Uni-Tübingen

Lars Zieke, M.A.

Kollegiat

Anschrift BüroUniversität Tübingen
Kunsthistorisches Institut
Bursagasse 1
72070 Tübingen
Telefon +49 (0) 7071/29 78553
Raum6
E-Mail

lars.zieke(at)uni-tuebingen.de

Akademischer Werdegang

10/2005–10/2010

Studium der Kunstgeschichte, Neueren deutschen Literatur und Neueren Geschichte in Berlin und Rom

10/2006–3/2007

ERASMUS-Aufenthalt an der Università degli Studi Roma Tre in Rom

10/2010

Magister Artium an der Freien Universität Berlin

07/2011–01/2014

Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin

02–04 und 09–11/2014

Stipendium des Deutschen Studienzentrums in Venedig

06/2015–

Promotionsstudent, Kunstgeschichte, Eberhard Karls Universität Tübingen

05/2015–

Assoziierter Kollegiat des DFG-Graduiertenkollegs 1662 „Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800–1800)“, Eberhard Karls Universität Tübingen

Berufliche Stationen

06/2007–10/2010

Studentische Hilfskraft, Projekt: „Die Wirklichkeit bildlicher Affektdarstellung. Mediale und diskursive Konstruktionen in der Frühen Neuzeit“ (geleitet von Prof. Dr. Klaus Krüger), Exzellenzcluster „Languages of Emotion“, Freie Universität Berlin

05/2007–10/2010

Studentische Hilfskraft, DFG-Projekt „Sandrart.Net“, Kunsthistorisches Institut in Florenz (Max-Planck-Institut)

11/2010–06/2011

Wissenschaftliche Hilfskraft, DFG-Projekt „Sandrart.Net“, Goethe-Universität Frankfurt am Main

07/2011–01/2014

Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin

02–04 und 09–11/2014

Stipendium des Deutschen Studienzentrums in Venedig

04/2014–09/2014

Lehrbeauftragter, Institut für Ästhetik und Kunstwissenschaft, Universität der Künste Berlin

03/2015–

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kunsthistorisches Institut, Eberhard Karls Universität Tübingen

Darstellungen des Atmosphärischen in der Malerei in Venedig und Mailand um 1500 (Arbeitstitel)

In der norditalienischen Malerei vollziehen sich im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert richtungsweisende Neuformulierungen bildräumlicher Gestaltungsweisen und der Auffassung von Landschaftsdarstellung. Ausgehend von Giovanni Bellini und Giorgione in Venedig und Leonardo in Mailand tritt besonders das Interesse für atmosphärische Qualitäten und neue Ausdrucksmöglichkeiten der Landschaft in den Vordergrund. Viele dieser Phänomene vollziehen sich im Bereich von Bildern mit religiösem Sujet und stehen dabei auch in Zusammenhang mit neuen Bildaufgaben und sich wandelnden Rezeptionsbedingungen.

Das Projekt untersucht anhand von Fallbeispielen der Malerei in Venedig und Mailand verschiedene Konzepte von Bildräumlichkeit mit dem Fokus auf die Darstellung atmosphärischer Phänomene, die das religiöse Sujet visuell erfahrbar machen sollen. Dabei geht die Studie zum einen der Frage nach, welche ästhetischen und bedeutungsstiftenden Funktionen die dargestellte Landschaft als ausdrucksvermittelndes „setting“ der Bildfiguren und des Sujets erhält und zum anderen, wie atmosphärische Landschaftsausblicke innerbildlich gerahmt und inszeniert werden.

Gefragt werden soll, wie das Bild strukturiert und gestaltet ist, um dem Betrachter eine spezifische Manifestation der religiösen Semantik zu vermitteln. Für die Vergegenwärtigung und Plausibilisierung des Dargestellten und der zu vermittelnden Bedeutung beim Betrachter ist das Zusammenspiel von religiöser Erfahrung und Naturerfahrung von besonderer Bedeutung. Atmosphärische Landschaftsdarstellungen sollen daher ins Verhältnis zu zeitgenössischen Diskursen von Naturerfahrung und -beobachtung gesetzt werden, um Erkenntnis über deren Perzeption und ihre Bedeutung für die Evidenzerzeugung des religiösen Sujets im Bild zu gewinnen.

Der Begriff des Atmosphärischen soll in seiner Verwendung weiter gefasst werden, um luftperspektivische Phänomene der Naturwahrnehmung wie das Verblassen der Landschaft, witterungs- und tageszeitbedingte Lichtsituationen sowie Hell-Dunkel-Kontraste im Bildraum zu untersuchen. Das Atmosphärische beinhaltet dabei sowohl Eigenschaften der dargestellten Natur und des Raums sowie deren Wahrnehmung. Die verschiedenen atmosphärischen Phänomene sollen nach ihren semantischen, narrativen und rezeptionsästhetischen Strukturen und Bedeutungen für das Verhältnis zwischen Figur und Bildraum analysiert werden.

Das Dissertationsprojekt stellt die künstlerischen Positionen beider Regionen vergleichend gegenüber und untersucht dabei auch Formen und Prozesse künstlerischen Austauschs. Für die Analyse lokalspezifischer Bildformen und Gestaltungsweisen zur Darstellung des Atmosphärischen sollen die Strukturen und Auswirkungen dieses kulturellen Transfers verhandelt sowie die Zirkulation neuer Bildkonzepte der führenden Malerpersönlichkeiten wie Giovanni Bellini oder Leonardo besonders durch die Fokussierung auf die Mobilität der Maler in ihrem Umkreis dargelegt werden.