Fachbereich Wirtschaftswissenschaft

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13.12.2018

Komplexität von Finanzprodukten - Wissenschaftliche Studie fordert Umdenken der Regulierer

Bei der Regulierung der Anlageberatung spielt die Komplexität eines Finanzproduktes eine...

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10.12.2018

Professor Frank Stähler wins an ARC Discovery Grant

Frank Stähler, Professor of Economics at the University of Tübingen, wins Australian Research...

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06.12.2018

Delegierte von Aviation Industry Corporation of China zum Treffen in Tübingen

Am Mittwoch, den 12.12.2018, kommen 16 chinesische Delegierte des Unternehmens Aviation Industry...

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26.11.2018

Wiwi NEWS - Europa im Fokus

Die Europäische Union (EU), mit ihren 28 Mitgliedsstaaten, ist ein wichtiger Akteur mit weltweitem...

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22.11.2018

International Financial Markets

1st Heidelberg-Tübingen-Hohenheim Workshop on International Financial Markets Schloss Hohentübingen,...

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14.11.2018

Unsere Vorfahren waren gesünder als erwartet

Bioarchäologische Studie liefert erstmals Gesamtdarstellung zur Gesundheit der Europäer über einen...

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08.11.2018

Honorarprofessor Helmut Haussmann "Meine Leidenschaft: Mittlere Weltmarktführer"

Prof. Helmut Haussmann bringt seit nahezu zehn Jahren praktische Erfahrungen als selbstständiger...

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06.11.2018

Großbritannien und die EU

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaft hatte zu einer Brexit-Konferenz am 26. Oktober 2018...

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Komplexität von Finanzprodukten

Wissenschaftler fordern Umdenken der Regulierer

Bei der Regulierung der Anlageberatung spielt die Komplexität eines Finanzproduktes eine entscheidende Rolle. Mit ihrer derzeitigen Definition von Komplexität führen die Regulierer den Anleger aber häufig in die Irre. Ein neuer Ansatz der Universität Tübingen stellt nun nicht mehr das Finanzprodukt, sondern den Anwender in den Mittelpunkt. Ein Finanzprodukt gilt als nicht-komplex, wenn der Anleger zu jeder Zeit den genauen Wert seiner Anlage feststellen kann. Muss der Anleger bei der Einschätzung des Wertes jedoch mit größeren Preisüberraschungen rechnen, gilt das Produkt als umso komplexer je größer die Überraschung ist.

Die Klassifizierung in komplexe und nicht-komplexe Finanzprodukte spielt gerade in der Anlageberatung eine große Rolle. Sie entscheidet, ob ein Wertpapier ohne Beratung zum Kauf angeboten werden darf und in welchem Umfang eine detaillierte Risikoaufklärung erforderlich ist. Die bestehende europäische Regulierung sieht eine Klassifizierung ganzer Produktgruppen vor. Eine normale Lebensversicherung wird dabei beispielsweise als nicht-komplex eingestuft, ein DAX-Future hingegen als komplex. Diese Art der Klassifizierung ist allerdings sehr allgemein. Unterschiede innerhalb der einzelnen Produktkategorien werden nicht beachtet. Der Fokus der Einteilung liegt auf dem Produkt und weniger auf dem Anwender.

