Uni-Tübingen

Isabell Väth

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Akademischer Werdegang

10/2009-06/2014
Bachelorstudium der Geschichtswissenschaft (Hauptfach) und der Germanistik (Nebenfach)

an der Universität Tübingen

04/2014-03/2017
Masterstudium der Deutschen Literatur

an der Universität Tübingen

Seit 10/2019
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

am Lehrstuhl von Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter, Universität Tübingen

Berufliche Stationen

09/2008 – 08/2009
Freiwilliges Soziales Jahr

01/2016 - 03/2017
Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Deutsche Literatur des Mittelalters

an der Universität Tübingen (Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter)

10/2015 - 03/2017
Studentische Hilfskraft im GK 1662 „Religiöses Wissen im vormodernen Europa“

an der Universität Tübingen

04/2015 - 03/2016
Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit

an der Universität Tübingen (Prof. Dr. Jörg Robert)

03/2013 - 04/2013
Redaktionspraktikum bei der historischen Zeitschrift G/Geschichte

Projekte

WiSe 2015/2016
Studentisches Theaterprojekt (mit Myriam Bittner, Marion Darilek, Silke von Fürich)

Das Nibelungenlied – Alte mæren neu erzählt. Aufführung am 23. Februar 2016 im Landestheater Tübingen (http://www.kupferblau.de/2016/02/25/die-nibelungen-lebendiges-heldenepos-im-ltt/).

Vorträge

07/2019
“The Lady in Minnesang: Carnate or Discarnate?”

Vortrag beim Leeds International Medieval Congress ‚Materialities’, University of Leeds (England), 01.-04. Juli 2019.

04/2019
“Gott im Minnesang“

Vortrag bei der wissenschaftlichen Tagung der Germanistikstudierenden 2019 ‚Sprache und Literatur‘, Universität Vilnius (Litauen), 26.04.2019.

03/2019
„Psalmensprache im Minnesang“

Vortrag beim 18. Symposium des Mediävistenverbandes ‚Schaffen und Nachahmen. Kreative Prozesse im Mittelalter‘, Universität Tübingen, 17.-20. März 2019.

11/2018
„Transformationen religiösen Wissens im mittelhochdeutschen Minnesang“

Projektvorstellung bei der internationalen Konferenz Epochales Denken/ Epochal Thinking der German Studies Association of Australia, Victoria University of Wellington (Neuseeland), 28.-30. November 2018.

10/2018
„Transformations of religious knowledge in German Minnesang“

Vortrag an der University of North Carolina (Chapel Hill, USA), 08.-11. Oktober 2018.

07/2018
„Rethinking the idea(l) of ‘Hohe Minne’; Religious knowledge in late Minnesang”

Vortrag beim Leeds International Medieval Congress, University of Leeds (England), 02.-05. Juli 2018.

06/2018
„Transformationen religiösen Wissens im Minnesang“

Projektvorstellung im Rahmen des mediävistischen Oberseminars, Universität Tübingen.

05/2018
„Transformationen religiösen Wissens im frühen Minnesang“

Vortrag bei der Nachwuchstagung Wissenskulturen der Vormoderne. Autorisuerungen – Remediationen – Transfers, Universität Berlin, 3.-5. Mai 2018.

10/2017
„Relektüren im Spiegel religiösen Wissens: Religiöses Wissen im Minnesang“

Vortrag bei der Jahrestagung des GrK 1662, Ellwangen, 9.-11. Oktober 2017.

10/2017
„Dialectia docet, Rhetorica movet - Affektsteuerung in den Liedern Luthers“

Vortrag bei der interdisziplinären Winterschool Luther und die Künste, Universität Tübingen, 4.-6. Oktober 2017.

Arbeitstitel: Gott im Minnesang

In den Liedern des Minnesangs spielt Gott eine zwar kontinuierliche, aber eher unauffällige, oft (scheinbar) nur floskelhafte Rolle. In der bisherigen Forschung wurden diese Gottesbezüge meist nicht näher untersucht, im besten Falle als spannungsreiche Opposition ‚weltlicher‘ und ‚geistlicher‘ Forderungen betrachtet. Der Fokus der Forschung lag hierbei vor allem auf der Kreuzzugslyrik, in der diese Forderungen durch das Abwägen von Gottes- gegenüber Frauendienst greifbar werden.

