblatt und der österreichische Standard. Auch das Schwäbische Tagblatt, die Waltroper Zeitung und die Oberhessische Presse haben die Meldung aufgenommen.

Die Studie zeigt, dass sich Arbeitslosigkeit und sozialer Status der Eltern auch sehr erheblich auf die Körpergröße von Kindern und damit auch auf Lebensqualität und Gesundheit auswirken. So hat die Arbeitslosigkeit der Eltern einen signifikant negativen Einfluss auf die Körpergröße ihrer Kinder. Dabei scheint jedoch das mit einer Arbeitslosigkeit einhergehende geringere Einkommen eine weniger bedeutende Rolle zu spielen, als psychologischer Stress und Frustration der Eltern. Diese Faktoren könnten zu einer Vernachlässigung der Kinder bezüglich ihrer Versorgung führen. Auch die Abwanderungsrate als ein Maß für die wirtschaftlichen Bedingungen eines bestimmten Gebiets steht in einem negativen Zusammenhang mit der Körpergröße der Kinder. Da es häufig eher die gebildetere Bevölkerungsschicht ist, die eine Region in der Folge schlechter Bedingungen verlässt, bleiben die weniger Gebildeten zurück. Da gerade Familien mit gebildeten Eltern in der Regel mehr Wert auf eine gesunde Ernährung und medizinische Versorgung der Kinder legen, entwickeln sich diese besser und werden größer.


Dabei ist zu beachten, dass diese Körpergröße als Indikator nur für Durchschnitte einer großen Anzahl von Körpergrößen gilt. Die geringe Körpergröße eines einzelnen Menschen sagt nichts über das Wohlergehen aus, weil es eine breite genetische Streuung gibt.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand das Wachstum von Kindern aus dem Bundesland Brandenburg. Die Wissenschaftler untersuchten, inwiefern eine hohe Arbeitslosigkeit in der Region und weitere Faktoren, wie beispielsweise eine hohe Abwanderungsrate, das Wachstum von Kindern in dem Zeitraum 1994 bis 2006 beeinflussten. Die Daten stammen vom Landesgesundheitsamt Brandenburg und wurden im Zuge der Einschulung von Erstklässlern erhoben. Dabei konnte nicht nur die Körpergröße, das Alter und das Geschlecht von über 250.000 Kindern dokumentiert werden. Es wurden auch sozioökonomische Daten beispielsweise zum beruflichen Status der Eltern, deren Ausbildungsniveau sowie Anzahl der Kinder und Anzahl der Erwachsenen je Haushalt erfasst.

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