Fachbereich Wirtschaftswissenschaft

Galerie der Doktorjubilare 2012

Am Freitag, den 29.06.2012, fand die Ehrung der Doktorandenjubilare 2012 statt. In diesem Jahr konnte der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft, vertreten durch Fachbereichsprecher Professor Biewen, sechs Jubilaren persönlich die Erneuerungsurkunden verleihen.

Anwesend waren vier diamantene und zwei goldene Doktorandenjubilare.

60 Jahre Promotion

Dr. Gert Claudy

Herr Dr. Gert Claudy, geboren am 17. August 1928 in Tuttlingen, studierte, nachdem er im Jahr 1948 sein Abitur abgelegt hatte, von 1948 bis 1951 Volkswirtschaftslehre an der Universität Tübingen und in St. Gallen. 1951 legte er erfolgreich die Diplomprüfung für Volkswirte ab. Bereits ein Jahr später promovierte Herr Dr. Claudy bei Prof. Dr. Rudolf Johns mit seiner Dissertationsschrift zum Thema „Die Förderkosten und der Investitionsbedarf im Steinkohlebergbau der Schumanplanländer als Grundlage für die Beurteilung der Wirtschaftspolitik künftiger Investitionen“ erfolgreich zum Dr. rer. pol.

Von 1952 bis 1961 war Herr Dr. Claudy in der Steuerberatung, im Bankwesen und in Bergbaugesellschaften aktiv, ab 1956 spezialisiert auf den Gebieten Organisation und Datenverarbeitung im Versandgeschäft.

1962 schließlich wechselte Herr Dr. Claudy als leitender Angestellter zur Daimler-Benz AG bei welcher er bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1993 tätig blieb. Zuerst im Bereich des Ersatzteilwesens beschäftigt stieg Herr Dr. Claudy zum leitenden Abteilungsdirektor in der zentralen Finanzbuchhaltung auf und war dort auch für die Steuerung der Auslandsbeteiligungen zuständig.

Nach seinem Ruhestand im Jahr 1993 widmete sich Herr Dr. Claudy der Familie und seinen zahlreichen Hobbies, dem Reisen, dem Bergwandern und dem Golfspiel.

_______________________________________________________________

Dr. Dieter Fischer

Herr Dr. Fischer, geboren 1927 in Zwickau und aufgewachsen in Hamburg, schloss nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1946 sein Abitur ab und studierte anschließend an der Universität Hamburg Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Abschluss 1950 als Diplomkaufmann nahm Herr Dr. Fischer das Studium der Volkswirtschaft an der Universität Tübingen auf, welches er ebenfalls mit einem Diplom erfolgreich abschloss. Im Anschluss promovierte er 1952 bei Herrn Professor Hans Peter mit der Promotionsschrift „Zum Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer in der Wirtschaft". Ab 1953 arbeitete Herr Dr. Fischer dann in der Geschäftsleitung einer Firmengruppe, deren Filialen sich hauptsächlich auf Bahnhöfen befinden.

Der Bahnhofshandel sollte von da an Herrn Dr. Fischers Arbeitsleben und Engagement prägend beeinflussen. Im Jahr 1965 wurde Herr Dr. Fischer Vorsitzender des Verbandes des Deutschen Bahnhofshandels, was er bis zu seinem Ruhestand 1989 blieb. Ab 1976 war er weiterhin Vorsitzender der Fachabteilung Bahnhofsgaststätten im DEHOGA und ab 1980 erster Vorsitzender der von ihm formierten UNION Deutscher Bahnhofsbetriebe. 1978 gelang es ihm, mehrere europäische Verbände zum Zusammenschluss und zur Gründung des Euro-Bahn-Services, der „Vereinigung der Servicebetriebe der europäischen Eisenbahnen“ zu animieren. Von der Gründung bis 1991 war Herr Dr. Fischer erster Präsident der Vereinigung.

Neben seiner umfangreichen beruflichen Tätigkeit fand Herr Dr. Fischer auch die Zeit sich nebenher noch ehrenamtlich zu engagieren. So war er seit 1978 ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Stuttgart, seit 1973 Mitgliedervertreter in der deutschen Eisenbahnversicherung in Köln und seit 1985 Aufsichtsrat in der DEVK.