In der Studie der Wissenschaftler der Universität Tübingen, die im Auftrag des Deutschen Derivate Verbands erstellt wurde, wurde die Perspektive gewechselt und der Anwender in den Mittelpunkt gestellt. Untersucht wurden verschiedene Produkte aus den Assetklassen Anleihen, Aktien, Zertifikate, Derivate und Investmentfonds auf ihre Komplexität aus Sicht des Anlegers. Nach der neuen Definition gilt ein Finanzprodukt als nicht-komplex, wenn der Anleger zu jeder Zeit den genauen Wert seiner Anlage feststellen kann. Liegen jedoch keine genauen Informationen zu dem Wert des Finanzproduktes vor und muss der Anleger bei der Einschätzung des Wertes mit größeren Preisüberraschungen rechnen, gilt das Produkt als umso komplexer je größer die Überraschung ist. Die Ergebnisse zeigen große Komplexitätsunterschiede innerhalb der einzelnen Assetklassen. Produkte wie Lebensversicherungen und Investment-Fonds, die nach MiFID II nicht-komplex sind, erwiesen sich mitunter als besonders komplex. Umgekehrt waren gerade einige vermeintlich komplexe Produkte in der Realität sehr anwenderfreundlich. Gerade die fehlende Transparenz der Portfoliozusammensetzung, wie sie beispielsweise bei Lebensversicherungen und Investment-Fonds gegeben ist, führt nach der neuen Definition zu einer höheren Komplexität. Der Anleger kann den Wert dieser Produkte aufgrund der fehlenden Informationen nicht einfach und eindeutig bestimmen. Finanzprodukte, die an Wertpapierbörsen gehandelt werden, haben hier die Nase vorn. Der Anleger kann sich jederzeit darüber informieren, zu welchem Preis die Finanzprodukte gehandelt werden. Das erleichtert die Wertbestimmung des Produkts und vermindert die Komplexität für den Anleger.

Dazu erklärt Prof. Dr. Christian Koziol, Inhaber des Lehrstuhls für Finance der Eberhard Karls Universität Tübingen und Mitverfasser der Studie: „Die Ergebnisse unserer Studie stehen nicht im Einklang mit der Klassifizierung, die der europäische Regulierer vornimmt. Die Beurteilung der Komplexität darf nicht pauschal an der Produktkategorie festgemacht werden. Zudem ist eine komplexe innere Struktur eines Finanzprodukts nicht gleichzusetzen mit einer komplizierten Anwendung für den Anleger. Diese allgemeinen Annahmen des Regulierers werden der Realität bei weitem nicht gerecht.“

Dr. Hartmut Knüppel, Geschäftsführender Vorstand des DDV, ergänzt: „Entscheidend ist nicht, was der Regulierer, sondern was der Anleger unter Komplexität versteht und wie er diese wahrnimmt. So wie Komplexität bisher definiert wird, ist es als Kriterium für die Kaufentscheidung eines Anlegers untauglich, in vielen Fällen sogar kontraproduktiv und irreführend. Neben der Komplexität spielt gerade auch der Risikogehalt eines Produkts eine wichtige Rolle. Nicht-komplexe Produkte sind aber nicht automatisch sicher und leicht verständlich, und komplexe Produkte sind nicht unbedingt risikoreich.  Oft dient eine höhere Komplexität der Absicherung vor Risiken. Wer Anleger wirksam schützen will, sollte bei Finanzprodukten besonders auf Verständlichkeit und Transparenz achten.

Unsere Vorfahren waren gesünder als erwartet

Bioarchäologische Studie liefert erstmals Gesamtdarstellung zur Gesundheit der Europäer über einen Zeitraum von 2000 Jahren

 Obwohl das frühe Mittelalter (zwischen 500 und 1000 n.Chr.) oft als „dunkles Zeitalter“ beschrieben wird, waren die Menschen damals gesünder als in den folgenden Zeiten – sogar bis in das industrialisierte 19. Jahrhundert hinein. Nicht nur die historischen Vorbilder der Sagenkönige Artus und Siegfried erfreuten sich guter Gesundheit, sondern auch die Mittel- und Unterschichten dieser frühen Zeit. Zu diesem Schluss kommt ein Team aus Wirtschaftswissenschaftlern, Archäologen und Anthropologen, die erstmals in einer bioarchäologischen Überblicksstudie Daten zur menschlichen Gesundheit in Europa aus 2000 Jahren zusammengestellt haben. Die Ergebnisse wurden in der Publikation „The Backbone of Europe - Health, Diet, Work and Violence over Two Millennia“ veröffentlicht.

 

Wirtschaftshistoriker Professor Jörg Baten von der Universität Tübingen wertete dafür zusammen mit Richard H. Steckel und Clark Spencer Larsen von der Ohio State University sowie Charlotte A. Roberts von der University of Durham und zahlreichen Kolleginnen und Kollegen eine große Datenbasis aus einem breiten Länderquerschnitt des europäischen Kontinents aus. Die Studie stellt zudem verschiedene Dimensionen der Gesundheit und anderer Komponenten des Lebensstandards nebeneinander, die bisher so nicht betrachtet wurden. Damit förderte diese für Europa einzigartige Studie erstaunliche Erkenntnisse zutage und lässt erstmals einen Vergleich mit den amerikanischen Kontinenten zu, wo solche Studien bereits ausgeführt wurden.

