Uni-Tübingen

Nathalie Marie Freytag, M. A.

Kollegiatin

Anschrift Büro:Universität Tübingen
Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen“
Katholisch-Theologische Fakultät
Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte
Keplerstraße 2
72074 Tübingen
Raum163
E-mail:nathalie.freytagspam prevention@uni-tuebingen.de

Akademischer Werdegang

10/2002-02/2008 Studium der Kunstgeschichte
10/2002-10/2004 Grundstudium an der Universität Passau
Nebenfächer:
1. Italienische Kulturwissenschaften
2. Mittlere Geschichte
3. Philosophie
WS 2003/04 Zwischenprüfung, Prof. Dr. Gosbert Schüßler
04/2005-02/2008 Hauptstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität
München (LMU)
Nebenfächer:
1. Mittlere Geschichte
2. Philosophie
04.10.2007

Abgabe der Magisterarbeit
Thema der Arbeit: „Die Embleme in Anton Ginthers
Erbauungsbuch Mater Amoris et Doloris … (Augsburg 1711)

Eingereicht bei Prof. Dr. Wolfgang Augustyn

12.02.2008 Erlangung des akademischen Grades Magister Artium
Promotionsprojekt: „Die Wissenschaft der Götzenbilder. Fremde Kulte in Blick und Bild der Frühen Neuzeit“
Betreuung durch:
Prof. Dr. Barbara Lange (Kunstgeschichte, Tübingen)
Prof. Dr. Ulrich Pfisterer (Kunstgeschichte, München)
Prof. Dr. Volker Leppin (Ev. Theologie, Tübingen)

Berufliche Stationen

11/2007 – 07/2008 Teaching Assistant am Institut für Kunstgeschichte der LMU, Lehrstuhl Prof. Dr. Ulrich Pfisterer
10/2008 – 09/2011 LMUexcellent-Forschungsprojekt
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe „Kulturelle und religiöse Diversität in Mittelalter und Renaissance“ am Zentrum für Mittelalter- und Renaissancestudien (ZMR)
09/2009 – 03/2010 Wissenschaftliche Assistentin
und
04/2010 – 03/2011 Doktorandin
am Kunsthistorischen Institut in Florenz, Max-Planck-Institut: Direktion Prof. Dr. Gerhard Wolf
seit 01.04.2011 Kollegiatin am Graduiertenkolleg 1662 der Eberhard Karls Universität Tübingen: „Religiöses Wissen Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800–1800). Transfers und Transformationen – Wege zur Wissensgesellschaft der Moderne“

Die Wissenschaft der Götzenbilder.

Fremde Kulte in Blick und Bild der Frühen Neuzeit

„Religiöses Wissen“ als Erkenntnis-Synthese entsteht unter anderem aus der Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und Religionen – und nicht zuletzt der eigenen. In meiner Dissertation soll erstmals aus kunst- und wissenschaftshistorischer Perspektive die Rezeption nicht-europäischer Götterdarstellungen in der Frühen Neuzeit untersucht werden. Der Transfer religiösen Wissens, der sich in dem von mir gesetzten zeitlichen Fokus von der zweiten Hälfte des 16. bis hin zum ersten Drittel des 17. Jahrhunderts vollzieht, konstituiert sich ferner in der Zuwendung zu einer umfassenden Objektkultur. Der im konfessionellen Zeitalter erneut entflammte Konflikt über Visualisierung in der Religion wird durch die Faktoren des Antikenstudiums, die Entstehung der empirischen Naturwissenschaften und insbesondere durch den langsam sich vollziehenden Eintritt der Neuen Welt in das kulturelle Bewusstsein Europas gesteigert. Neben Kultinstrumenten gelangten mit den Expeditionsfahrten zahlreich außereuropäische Götterfiguren nach Europa, die den zu dieser Zeit sensibilisierten Umgang mit dem physisch Visuellen in der Religion mit einer anderen Glaubenswirklichkeit konfrontiert. Es waren vor allem die Fürsten, die diese fremde Objektwelt begehrend in ihre Sammlungen aufnahmen. Aufgrund ihrer gesellschaftlich exponierten Stellung waren sie die richtungweisende Schicht, die durch ihre Vorlieben den sozialen Wert eines Objekts bestimmte. Der Sammlungstypus, der hinsichtlich Götterbildern aus Asien und der Neuen Welt im Zentrum stand, war die Kunst- und Wunderkammer. Sammlungshistorisch war sie der Ort an Fürstenhöfen und bei wohlhabenden Bürgern, wo Wissen um fremde Kulturen in Gestalt von gegenständlichen Zeugnissen neben allerlei anderer Kuriositäten, wie auch Antiken, Messgeräten und Kostbarem gesammelt wurde.

Bekannt ist, dass innerhalb des Prozesses der Annäherung an und Aneignung von fremden Religionen, der grundlegend auf dem eigenen kulturellen Gedächtnis beruht, auf visuelle Kategorien in Form ikonographischer Konventionen und Bildkonzepte zurückgegriffen wird. Entlang der Fallstudie des 1615 von Lorenzo Pignoria (1571-1631) publizierten Traktates über die Imagini de gli dei indiani möchte ich zeigen, dass neben einer solchen populistischen Rezeption, die immer dann eingesetzt wird, wenn festgesetzte Werte transportiert werden sollen, zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein neuer Zugang zu fremden, nicht-europäischen Religionen erschlossen wird. Es ist mein Ziel, die Entstehung wissenschaftlicher Bildformen für den Bereich der kulturellen Beobachtungen, die sich parallel zu jener der Naturbeobachtungen entwickelte, aufzuzeigen. Essentiell für die Genese dieses neuen Bildkonzepts im Diskurs um fremde Religionen ist die Bewusstwerdung des Phänomens der Existenz mannigfaltiger Götterbilder. Die Transformation von religiösem Wissen vollzieht sich in meinem Fall ausgehend vom Objekt als Realie in das zweidimensionale Medium Bild. Das Bild bietet hierbei die Wirkungsfläche, die sichtbare Manifestation nicht-europäischer Religionen, die Götterbilder, in einem Erkennungsprozesses von Ähnlichkeiten auf einen Ursprung der verschiedenen Religionen zurückzuführen. Das Thema der Religion als anthropologische Konstante, das spätestens Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Antikenrezeption wieder präsent ist, stellt den Menschen in den Mittelpunkt.