Uni-Tübingen

C 07

Authentizität als Ressource

Fachklassifizierung

Archäologie des Mittelalters

Empirische Kulturwissenschaft

Projektleitung

Staecker, Jörn, Prof. Dr. 

Eberhard Karls Universität Tübingen

Institut für Ur- und Frühgeschichte und für Archäologie des Mittelalters

Abteilung Archäologie des Mittelalters

Schloss Hohentübingen

Burgsteige 11

72070 Tübingen

 

Thiemeyer, Thomas, Prof. Dr.

Eberhard Karls Universität Tübingen

Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft

Schloss Hohentübingen

Burgsteige 11

72070 Tübingen

Telefonnummer: 07071 29 75309

E-Mail-Adresse: thomas.thiemeyer[at]uni-tuebingen.de

DoktorandInnen

und Postdocs

Filippidou, Aikaterini, M.A.

SFB 1070 RessourcenKulturen

Gartenstraße 29

Raum 308

72074 Tübingen
Telefonnummer: 07071 29 78387
E-Mail-Adresse: aikaterini.filippidou[at]uni-tuebingen.de

 

Schade, Tobias, Dr.

SFB1070 RessourcenKulturen
Gartenstraße 29
Raum 308

72074 Tübingen

E-Mail-Adresse: tobias.schade[at]uni-tuebingen.de

Authentizität als Ressource

Was macht Dinge authentisch und damit zu einer kulturellen Ressource: das Material, die Nutzung oder die Geschichte? Und wie bekommen die Dinge dadurch Wert zugeschrieben, z. B. indem man sie als nationale Identitätsstifter inszeniert oder indem man ihre Originalität betont. Diese Leitfragen untersucht Teilprojekt C 07 anhand von Schiffen in großen (kultur-)historischen Museen wie dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) in Mainz. Es gliedert sich in zwei parallele Forschungsprojekte: ein kulturwissenschaftliches und ein archäologisches Forschungsprojekt, die sich mit historischen Schiffen bzw. deren Repliken beschäftigen. Ausgangspunkt beider Forschungsprojekte ist die Annahme, dass Authentizität eng mit Inwertsetzungsprozessen von Kultur verbunden ist. Sie ist etwas Hergestelltes und nichts Gegebenes. Ziel des Teilprojekts ist es, exemplarisch an Fallbeispielen Prozesse solcher Inwertsetzungen zu verfolgen und dadurch die kulturelle Logik von Authentizität als Ressource ethnografisch und historisch zu rekonstruieren.

Projekt „Inwertsetzungspraktiken im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz“

Mitarbeiterin: Aikaterini Filippidou
Teilprojektleiter: Prof. Dr. Thomas Thiemeyer

Das Projekt in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz und dem Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität untersucht Authentizität musealer Objekte auf mehreren Ebenen: Sie kann ebenso auf materielle Echtheit (Originalität) zielen wie auf Eintauchen in die Geschichte oder wirklichkeitsnahes Erleben. Insbesondere neue Medien und Augmented-Reality-Formate erfordern ein grundsätzliches Nachdenken darüber, wie wir den Begriff der Authentizität zeitgemäß als Inwertsetzungskategorie fassen können, die an kuratorische Praktiken gebunden ist.

Am Beispiel antiker Schiffe und ihrer Nachbauten im Museum für Antike Schifffahrt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz untersucht das Projekt, wie diese Dinge im Museum gewandert sind, d.h. welche Abteilungen sie wie nutzten und bearbeiteten, in welchen Ausstellungen sie zu sehen waren, welche Geschichten sie rahmten und welche Interessen das Museum mit ihrer Inszenierung verfolgte. Mithilfe der Methoden der qualitativen Sozialforschung (v. a. Interviews, Beobachtungen, Archivstudien) soll so ein tiefer Blick in die Geschichte des RGZM als einem der ältesten altertumswissenschaftlichen Forschungsmuseen geworfen werden, um zu verstehen, wie dieses Museum einst und heute seine Dinge in Wert setzt(e).

Projekt: „Fund, Symbol, Replik – Formen und Bedeutungen von ‚Authentizitäten‘ archäologischer Objekte“

Mitarbeiter: Tobias Schade

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Jörn Staecker

Das Projekt untersucht „Authentizität“ und „Inwertsetzung“ ausgewählter singulärer Schiffsfunde des nordeuropäischen Mittelalters und der Neuzeit. Die Fallbeispiele stellen dabei nicht nur wichtige Funde/Befunde des wissenschaftlichen Diskurses dar, sondern sind auch museal exponiert präsentierte Objekte und öffentlich bzw. medial wirkmächtige „Symbole“, die verschiedenartig bewertet, umgewertet und „in Wert“ gesetzt wurden und werden.

Ausgehend von einer objektzentrierten Perspektive werden wissenschaftliche Wahrnehmungen und Inszenierungen der Schiffe, aber auch populäre Vorstellungen in Massenmedien und etwaige Nachbauten, unter dem Aspekt verschiedener Authentizität(en) analysiert: Inwiefern sind die Materialität des archäologischen Fundes, das museal präsentierte Objekt, damit verbundene Ideen/Vorstellungen aber auch Nachbauten authentisch? Dabei nehmen der museale Raum und die modernen Massenmedien sowohl als Kommunikationsmittel, aber auch als Akteure, eine wichtige Rolle ein. Ziel ist es, anhand von Analysen verschiedener medialer Darstellungen, Interviews und Ausstellungskonzepten zu verstehen, wie aus archäologischen Objekten kulturelle Ressourcen wurden und werden.