 

Um zu einem ganzheitlichen Verständnis der Geschichte und Entwicklung menschlicher Gesundheit, Gewalt und Arbeitsbelastung zu kommen, nahmen Baten und ein Team aus 75 Bioarchäologinnen und

–archäologen ein Jahrzehnt lang Untersuchungen an mehr als 15.000 menschlichen Skeletten vor. Diese stammten aus mehr als 100 Regionen Europas und wurden zwischen dem 3. Jahrhundert n. Chr. und Mitte des 19. Jahrhunderts beigesetzt. Die Grundfrage dabei war: Welchen Einfluss hatten klimatische, geographische, aber auch sozioökonomische Entwicklungen auf die menschliche Gesundheit?

 

Die Wissenschaftler betrachteten die Gesundheit der Zähne, die Körpergröße sowie verschiedene andere Messgrößen zur Ernährungsqualität und Arbeitsbelastung. Sie zählten sogar die gewaltsam eingeschlagenen Schädel und stellten sie denen friedlicher verstorbenen Europäern gegenüber. Dabei fanden sie z.B. heraus, dass die Justinianische Pest in der Spätantike (6. Jahrhundert) indirekt einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung hatte: Die Generationen, die direkt nach der Pest geboren wurden, hatten eine deutlich größere Auswahl an Ressourcen, was zu besseren Lebensbedingungen des Einzelnen führte. Erstaunlicherweise nahm die Gesamtgesundheit anschließend, also seit dem Frühmittelalter bis zur Phase der Industrialisierung, konstant ab. Baten und seine Team führen dies auf eine wachsende Bevölkerungsdichte, steigende soziale Ungleichheit, sowie die kleine Eiszeit in Spätmittelalter und früher Neuzeit (16.-19. Jahrhundert) zurück.

 

Die staatliche Aktivität in Europa  seit dem 15. Jahrhundert wirke diesem Trend jedoch entgegen, so die Wissenschaftler. Die dadurch entstandene Sicherheit habe für weniger Gewalt innerhalb der Gesellschaften gesorgt. Einen ähnlichen Zusammenhang von Organisationsgrad und niedrigerer Gewaltbereitschaft stellte Richard H. Steckel bereits früher für die mexikanischen Hochkulturen im Vergleich zu den kriegerischen Ureinwohnern Nordamerikas fest.

 

Das Team leistet mit „The Backbone of Europe“ einen Beitrag zum Verständnis dafür, welchen Einfluss ökonomische, klimatische und gesellschaftliche Veränderungen auf die menschliche Gesundheit haben und damit die Grundlage, aus unserer Geschichte zu lernen.

 

Professor Jörg Baten leitet zusammen mit Professor Jörn Staecker und Professor Joachim Wahl den Projektbereich B06 „Mensch und Ressourcen in der Wikingerzeit. Anthropologische und bioarchäologische Analysen zur Nutzung von Nahrungsressourcen und Detektion von Mobilität“ des Sonderforschungsbereichs 1070 RessourcenKulturen an der Universität Tübingen.

Publikation: „The Backbone of Europe - Health, Diet, Work and Violence over Two Millennia“. Richard H. Steckel, Clark Spencer Larsen, Charlotte A. Roberts, Joerg Baten (Hrsg.). Cambridge University Press 2018

"Meine Leidenschaft: Mittlere Weltmarkt-Führer", Prof. Dr. Helmut Haussmann

Prof. Helmut HaussmannBundeswirtschaftsminister a.D., Diplomkaufmann, Dienstleistungsunternehmer und Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg bringt seit nahezu zehn Jahren praktische Erfahrungen als selbstständiger Unternehmer in die Lehre am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft ein. Mit Leidenschaft stellt er den Bezug zwischen Studium und Praxis her, um Studierende auf eine Position als Führungskräfte bei mittleren Weltmarktführern vorzubereiten. Seine Praxiserfahrung aus Wirtschaft und Politik ergänzt die Lehre am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft für Studierende in idealer Weise.