Auch nach der Niederlegung seiner Ämter blieb Herr Dr. Fischer der UNION Deutscher Bahnhofsbetriebe als Ehrenvorsitzenden erhalten. Für sein langjähriges Engagement und seine Verdienste im deutschen und europäischen Bahnhofshandel erhielt Herr Dr. Dieter Fischer am 5.6.1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

_______________________________________________________________

Professor Dr. Dr. h.c. Friedrich Fürstenberg

Herr Professor Fürstenberg, geboren am 11. 04. 1930 in Berlin, studierte an der Universität Tübingen zunächst Geschichte, Germanistik und Philosophie, dann ab WS 1948/1949 Volkswirtschaftslehre. Das Studium schloss Professor Fürstenberg 1951 mit Diplom ab, anschließend promovierte er bei Herrn Professor Carl Brinkmann zum Thema „Die soziale Integration im industriellen Großbetrieb. Eine betriebssoziologische Untersuchung.“

Im Anschluss folgten verschiedene Forschungsaufenthalte in den USA (Cornell), Großbritannien (LSE) und Frankreich (Centre d’etudes sociologiques Paris). Von 1957 bis 1961 war er Lehrbeauftragter für Wirtschaftssoziologie an der Universität Tübingen, daneben Leiter der Abteilung Ausbildung der Zentralverwaltung der Daimler-Benz AG. Ab 1961 bis 1963 war Professor Fürstenberg Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Genossenschaftswesen an der Universität Erlangen. Dort habilitierte er 1962 um anschließend von 1963-1966 als ordentlicher Professor für Soziologie einen Lehrstuhl an der TU Clausthal zu halten. Von 1966 bis 1981 war Professor Fürstenberg erster Lehrstuhlinhaber und erster Vorsitzender des Instituts für Soziologie der Johannes Kepler Universität in Linz. Von 1981 bis 1986 hielt Professor Fürstenberg einen Lehrstuhl an der Ruhr-Universität Bochum, von Herbst 1986 bis schließlich zu seiner Emeritierung im Jahre 1995 einen Lehrstuhl an der Universität Bonn.

Während seiner über dreißigjährigen Tätigkeit als Universitätsprofessor hielt Professor Fürstenberg zahlreiche Gastprofessuren rund um den Globus, von Australien bis Mexico. Während dieser dreißig Jahre erfüllte er zahlreiche Ehrenämter, so bspw. den Vorsitz des Fachausschusses für Religionssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, die Mitgliedschaft im Comité de Direction des Laboratoire d’Economie et de Sociologie du Travail (CNRS), President der International Industrial Relations Association oder Vorstandsmitglied der AG sozialwissenschaftlicher Institute.

Für seine Tätigkeit erhielt Professor Fürstenberg zahlreiche Auszeichnungen wie das Ehrendoktorat der Soka Universität Tokio im Jahre 1992, die Medaille für Herausragende arbeitswissenschaftliche Leistungen der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft im Jahre 1995, den Landeskulturpreis 1999 und das Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich im Jahr 2000. Seit 1982 ist er zudem ordentliches Mitglied der Accademia Mediterranea delle Scienze.

In seinen zahlreichen empirischen Forschungsprojekten arbeitete Professor Fürstenberg u.a. zur Soziallage der Chemiearbeiter, zur Anwendung des Betriebsverfassungsgesetzes bei Siemens, zum Robotereinsatz bei VW, zu Managementstrukturen in der Japanische Großindustrie sowie zur Steuerung und Abstimmung von Bildung und Beschäftigung in Japan.

_______________________________________________________________

Dr. Friedrich Reinhardt

Herrn Dr. Friedrich Reinhardt, geboren am 25. Juli 1925 in Stuttgart, studierte zuerst an der TH Stuttgart, dann an der Universität Tübingen Volkswirtschaftslehre und schloss dieses Studium mit dem Diplom ab. Anschließend promovierte er bis 1952 bei Herrn Professor Wilhelm Rieger zum Dr.rer.pol. mit der Dissertationsschrift: "Die Währungsreform. Ihre Bedeutung für die Geldrechnung und die Rechnung der Unternehmung (DM-Eröffnungsbilanz)".

Ab 1953 war Dr. Reinhardt als Angestellter in der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatersozietät Dr. Bansbach, Dr. Schübel, u.a. in Stuttgart tätig. 1956 erfolgte seine Bestellung zum Steuerprüfer, 1964 dann die Bestellung zum Wirtschaftsprüfer. Ab 01.01.1968 wurde Herr Dr. Reinhardt Mitgesellschafter (Partner) der „Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Dr. Bansbach, Dr. Schübel, Dr. Brösztl und Partner GmbH in Stuttgart.

Als Gesellschafter schied Herr Dr. Reinhardt erst am 22.06.2012 endgültig aus der Sozität aus. Obwohl er sein Arbeitspensum seit 2002 schrittweise reduzierte, hat er bis zuletzt noch einzelne Kunden betreut und ist somit erst kurz vor der Ehrung zum diamantenen Promotionsjubiläum endgültig in den Ruhestand eingetreten.