Im Dissertationsvorhaben erweitere ich das Untersuchungsfeld sowohl synchron als auch diachron, um aufzuzeigen, wie – mit Blick auf die spezifischen Ausformungen – und warum die Gottesfigur im Minnesang Eingang findet. Denn Gott stellt keineswegs eine simple Opposition zur höfisch-irdischen Liebe dar, sondern übernimmt im Minnelied verschiedene Rollen: etwa als Kreator weltlicher Schönheit, als Protektor der Liebenden, als Zeuge aufrichtiger minne oder aber als Gewährender sexueller Freuden. Durch den Gottesbezug können hierbei zugleich Aussagen entschärft und hypothetisch legitimiert, aber auch Provokationen hervorgerufen werden. Im Blickfeld der detaillierten Analysen stehen neben den argumentativen Einbindungen die Auswirkungen zum einen auf die Aussagen der einzelnen Lieder, zum anderen aber auch die Auswirkungen auf die sich im 12. Jahrhundert konstituierende Diskussion der Liebe im volkssprachlichen Sang, dessen Legitimierung und Aufwertung, sprachliche Gestaltung sowie seinen Entwurf verschiedener Minneauffassungen. Zudem werden die dynamischen Wechselbezüge zwischen ‚weltlich‘ und ‚geistlich‘ beleuchtet, denn die Inkorporation Gottes in den ‚säkularen‘ Sang hat nicht nur Konsequenzen für das Minnelied, sondern auch für das Gottesbild selbst.

Transformationen religiösen Wissens im mittelhochdeutschen Minnesang

Die Frage nach religiösen Aspekten im Minnesang beschäftigt die mediävistische Literaturwissenschaft bereits seit ihren Anfängen. Dabei fokussierten die bisherigen Ansätze vor allem eine geistes- und entwicklungsgeschichtliche Darstellung: Die Entstehung des Minnesangs sollte mithilfe religiöser Anleihen, insbesondere aus der Marienverehrung, erklärt werden. Dies reduziert nicht nur die Fülle religiösen Wissens, die in den Minnesang einfließt, auf Elemente der Marienverehrung, sondern auch das Minnesang-Korpus auf den hohen Minnesang, der aufgrund seiner deutlichen Analogien in der Gestaltung der Dame zu Maria fast ausschließlich betrachtet wurde. Zwar wurde in der neueren Minnesangforschung die Ableitungsthese verworfen und stattdessen das Changieren zwischen weltlichen und geistlichen Einflüssen in den Minneliedern in den Blick genommen, nach wie vor beschränken sich diese Untersuchungen jedoch primär auf die Korrelationen von Marienverehrung und dem Ich-Lied der Hohen Minne.

Das Dissertationsvorhaben zielt darauf ab, das bisherige Untersuchungsfeld sowohl synchron als auch diachron zu erweitern, um das stets auf andere Weise und mit anderen Auswirkungen transformierte religiöse Wissen im und durch den Minnesang aufzuzeigen – von der religiösen Partikel bis hin zum marianisch anmutenden Preisgedicht. Mithilfe einer nach Liedtypen entwickelten Systematik sollen die variantenreichen Adaptionen religiösen Wissens und ihre spezifischen ästhetischen Ausformungen im frühen, hohen und späten Minnesang ebenso untersucht werden wie die Funktionalisierungen bzw. Auswirkungen dieser Interferenzen sowohl (1) auf das religiöse Wissen selbst als auch (2) auf den Minnesang unter den Aspekten der Institutionalisierung, (3) der Gender- und Minnekonzeptionen sowie (4) der Entwürfe von Innerlichkeit.

Mithilfe dieser Kategorien werden in den Liedern die Verhandlung von leitgebenden Oppositionen, die Dynamik, die sich durch die Spannungsverhältnisse der unterschiedlichen Wissenskomplexe ergibt sowie die ästhetischen Verfahrensweisen beleuchtet.