Uni-Tübingen

Aktuelles

Nachtrag Expertengespräch Geislingen:

Adel zwischen Siedlung und Burg

Am vergangenen Freitag fand in Geislingen in Kooperation mit dem Stadtarchiv Geislingen eine interdisziplinäre Diskussionsrunde zu dem Thema „Adel zwischen Siedlung und Burg“ statt. Hierbei trafen sich Experten der Universität Tübingen, Vertreter des SFB 1070, Archäologen und ansässige Lokalhistoriker für einen Rundgang durch die historische Altstadt, zu Vorträgen und angeregten Gesprächen, bei welchen es um die Konstitution und Etablierung des Niederadels in und über Burgen sowie Siedlungen ging.

Die Filstalwelle verfasste hierzu einen Beitrag, den Sie hier ansehen können.

Ebenfalls können Sie hier auch nochmal das Programm ansehen.

 


ResourceCultures Dialogue

Macht und Herrschaft Interpretationskonzepte, Akteure und materieller Niederschlag in der Archäologie des Mittelalters

Zeit: 06.06.2019, 16 c.t.

Ort: Keplerstraße 2, Tübingen, R. 181


Faktencheck: Waren Wikinger Barbaren? - Dr. Sandra Teuber und Annika Condit vom SFB 1070 RessourcenKulturen beantworteten alle Fragen rund um die faszinierenden Nordmannen

Hatten Wikingerhelme eigentlich Hörner? Waren die Wikinger wirklich vor Kolumbus auf dem amerikanischen Kontinent? Und natürlich: Waren sie brutale Barbaren?

Diese und noch viel mehr Fragen beantworteten Dr. Sandra Teuber und Annika Condit letzten Freitag beim Tübinger Fenster für Forschung (TÜFFF) den vielen interessierten Kindern, Jugendlichen und auch erwachsenen Besuchern. Dabei hatten sie für alle Altersklassen etwas im Gepäck: einen essbaren Wikingerschatz, das Brettspiel Hnefatafl, eine Art wikingerzeitliches Schach, und viele Hintergrundinformationen zum Ausbreitungsgebiet der Wikinger, zur ehemaligen Handelsmetropole Haithabu und zu Schiffen, Helmen, Schwertern und Schmuck. Die beiden Mitarbeiterinnen des Sonderforschungsbereichs RessourcenKulturen räumten mit einigen Klischees auf: Es wurde noch nie ein Hornbewehrter Wikingerhelm gefunden, dieser wäre im Kampf auch recht unpraktisch gewesen und Wikinger betraten tatsächlich bereits um das Jahr 1000 n. Chr. als erste Europäer das heutige Kanada und damit den nordamerikanischen Kontinent. Es stimmt allerdings, dass Wikinger ab dem 8. Jahrhundert ganz Europa bis hin nach Konstantinopel und Kiew durch Raubzüge in Angst und Schrecken versetzten. Aber nicht nur: Sie entwickelten sich zunehmend zu Händlern und Siedlern, wurden etwa ab dem 11. Jahrhundert sesshaft und damit endete die Zeit der Wikinger.


Nachruf Jörn Staecker

 

Am 15.12.2018 starb nach längerer schwerer Krankheit Prof. Dr. Jörn Staecker im Alter von 57 Jahren.

Jörn Staecker wurde am 27. April 1961 in Buxtehude geboren. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann mit dem Studium der Ur- und Frühgeschichte, Mittlerer und Neuerer Geschichte sowie Klassischer Archäologie in Kiel, das er 1990 mit der Erlangung des Titel eines Magister Artium abschloss. Bereits in dem Thema seiner Magisterarbeit zu Kreuz- und Kruzifixanhängern der Wikingerzeit in Altdänemark manifestierte sich eines der Hauptthemen seiner späteren Forschertätigkeit: Die Christianisierung des europäischen Nordens. In der Folge wechselte er an die Universität Lund in Schweden, wo das Thema eine weitere Vertiefung erfuhr, die in seine Dissertation „Rex regum et dominus dominorum. Die wikingerzeitlichen Kreuz- und Kruzifixanhänger als Ausdruck der Mission in Altdänemark und Schweden“ wiederum an der Universität Kiel 1995 mündete.

Jörn Staecker setzte seine berufliche Karriere in Schweden fort, wo er an der Universität Lund die Lehrstuhlvertretung für Mittelalterarchäologie bis 1999 und ab 2005 die Professur für Historische Archäologie an der Universität Visby übernahm. Seine Habilitation erlangte er 2001 in Lund mit einer Arbeit zum „Dialog mit dem Tod – Die hoch- und spätmittelalterliche Bestattungssitte und Grablege Südskandinaviens“. Das Thema der mittelalterlichen Gräberarchäologie entwickelte sich auch in der Folge zu einem weiteren Leitmotiv seines wissenschaftlichen Oeuvres. Hinzu kamen einige umfangreiche Studien zu Bildprogrammen auf mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Sakralobjekten, wie ikonografische Analysen mittelalterlicher Grabplatten Schwedens, Untersuchungen paradigmatischer Änderungen in der Sakralkunst im Zuge der Implementierung des Protestantismus in Südskandinavien sowie mit der Dekodierung der Camminer und Bamberger Schreine eine Beschäftigung mit Zeugnissen wikingischer Einflüsse in der christlichen Kunst Nord- und Mitteleuropas. Eine in diesem Kontext zu sehende Neuuntersuchung der Königsgrablege von Jelling in Dänemark weist deutlich auf ein weiteres Thema in Jörn Staeckers Forschungen vor allem der letzten Jahre hin: Die Wikinger. Zahlreiche Publikationen in Zeitschriften und Katalogen erschienen aus seiner Hand hierzu in den letzten Jahren.

