Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Top-News

11.09.2019

Berufsfeld Entwicklungszusammenarbeit – Microfinance

Entwicklungszusammenarbeit ist ein breites Berufsfeld, das speziell für Absolventen der Wirtschaftswissenschaft immer mehr Möglichkeiten bietet. Um das breite Spektrum der Arbeit in diesem Bereich zu beleuchten fanden im Rahmen von ESIT mehrere Veranstaltungen statt. Der “Workshop on Microfinance“ beschäftigte sich mit der Frage ob Kleinkredite ein Mittel zur Armutsbekämpfung oder zur Profitgenerierung westlicher Länder sind.

Microfinance - Ein Instrument zur Armutsbekämpfung oder Gewinnmaximierung?

Einer Frau aus Ecuador, die in einer ärmlichen Region lebt, wird durch einen Kleinkredit der Kauf einer Rührmaschine und damit der Anfang ihres Geschäfts für den Verkauf von Fladenbroten ermöglicht – eines von vielen Musterbeispielen, das in dem Seminar on Microfinance betrachtet wurde. Die rosarote Brille, durch die Mikrokredite oft betrachtet werden, wurde jedoch schnell abgelegt und die Studierenden arbeiteten in Gruppen an unterschiedlichen Teilbereichen des Themas.

Wie das Kleinkreditwesen funktioniert

Eine Gruppe beschäftigte sich zum einen mit dem Beginn des Kleinkreditgedankens und seinem Begründer Muhammad Yunus. Der bengalische Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger 2006 hat die Mikrokredite vergebende Grameen Bank gegründet und für viele Jahre als Geschäftsführer geleitet. Das Gruppenkredit-Modell, das durch ihn weltweite Verbreitung fand, basiert auf dem Prinzip, dass sich eine einzige Person mit anderen unter der Armutsgrenze lebenden Personen auf einer Vertrauensbasis zusammenschließt. Die Gruppe nimmt dann an einem Finanztraining teil und steuert einem gemeinsamen Sparkonto einen täglichen, aber geringen Betrag bei. Nach dem Training bekommt jedes Mitglied ein kleines Darlehen, um die eigene Geschäftsidee zu finanzieren und Einkommen zu erzielen. Die Gruppe, die für sich gegenseitig bürgt und bei Misserfolg füreinander aufkommen muss, trifft sich regelmäßig und tauscht sich über ihre Projekte aus.

Wer von diesem Programm profitiert

Welche Vor- und Nachteile bringt das Konzept für die Beteiligten mit sich? Zum einen profitieren vor allem Frauen in strukturschwachen Regionen von entstehenden Finanzierungsmöglichkeiten. Das Risiko für den einzelnen Kreditnehmer ist geringer. Ein regelmäßiger Austausch fördert den Erfolg. Zum anderen kann bei Misserfolg der Gruppen- und Erwartungsdruck zu Spannungen, Konflikten bis hin zum Gesellschaftsausschluss führen.

Diese und weitere Nachteile wurden durch eine Arbeitsgruppe genauer beleuchtet. Es wurden kontroverse Thesen aufgestellt und diskutiert, wie zum Beispiel darüber, ob Mikrokredite für die Institute profitabler sind als für die Kreditnehmer und, dass ein gesellschaftlicher Netto-Nutzen bisher empirisch nicht nachgewiesen wurde.

Das Seminar, mit seiner hohen Interaktivität und der bunten Mischung von Austausch- und Tübinger Studierenden, veranschaulichte die Verbindung zwischen sozialen und wirtschaftlichen Themen und brachte eine realistische Sicht auf diese Finanzierungsform.

Text: Lisa Dufner Bild: Ramona Gresch

Zurück