Uni-Tübingen
Anschrift BüroUniversität Tübingen
Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen“
Keplerstraße 2
72074 Tübingen



Telefon+49 (0) 7071 29-77318
RaumFachbereich Geschichtswissenschaft
Seminar für Neuere Geschichte
Wilhlemstraße 36 (Hegelbau), Raum 208
E-Mail

susanne.koflerspam prevention@uni-tuebingen.de

Akademischer Werdegang

10/2005-10/2010 Studium der Fächer Biologie und Geschichte;
Abschluss: 1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien, Hessen
Universität Kassel, Kassel
10/2008-12/2010 Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes
08/2011-09/2011 Gerda Henkel-Stipendium für Ideengeschichte,
03/2012-05/2012 Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel

Berufliche Stationen

01/2011-06/2011 wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für
Geschichte der Frühen Neuzeit, Universität Kassel
10/2011-02/2012 wissenschaftliche Angestellte, Fachbereich Geschichtswissenschaften, Seminar für Neuere Geschichte, Universität Tübingen
03/2012-09/2014 Kollegiatin im Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen“
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
10/2014-09/2015 Wissenschaftliche Angestellte, Fachbereich Geschichtswissenschaften, Seminar für Neuere Geschichte, Universität Tübingen

Prophetie als Partizipation am Heilsgeschehen? — Lutherische Laienprophetie im konfessionellen Zeitalter

Die Bedeutung von vergangenen Zukunftskonzepten und Zukunftshandeln wird sichtbar, wenn wir uns der Historizität unserer heute dominanten Zukunftsvorstellungen bewusst werden. Denn der über lange Zeit als Zukunftsmodell vorherrschende Fortschrittsoptimismus, gekoppelt mit unbegrenzt gedachten Ressourcen und Wachstumspotenzial, ist unübersehbar in der Krise.
Aus dieser Perspektive ist es nicht verwunderlich, dass die Frage nach „Zukunftskonzepten“ in unterschiedlichen Disziplinen Konjunktur hat. So auch in der Geschichtswissenschaft, in der man sich seit einiger Zeit mit den Bedingungen der Entstehung moderner Zukunftsvorstellungen auseinandersetzt. Während man jedoch zunächst davon ausgegangen war, dass diese eine Folge von Säkularisierungstendenzen waren, deuten einige neuere Forschungen auf einen sehr viel komplexeren Erklärungszusammenhang. In meinem Promotionsprojekt möchte ich versuchen, diese Fragen aus der Perspektive der lutherischen Laienprophetie heraus zu entwickeln und zu beantworten.

Für (lutherische) Gläubige im konfessionellen Zeitalter verband sich die Frage nach dem Heil mit der diesseitigen, menschlichen Ungewissheit, wie die vergangene Zeit und eigene Gegenwart innerhalb des Heilsgeschehens zu deuten und wie die zukünftige Zeit bis zum Jüngstem Tag gestaltet sei.

Mit ihrem Aufruf zu Buße und Umkehr reagierten lutherische Laienprophetinnen und -propheten auf diese Ungewissheit und boten – auf Grundlage eines apokalyptischen Weltbildes – Erklärungen an, wie Ereignisse aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verstehen und sinnstiftend in den göttlichen Heilsplan einzuordnen seien.

Wenn auch unbeabsichtigt rückte durch die Mehrzahl an Prophetien, zugehörigen Interpretationen und Argumentationsgänge, Gegendarstellungen und bei der Erklärung von nicht erfüllten Prophetien aber auch die Frage nach einer „diesseitigen“ Zukunft und die Möglichkeiten einer menschlichen Interpretation und Gestaltung dieser Zukunft ins Blickfeld.

Der Verschränkung von göttlich vorbestimmter Welt einerseits und menschlicher Teilhabe an dieser Welt andererseits wird in der Dissertation „Prophetie als Partizipation am Heilsgeschehen? – Lutherische Laienprophetie im konfessionellen Zeitalter“ nachgespürt.

Dabei möchte ich, durch eine Verknüpfung von diskurstheoretischen mit praxeologisch orientierten Forschungsmethoden, die Zukunftsvorstellungen und -narrative sowohl diskursiv wie auch als eine Form des Alltagshandelns in den Blick nehmen. Mit dem Einbezug von Sprech- und Schreibakten als Handlungen, die durch Diskurse grundsätzlich ermöglicht aber auch eingeschränkt werden konnten und die selbst Diskurse mitgestalteten, schließt diese Arbeit methodisch auch an die Neuere Ideengeschichte, in Tradition von Quentin Skinner und John G.A. Pocock, an.

Die heranzuziehenden Quellen reichen von Predigten und persönlicher Korrespondenz von Geistlichen, über Flugschriften und blätter (häufig mit Holzschnitten; Relationes und periodisch erscheinende Chroniken, wie der Theatrum Europaeum) bis hin zu Akten aus Gerichtsverfahren und ermöglichen daher multiperspektivische und kontrastierende Zugänge.