Uni-Tübingen

Carlotta Posth

Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Doktorandin)

Teilprojekt F03: Bedrohungskommunikation in Predigten und Schauspielen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit

 

   
Dienstadresse: Keplerstraße 2
72074 Tübingen
Raum: 169
Telefon: 07071 29 77346
E-Mail: carlotta.posth@uni-tuebingen.de

Beruflicher Werdegang

  • 2008-2015: Studium der Germanistik, Philosophie und Biologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen und Université Paris I Panthéon-Sorbonne
  • 2009-2012: Studentische Hilfskraft in der NDL bei Prof. Dr. Georg Braungart (Koordination des Masterstudiengangs Literatur- und Kulturtheorie); 2013-2015: Studentische Hilfskraft in der Germanistischen Mediävistik bei Prof. Dr. Klaus Ridder; 2013-2015: Studentische Hilfskraft in der Romanistik bei Prof. Dr. Esme Winter-Froemel
  • 2011-2015: Stipendiatin des Evangelischen Studienwerks e.V. Villigst
  • 2013: Praktikum in der Kulturabteilung des Goethe-Instituts Paris
  • 2015: Erstes Staatsexamen (mit Auszeichnung)
  • seit 2015: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB 923 „Bedrohte Ordnungen“

Forschungsschwerpunkte / wissenschaftliche Interessensgebiete

  • Literatur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit
  • Geistliches und weltliches Schauspiel in Deutschland und Frankreich
  • Vulnerabilitätskonzepte im Mittelalter

Forschungsprojekt im Rahmen des SFB 923

Thema: Einzeluntersuchung im Rahmen des Teilprojekts F03 "Bedrohungskommunikation in Predigten und Schauspielen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit"

Abstract:

Die Untersuchung widmet sich mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Schauspielen:

  1.  a) „Ewige Verdammnis im Weltgericht“: Weltgerichtsspiele entwerfen das bedrohliche Weltende als Gerichtsszenario, in dem der Mensch keine Möglichkeit mehr hat, Barmherzigkeit zu erlangen. Belehrung über eine gerechte Lebensführung weist den Weg, den Schrecken zu bewältigen und in die Verheißung des Paradieses umzuwandeln. Auch die Antichristspiele erwarten also, dass der Antichrist sich in zeitlicher Nähe zum Weltgericht als Christus ausgibt, um ‚in letzter Minute‘ seine teuflische Botschaft durchzusetzen. Diese Spezifik wird bearbeitet an ausgewählten deutschen und französischen Weltgerichts- und Antichristspielen (z.B. „Churer Weltgerichtsspiel“, „Luzerner Antichrist“, „Le Jour du Jugement“; „Lo Jutgamen general“).
  2. „Jüdische Verschwörung“: Deutsch- und französischsprachige Passionsspiele inszenieren die Leidensgeschichte als Konfrontation zwischen unmenschlichen Juden und den Anhängern Jesu. Die Kreuzigung Christi erscheint als Resultat teuflischer Verschwörung. Das Handeln der Juden in der Passion korrelierte mit dem Judenbild, das Spätmittelalter und Frühe Neuzeit ausformten. In den Städten war seit Beginn des 14. Jahrhunderts die Angst vor einer jüdischen Verschwörung, welche die ganze Christenheit bedrohe, verbreitet (Brunnenvergiftung, Hostienschändung, Ritualmorde etc.). Auch eschatologische Spiele schreiben den Topos der „jüdischen Verschwörung“ im zukünftigen Schreckensszenario weiter fort. Diese Tradition wird in ausgewählten deutsch- und französischsprachigen Passionsspielen (z.B. „Alsfelder Passionsspiel“, „Le Mystère de la Passion Nostre Seigneur de la bibliothèque sainte Geneviève“) und eschatologischen Spielen (s.o.) herausgearbeitet.
  3. „Konfessionelle Verketzerung“: In häufig offener Polemik werfen reformatorische Fastnachtspiele Papst und Klerus eine Bedrohung der Gesellschaft durch Krieg und Profitmaximierung vor, finanziert über die skrupellose Vermarktung christlicher Heilsmittel (Ablässe, Jahrzeiten, Messen u.a.). Die darauf reagierenden katholischen Schauspiele sind insgesamt noch wenig erforscht. Anhand ausgewählter eschatologischer Spiele aus dem deutschen und französischen Sprachraum des 16. Jahrhunderts („Luzerner Antichrist“, „Le Jugement de Dieu“) werden die inszenatorisch-rhetorischen Strategien analysiert, die im Glaubensstreit der Kommunikation der katholischen Position dienen. Diese geistlichen Schauspiele bedienen sich traditioneller Spielformen und Motive, die sie aktualisieren und modifizieren, um die religiösen Neuerer als Bedrohung und die eigene Position als legitim zu erweisen.