_______________________________________________________________

50 Jahre Promotion

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Kistenmacher

Professor Kistenmacher, geboren am 08.07.1934 in Heilbronn, studierte von 1954 bis 1958 an den Universitäten Stuttgart, München und Tübingen Volkswirtschaftslehre. Im Anschluss war Herr Prof. Kistenmacher wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen Forschungsprojekten von 1959-1962. Im Jahre 1962 promovierte Professor Kistenmacher dann bei Herrn Professor Isenberg zum Thema: „Wechselbeziehungen zwischen der wirtschaftlichen Struktur und dem Kommunalbereich. Untersuchungen zur kommunalen Strukturforschung und Entwicklungsplanung. Dargestellt am Beispiel der Stadt Schwäbisch Hall.“

Nach dreijähriger praktischer Tätigkeit von 1962 bis 1965 in einem großen US-Konzern war Professor Kistenmacher ab 1965 wissenschaftlicher Rat an der TH Stuttgart.

Ab 1970 bis 1976 folgte eine Zeit als Ordinarius und Direktor des Instituts für Landesplanung und Raumforschung der Universität Hannover mit Lehraufträgen an der TU Berlin und der TU Braunschweig. Ab 1976 bis zu seiner Emeritierung 1999 schließlich war Professor Kistenmacher Professor für Regional- und Landesplanung der TU Kaiserslautern. Seit 1977 arbeitete er eng mit den Lehrstühlen der Technischen Universitäten Prag und Brünn zusammen und wurde dementsprechend von der TU Brünn für seine Leistungen 1994 mit der Ehrendoktorwürde bedacht.

Seit 1965 arbeitet Professor Kistenmacher an grenzüberschreitenden Planungs- und Entwicklungsprojekten im Raum Karlsruhe/Südpfalz/Nordelsass. Von 1976 bis 2002 war Professor Kistenmacher Nebenamtlicher Leiter der Koordinierungsstelle Südpfalz und ist Mitbegründer des deutsch-französischen Zweckverbandes Regio Pamina. Seit 2003 ist Professor Kistenmacher Vorsitzender des international zusammengesetzten Beirats für Kommunalentwicklung Rheinland-Pfalz.

Professor Kistenmacher übte und übt bis heute eine Vielzahl von wissenschaftlichen Funktionen und Tätigkeiten aus. So war er mehrere Jahre im Präsidium und im wissenschaftlichen Rat der Akademie für Raumforschung und Landesplanung mit Sitz in Hannover Tätig, darüber hinaus dort Leiter verschiedener Arbeitsgruppen. Professor Kistenmacher ist Ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, korrespondierendes Mitglied der braunschweigischen wissenschaftlichen Gesellschaft, gewählter Gutachter der DFG sowie Vorsitzender des DFG-Fachausschusses für das Forschungsgebiet Architektur, Städtebau und Landesplanung, um nur einige Posten zu nennen.

Derzeit ist Professor Kistenmacher noch in mehreren Gremien der Akademie für Raumforschung und Landesplanung tätig und wirkt bei neuen Publikationen mit. Er ist derzeit Gastprofessor der Hochschule für Regionalentwicklung Prag.

Für sein Engagement in der deutsch-französischen Zusammenarbeit wurde Professor Kistenmacher mit der deutsch-französischen Grenzland-Medaille ausgezeichnet. Professor Kistenmacher ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse.

_______________________________________________________________

Dr. Günther Steeb

Herr Dr. Steeb, geboren am 23.08.1931 in Gerstetten/Kreis Heidenheim, begann seine berufliche Karriere nach dem Abschluss des Realgymnasiums 1951 an der staatlichen Verwaltungshochschule Stuttgart, welche er 1955 als geprüfter Verwaltungswirt abschloss. Anschließend zog es ihn zum Studium der Volkswirtschaftslehre an die Universität Tübingen, nach dem Diplom 1959 arbeitete Herr Dr. Steeb bei der Landesgirokasse Stuttgart, daneben promovierte er 1962 bei Herrn Professor Rudolf Johns mit der Dissertationsschrift „Die Folgekosten kommunaler Siedlungen und ihre Finanzierung.“ Diese Dissertationsschrift fand besondere Anerkennung bei dem Verein für Kommunalwissenschaften e.V. Berlin und wurde 1963 von diesem prämiert. 1965 wurde die Dissertation beim Verlag W.Kohlhammer veröffentlicht.

Von 1960-1981 arbeitete Herr Dr. Steeb für die Landesgirokasse Stuttgart, ab 1970 als Direktor. Von 1969 bis 1981 saß Herr Dr. Steeb als Abgeordneter im Baden-Würrtembergischen Landtag für die CDU und war Landesvorsitzender der Mittelstandsvereinigung der CDU Baden-Württemberg. In diese Zeit fiel auch eine mehrjährige Tätigkeit als Lehrbeauftragter für Volkswirtschaft bei der Betriebswirtschafts-Akademie in Stuttgart. 1979 wurde ein vor Dr. Steeb mitverfasstes Schulbuch zur Volkswirtschaftslehre veröffentlicht. Seit 1981 ist Herr Dr. Steeb geschäftsführender Gesellschafter der Schwäbischen Beteiligungsgesellschaft mbH in Stuttgart und Selbständiger Unternehmens- und Finanzberater.

Herr Dr. Steeb ist Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse.