Uni-Tübingen

Francesco Toncich

Wissenschaftlicher Mitarbeiterin (Doktorand)

Teilprojekt G03: Istrien als "Versuchsstation" des Kulturellen. Hybridität als (bedrohte) Ordnung

 

   
Dienstadresse: Keplerstraße 2
72074 Tübingen
Raum: 088
Telefon: 07071 29 77561
E-Mail: francesco.toncichspam prevention@uni-tuebingen.de

Beruflicher Werdegang

  • 10/1987: geboren in Trieste (Italien)
  • 09/2001-07/2006: Sprachgymnasium Liceo Francesco Petrarca, Trieste
  • 10/2007-11/2010: BA-Studium der Neueren und Neuesten Geschichte (storia contemporanea), Università degli studi di Trieste (Bachelorarbeit betreut von Prof. Tullia Catalan und Prof. Marco Dogo: „La ricezione del ‚caso Oberdank‘ e del primo irredentismo nella stampa viennese (agosto 1882 - gennaio1883)“)
  • 10/2009-06/2010: Erasmus-Austausch an der Universität Wien
  • 03/2011-10/2015: MA-Studien der Osteuropäischen Geschichte und Zeitgeschichte, Universität Wien
  • 10/2015: Abschluss des MA-Studiums in Osteuropäischer Geschichte (Masterarbeit betreut von Prof. Alojz Ivanišević: „Entstehung der italienischsprachigen antislawischen Propaganda in Triest (1840–1870)“)
  • 11/2014-07/2015: Forschungspraktikum am Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Forschungsprojekt „Die ‚Alpen-Adria- Region‘ 1945-1955“ bei Prof. Wolfgang Müller
  • Seit 01/2015: Wissenschaftliche Mitarbeit im Rahmen der Neuausgabe des Österreichischen Biografischen Lexikons
  • Seit 11/2015: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am SFB 923 "Bedrohte Ordnungen" im Rahmen des Teilprojektes G03: „Istrien als ‚Versuchsstation‘ des Kulturellen. Hybridität als (bedrohte) Ordnung“

Forschungsschwerpunkte / wissenschaftliche Interessensgebiete

  • Nationalitätenfrage in der Habsburgermonarchie, sowie im Balkan- und Adriaraum
  • Triester Geschichte
  • Adriatischer italienischer Irredentismus
  • Jüdische Geschichte
  • Italienischer Faschismus
  • Kalter Krieg
  • Genderstudies
  • Cultural Studies

Forschungsprojekt im Rahmen des SFB 923

Thema: "Istrien als ‘Versuchsstation’ des Kulturellen. Hybridität als (bedrohte) Ordnung". Ethnographisches Wissen und die kulturelle Produktion von Differenz (1850-1914)

Abstract:

Innerhalb des Tübinger SFBs 923 „Bedrohte Ordnungen“ entwickelt die Dissertation die Frage um den Multikulturalismus und kulturellen Hybridismus auf der istrischen Halbinsel zwischen den 1850er Jahren und 1914. Istrien galt bezogen auf kulturelle, ethnische und sprachliche Aspekte als eine der kompliziertesten Regionen der Habsburgermonarchie. Nach der Revolution 1848 und dem Beginn der konstitutionellen Phase seit den 1860er Jahren beschäftigte sich der zentrale österreichische Staat mit einem komplizierten inneren ‚re-ordering‘-Prozess seiner politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen. Das Wiener Zentrum begann in den 1850er Jahren einen systematischen Prozess, um Kenntnisse über die verschiedenen Bevölkerungsanteile der Monarchie zu gewinnen und verfolgte damit auch das Ziel ein effizienteres und moderneres Amts- und Politikwesen zu bilden. Aus diesem Grund wurden Volkszählungen organisiert und durchgeführt, die auf ethnolinguistischen und ethnohistorischen Klassifikationen der früheren österreichischen Statistiken und später ethnologischen Wissenschaft beruhten. Bei den Volkzählungen und Spracherhebungen wurde es lediglich nach einer „Alltagsprache“ gefragt und wurde an keine Möglichkeit für mehrsprachige oder sprachlich hybride Individuen gedacht, ihren Sonderstatus zum Ausdruck zu bringen: Sie waren gezwungen, sich für eine der offiziell anerkannten Nationalsprachen zu entscheiden. Diese nicht-klassifizierbaren Identitäten wurden nicht nur als ein Problem, sondern sogar als eine Bedrohung von den staatlichen Behörden und insbesondere auch den nun entstehenden lokalen national orientierten, ethnozentrischen Bewegungen gesehen. Verschiedene österreichische Wissenschaftler – wie etwa Volkskundler, Sprachwissenschaftler, Anthropologen und Historiker –, die vom zentralen Staat am meisten unterstützt wurden, führten in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und am Anfang des 20. Jahrhunderts immer genauere Forschungen über diese unbekannten, oft rätselhaften, gemischten Bevölkerungen und Personen auf der istrischen Halbinsel durch. Das Ziel dieser Forscher war ausdrücklich, die multinationale oder übernationale österreichische Staatsidentität zu fördern und zu legitimieren. In diesem Sinn wurde Istrien als eine Miniatur und ein positives Beispiel der multinationalen habsburgischen „melting pot“ betrachtet. Diese bunte ethnische und kulturelle Vielfalt Istriens wurde in wissenschaftlichen Studien sowie durch Bilder, Veröffentlichungen und museale Praktiken für ein breiteres Publikum dargestellt.

Publikationen

Aufsätze

  • Il “caso Oberdank“ visto da Vienna: stampa e libellistica austriache tra Otto e Novecento, in: Qualestoria, XXXIX (2011), 2, pp. 25-41.
  • „Attilio Hortis“, „Alfonso Valerio“, „Arnoldo Frigessi di Rattalma“, „Carlo Ucekar“, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. (im Erscheinen)