2008 wurde Jörn Staecker dann auf den Lehrstuhl für Mittelalterarchäologie an der Universität Tübingen berufen, den er bis zu seinem Tod innehatte. Neben des Einsatzes in der Lehre und kurzzeitig als Dekan der Kulturwissenschaftlichen Fakultät, zeichnete sich seine Tätigkeit vor allem durch sein Engagement in diversen Forschungsverbünden aus, allen voran dem des Sonderforschungsbereiches 1070 RessourcenKulturen, den er von 2013 bis 2017 als stellvertretender Sprecher mit leitete.

Mit Jörn Staecker verlieren wir einen hochgeschätzten Kollegen, der durch sein großes Engagement und inspirierende Beiträge zur Entwicklung der Mittelalterarchäologie sowie allgemein der kulturhistorischen Forschung in Tübingen und darüber hinaus bleibende Verdienste erworben hat. Sit tibi terra levis!

Martin Bartelheim                                                                         Thomas Scholten


Die zwei neuesten Bände der Reihe RessourcenKulturen sind erschienen

In der Buchreihe RessourcenKulturen erschienen zwei neue Bände: „Klöster und ihre Ressourcen. Räume und Reformen monastischer Gemeinschaften im Mittelalter.“ von Marco Krätschmer, Katja Thode und Christina Vossler-Wolf und „Bronzezeitlicher Transport. Akteure, Mittel und Wege.“ von Bianka Nessel, Daniel Neumann und Martin Bartelheim.

In „Klöster und ihre Ressourcen“ wird die Nutzung von Wasser, Holz und Stein, aber auch der Einsatz immaterieller Ressourcen wie Spiritualität, Bildung und Beziehungen im monastischen Kontext untersucht. Archäologen, Historiker und Kunsthistoriker untersuchen hier die Nutzung von Räumen, die Umsetzung von Reformen, aber die ökonomischen Zwecke der geistlichen Zentren im Spannungsverhältnis zwischen Kloster und Außenwelt.

Den Überlandverkehr in prähistorischer Zeit beleuchtet „Bronzezeitlicher Transport“. Weiträumige Kontaktnetzwerke sorgen für die Verbreitung von Wissen, Gütern und kulturellen Werten. Der Tagungsband zeigt, wie man sich die bronzezeitliche Infrastruktur in unterschiedlichen Regionen vorstellen kann und inwiefern Verkehrswege und Austausch eine Ressource bilden.

Die Bände der Reihe RessourcenKulturen spiegeln die Fachbreite und interdisziplinäre Kooperation des SFB wider, die aus Archäologien, Empirischer Kulturwissenschaft, Ethnologie, Geographie, Geschichtswissenschaften und Historischen Philologien besteht.

Um eine möglichst weite Verbreitung der Ergebnisse des SFB zu gewährleisten, sind die Bände nicht nur in gedruckter Form, sondern auch als OpenAccess-Download verfügbar.


Die Öffentlichkeitsarbeit des SFB 1070 RessourcenKulturen ist beispielhaft!

Anlässlich des 50. Jubiläums der „Sonderforschungsbereiche" veröffentlichte die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG ein Dossier darüber im DFG-Magazin. Aus deutschlandweit 260 Sonderforschungsbereichen wurden sieben ausgewählt, deren erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit als beispielhaft angesehen wird, darunter auch unser SFB 1070 RessourcenKulturen. Das erfüllt uns mit Stolz und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unter den Veranstaltungen, die die DFG als Beispiel für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit nannte, waren die Ausstellung „Fluch und Segen von Ressourcen - Forschung, Fakten und Klischees“, die von Oktober 2015 bis Januar 2016 im Museum der Universität im Schloss Hohentübingen stattfand, die Kinder-Uni Tübingen, in deren Rahmen die Teilnehmer bronzezeitliche Ressourcen spielerisch entdeckten und die letztjährigen Projekttage an Tübinger Schulen. Unter dem Titel „Die Welt ist unser Feld“ gaben Ethnologen des SFB 1070 interaktiv Einblicke in ihre Arbeit. Der SFB 1070 RessourcenKulturen wird neben sechs anderen Sonderforschungsbereichen an der Universität Tübingen seit 2013 von der DFG gefördert und befindet sich somit bereits in der zweiten von bis zu drei Förderperioden. In 21 Teilprojekten arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Gebieten der Archäologie, Philologie, den Geschichtswissenschaften, Empirischen Kulturwissenschaften und der Ethnologie gemeinsam an der Neukonzeptualisierung eines Ressourcenbegriffs. Die DFG unterstützt den SFB 1070 RessourcenKulturen dabei mit Personalmitteln, Investitionen in wissenschaftliche Geräte und Mitteln für Reisen, Kolloquien, Gastprofessuren, internationale Kooperationen, Öffentlichkeitsarbeit, Gleichstellungsmaßnahmen und die Nachwuchsförderung. Wir gratulieren der DFG recht herzlich zu diesem Jubiläum und möchten uns für die Ermöglichung unserer Forschung im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1070 RessourcenKulturen bedanken.