Uni-Tübingen

Robert Mađarić

M.A.

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Wissenschaftlicher Werdegang

seit 04/2017
Promotionsstudium in Neuerer Geschichte

an der Eberhard Karls Universität Tübingen; Forschungsvorhaben: „Jacob Judah Leon’s Models of the Temple and the Tabernacle in the context of the Jewish-Christian intellectual interchange in the 17th century“ Betreuer: Prof. Dr. Renate Dürr/Prof. Dr. Phil. Markus Thome

07/2016 – 03/2017
Promotionsstudium in Europäischer Kunstgeschichte

an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Kollaboration mit der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (ohne Abschluss, Wechsel zur Eberhard Karls Universität Tübingen)

10/2013 – 02/2016
Studium der Europäischen Kunstgeschichte

an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Abschluss: M.A. mit der Arbeit zum Thema: „Die Scuola Levantina in Venedig: Synagogenbau im Kontext der venezianischen Kunst und Kultur des 17. Jahrhunderts“ (ausgezeichnet mit dem Semesterpreis Master der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zum Sommersemester 2016 für besondere wissenschaftliche Leistungen im Fach Europäische Kunstgeschichte)

10/2012 – 05/2013
Diplomkurs in Archivkunde Scuola Vaticana di Paleografia Diplomatica e Archivistica

Vatikanstadt

09/2008 – 06/2012
Studium der Katholischen Theologie, der Kirchengeschichte und der Kunstgeschichte

an der Pontificia Università Gregoriana, Rom Abschluss: Bakkalaureat in der Katholischen Theologie, Bakkalaureat in Kirchengeschichte und Kunstgeschichte

10/2006 – 07/2008
Studium der Philosophie und der Katholischen Theologie Sveučilište Josipa Jurja Strossmayera u Osijeku. Katolički Bogoslovni Fakultet u Đakovu

an der Universität Josip Juraj Strossmayer in Osijek. Katholisch-Theologische Fakultät in Đakovo (Kroatien)

Berufliche Stationen

seit 04/2017
Kollegiat am Graduiertenkolleg 1662 "Religiöses Wissen im vormodernen Europa 800 – 1800"

an der Eberhard Karls Universität Tübingen

03/2014 ­– 03/2017
Mitarbeiter und wissenschaftlicher Bearbeiter der Grafiksammlung beim Deutschen Apotheken-Museum

Heidelberg

Forschungsvorhaben:

Jacob Judah Leon’s Models of the Temple and the Tabernacle in the context of the Jewish-Christian intellectual interchange in the 17th century

Kein anderer Bau hat die Geschichte des westlichen Denkens so sehr geprägt wie der biblische Tempel in Jerusalem. Gefangen im Spannungsfeld zwischen seinem theologisch-symbolischen Wert und der damit verbundenen Überzeugung der Vollkommenheit seiner Maße, seines Entwurfes und seines Aufrisses auf der einen und seinem haptischen Nichtvorhandensein infolge der antiken Herkunft auf der anderen Seite, wurde der Tempel über die Jahrhunderte zum Objekt zahlreicher Spekulationen. Diese reichen von wissenschaftlich-archäologischen Rekonstruktionen bis hin zu utopisch-ideellen Projektionen, alle haben aber das gleiche Interesse gegenüber dem biblischen Text, der im Brennpunkt eines jeglichen vormodernen Wissensdiskurses stand.

Ziel dieses Dissertationsvorhabens ist die interdisziplinäre Annäherung an eine der berühmtesten, jedoch bis heute am wenigsten erforschten Tempelrekonstruktionen: das Tempel- und Stiftshüttenmodell des sephardisch-jüdischen Rabbiners Jakob Judah Leon (1602–1672). Das Thema ist nicht nur repräsentativ für die lebendige Diskussion, die während des 17. Jahrhunderts um den Tempel geführt wurde, sondern auch für die Geschichte des intellektuellen Austauschs der jüdischen Gelehrten mit ihrem christlichen Umfeld. Im Allgemeinen ist das Thema auch repräsentativ für die Wissensgeschichte der Frühen Neuzeit.

Jakob Judah Leons Beitrag zur Tempeldiskussion ist vor allem als eine mediale Neuerung zu verstehen, die auf der Basis der schon vorhandenen Werke durch die Einführung des architektonischen Modells und des zugehörigen illustrierten Kommentars erfolgte. Sie hat sowohl die historische Veranschaulichung des Tempels, als auch die biblischen Studien und das Studium des Altertums beeinflusst. Leons multimedialer Ansatz richtete sich nicht ausschließlich an übliche Gesprächspartner der Rabbiner, an christliche Hebraisten, sondern auch an das bildungsstrebende protestantische Bürgertum, bei welchem dieses Wissen nicht nur zur allgemeinen religiösen Bildung gehörte, sondern auch mit weiteren Wissensbereichen verknüpft wurde, von der Architektur bis hin zur Mathematik und den Naturwissenschaften, kurz, überall dort, wo abseits eines allgemeinen Interesses für die jüdische Altertümer die Idee einer perfekten, von Gott über Salomon gegebenen Ordnung vorherrschte.

Anknüpfend an bisherige Forschungen, in denen die Bedeutung von Jakob Judah Leons Leben und Werk lediglich angerissen wurde, beschäftigt sich dieses Forschungsvorhaben zuerst mit der Erklärung der vielen Unbekannten in Leons Biografie, vor allem des Umfangs seiner Teilnahme an den Wissensnetzwerken der Zeit. Zentrale Rolle dabei spielt die Erforschung des Lebenswerkes Leons, der Arbeit an seinen, heute leider verschollenen Modellen des Tempels und der Stiftshütte; sie werden vor allem im Kontext des frühneuzeitlichen jüdisch-christlichen intellektuellen Austausches, vor allem hinsichtlich der vermittelnden Rolle der conversos, betrachtet werden. Ziel ist letztlich, Leons Bedeutung für die Entwicklung des wissenschaftlichen, vorrangig theologischen, historischen und architekturtheoretischen Diskurses, mit besonderem Augenmerk auf England, die Niederlande und Norddeutschland, wo sich die Schwerpunkte seiner Tätigkeit und Kulturkontakte befanden, zu fassen.