2018 wurde ihm von der Universität Tübingen die Honorarprofessur am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft verliehen. Der Gastprofessor am Lehrstuhl International Business verknüpft damit professionell seine drei Interessensschwerpunkte: Politik, Wissenschaft, Wirtschaft. Professor Markus Pudelko beschrieb ihn in seiner Laudatio als liberal, was er seiner Toleranz und Offenheit verdanke, sowie als neugierigen, intellektuellen, menschenzugewandten Menschen, der eine gelungene Balance zwischen Internationalität und schwäbischer Bodenständigkeit verkörpere. Sein genuines Interesse an anderen und respektive jungen Leuten sei „eine Eigenschaft, die ihn auszeichnet und wir schätzen“.

Welche Vorteile die mittleren Weltmarkführer bieten

In seiner Antrittsvorlesung am 5. November 2018 in der Alten Aula referierte Helmut Haussmann vor vollem Saal zum Thema „Meine Leidenschaft: Mittlere Weltmarkt-Führer“. 40 % aller Weltmarkführer kämen aus Deutschland und das sei eine deutsche Besonderheit. Die sogenannten Hidden Champions zeichneten drei Vorteile aus: Extrem hohe Identifikation, Motivation und Verlässlichkeit der Führungskräfte; intime Beziehungen zu den Kunden mit einer nicht imitierbaren Beratungsleistung; und es seien kosmopolitische Visionäre.

Haussmann sieht seine Aufgabe darin, Führungspersönlichkeiten für mittlere Weltmarktführer auszubilden. Dass bisher die Führungskräfte kaum von der Uni Tübingen rekrutiert würden, hält er für einen Mangel und sieht mehr Möglichkeiten der Studierenden, was ihre berufliche Zukunft angeht. Er möchte ihr Mentor sein für ihr berufliches und privates Leben. In seinem Schlusswort „Erhalten Sie mir Ihr Interesse und Ihre Freundschaft. Ich verspreche Ihnen: Das Beste kommt noch.“, machte der neue Honorarprofessor sein großes Engagement für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaft nochmals deutlich.

Prof. Grammig zum Mitglied der in DFG-Senatsausschuss gewählt

Prof. Joachim Grammig (Chair of Econometrics and Empirical Economics) wurde zum 1.1.2019 vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Mitglied des Senatsausschusses für die Sonderforschungsbereiche (SFB) und zum wissenschaftlichen Mitglied des Bewilligungsausschusses für die SFB gewählt.

Der DFG-Senatsausschuss hat die Aufgabe, die SFB von der Vorbereitung der Finanzierungsanträge über die Mitwirkung bei der Begutachtung und Ergebnisbewertung bis hin zur Finanzierungsentscheidung zu betreuen. Der Bewilligungsausschuss entscheidet unter der Beteiligung von Vertretern des Bundes und der Länder über die  Finanzierung der SFB. Die Mitglieder des Senatsausschusses übernehmen die Berichterstattung über den Ablauf der Begutachtung im Bewilligungsausschuss.

Prof. Grammig ist der einzige Wirtschaftswissenschaftler im 40-köpfigen Senatsausschuss.

Prof. Baten zum Mitglied der Academia Europaea berufen

Die Academia Europaea ist eine europäische regierungsunabhängige wissenschaftliche Gesellschaft, die im Jahr 1988 gegründet wurde. Sie verfolgt unter anderem das Ziel das Verständnis der Wissenschaften in der Öffentlichkeit zu verbessern und zu fördern. Die Mitgliedschaft kann nur durch Einladung an europäische Wissenschaftler nach Vorschlag einer Gutachterkommission erworben werben und wird durch den Rat der Gesellschaft bestätigt. Momentan hat die Gesellschaft circa 4000 Mitglieder, unter ihnen 72 Nobelpreisträger.
Jörg Baten, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen hat solch eine Einladung erhalten und diese mit Freude angenommen.

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