    Folgende Leitfragen richten die Untersuchung aus: Mit welchen motivlichen, rhetorischen und inszenatorischen Mitteln wird die Bedrohung konstituiert? Lassen sich Muster der Diagnostik oder der Mobilisierung erkennen? Entwirft man die Szenarien überwiegend durch (Neu-)Semantisierung multi-funktional verwendbarer Elemente (z.B. Antichristmotivik) oder werden, in Abhängigkeit von sich verändernden religiösen Ideen und Konzepten, neue rhetorisch-theatrale Elemente ausgeformt? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen der deutschen und der französischen Theatertradition? Die Untersuchung kann zu großen Teilen auf Editionen zurückgreifen, umfasst jedoch auch die Erschließung und Aufbereitung eines umfangreichen französischsprachigen Fragments. Die Untersuchung erfordert daher fundierte Kenntnisse des Mittelfranzösischen sowie der deutschen und französischen Theatertradition.

 

Publikationen

  • „Die Bedrohung auf der Bühne. Antijüdisches Theater im Spätmittelalter“, Virtuelle Ausstellung des SFB 923 – Bedrohte Ordnungen. [Link: www.bedrohte-ordnungen.de/cases/antijuedisches-theater-im-spaetmittelalter/]
  • “Von Retourkutschen, die über Wortfelder fahren: Bedeutungspotenzierung im Wortspiel”, Esme Winter-Froemel (ed.): Sprach-Spiel-Kunst [The Dynamics of Wordplay 8]. [erscheint 2019]
  • “Krisenbewältigung im spätmittelalterlichen Schauspiel: Elias und Enoch als eschatologische Heldenfiguren“, helden. heroes. héros. E-Journal zu Kulturen des Heroischen 5,1 (2017): HeldInnen und Katastrophen – Heroes and Catastrophes. 21-29. [Link: freidok.uni-freiburg.de/data/12922]
  • “L'apologie de la vraie foi dans L'Antéchrist de Lucerne (1549)”, Charlotte Bouteille-Meister et al. (eds.): La Réforme en spectacles.Protestantisme et théâtre en Normandie et en Europe au XVIe siècle. [in Vorbereitung]
  • Vulnerabilität und Geschlechterordnung im deutschen und französischen Passionsspiel. Erscheint in: Cécile Lignereux, Stéphane Macé, Steffen Patzold, Klaus Ridder (Hrsg.): La vulnérabilité : discours et représentations du Moyen-Âge aux siècles classiques -- Vulnerabilität: Diskurse und Vorstellungen vom Frühmittelalter bis ins 18. Jahrhundert (in Vorbereitung).

Vorträge

  • "Catholic Drama in the Later 16th Century: Shaping Identity in the Luzerner Antichrist and in the Mystère de l'Antéchrist et du Jugement de Dieu", Vortrag im Rahmen des International Medieval Congress, 01.-04.07.2019, Leeds.
  • “Topische Verfahren der Selbstlegitimierung in deutsch- und französischsprachigen Schauspielen (14.-16. Jh.) ”, Vortrag im Forum Sprache und Kommunikation (FSK) – Mittwochabend-Tandems Linguistik, 11.07.2018, Trier.
  • “L'apologie de la vraie foi dans L'Antéchrist de Lucerne (1549)”, Vortrag im Rahmen der Konferenz La Réforme en spectacles. Protestantisme et théâtre en Normandie et en Europe au XVIe siècle, 30.05.-03.06.2018, Centre Culturel International de Cerisy, Frankreich.
  • “Les bouffeurs de morts. Un motif fort de la polémique protestante”, Vortrag im Rahmen der trilateralen Konferenz Das bedrohte Eigene – das bedrohliche Fremde / L’identité menace – l’étranger menaçant / L’identità minacciata – la diversità minacciosa. 3. Konfessionelle Verketzerung / Hérétisation confessionnelle / L’eresia confessionale, 28.05.-31.05.2018, Villa Vigoni, Italien. (mit Klaus Ridder)
  • Rednerin in der Round Table Discussion “Performing Alterity: Medieval Drama and/as the ‘Other’”, International Medieval Congress, 3-6.07.2017, Leeds.
  • “L’expulsion des Juifs à Nuremberg: en ville – sur scène”, Vortrag im Rahmen der trilateralen Konferenz Das bedrohte Eigene – das bedrohliche Fremde / L’identité menace – l’étranger menaçant / L’identità minacciata – la diversità minacciosa. 2. Jüdische Verschwörung und islamische Expansion / Conspiration juive et expansion de l’islam / Complotto giudaico ed espansione islamica, 29.05-01.06.2017, Villa Vigoni, Italien. (mit Klaus Ridder)
  • “Religious Instruction through Theatres in Medieval French and German Cities: The Depiction of Redemption and Jewish Deviance in Passion Plays”, Vortrag im Rahmen des 52nd Interantional Medieval Congress on Medieval Studies, 11-14.05.2017, Kalamazoo.
  • “Bedrohungskommunikation im Schauspiel: Die Rolle der Juden in Le Jour du Jugement”, Vortrag im Rahmen des Promovierenden-Workshops SFB 923 (Tübingen) – SFB 138 (Marburg/Gießen), 14-15.02.2017, Marburg.
  • “Des Entkrist Vasnacht / Le Carnaval de l’Antéchrist”, Vortrag im Rahmen der trilateralen Konferenz Das bedrohte Eigene – das bedrohliche Fremde / L’identité menace – l’étranger menaçant / L’identità minacciata – la diversità minacciosa. 1. Ewige Verdammnis im Weltgericht / Damnation éternelle lors du Jugement dernier / Perdizione eternal nel Giorno del Giudizio Universale, 14.11-17.11.2016, Villa Vigoni, Italy. (mit Klaus Ridder)
  • “Rhetorische und performative Strategien zur Darstellung devianten jüdischen Verhaltens in Predigten und Schauspielen des 15. bis 17. Jahrhunderts”, Vortrag im Rahmen der Konferenz Bella figura judaica? Auftreten und Wahrnehmung von Juden in Mittelalter und Früher Neuzeit, 12-14.02.2016, Tagungszentrum Hohenheim. (mit Joachim Werz)
  • “Communication de menace à travers les média : le discours antijuif dans un sermon pseudo-augustinien et dans le Frankfurter Passionsspiel”, Vortrag im Rahmen des Atelier Sermons – Théâtre (Allemagne – France – Italie, 13e – 18e siècles), 07-08.01.2016, Paris, Sorbonne.

Lehrveranstaltungen

  • Mittelalterliches Schauspiel (Sommersemester 2018, Proseminar II gemeinsam mit Dr. Beatrice von Lüpke)
  • Bedrohungskommunikation im mittelalterlichen Schauspiel: Antichrist und Weltgericht (Wintersemester 2016/17, Hauptseminar gemeinsam mit Prof. Klaus Ridder)

 

Tagungen, Workshops, Konferenzen

  • Aktuelle Polemik – ein Element von Bedrohungskommunikation / La polémique – ou comment communiquer une menace, 13.11.2017, Tübingen. (mit Klaus Ridder und Darwin Smith)