Uni-Tübingen

Dr. Lukas R.A. Wilde

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc)

Teilprojekt G07: Mediale Reflexionen. Bedrohungskommunikation und die US-amerikanische Ordnung nach den Anschlägen vom 11. September 2001

   
Dienstadresse: Keplerstraße 2
72074 Tübingen
Raum: 290
Telefon: 0049 (0) 7071 29-77129
E-Mail:   

Beruflicher Werdegang

  • 2005 – 2012 Magisterstudium der Theater- und Medienwissenschaften, Japanologie und Philosophie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
  • 2013 – 2016 Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes
  • 2016 – 2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienwissenschaft, Lehrbeauftragter im European Studies Programm, Universität Tübingen
  • März 2017 Abschluss des Promotionsverfahrens in der Medienwissenschaft bei Prof. Dr. Sachs-Hombach zum Thema Im Reich der Figuren: Meta-narrative Kommunikationsfiguren und die ‚Mangaisierung‘ des japanischen Alltags (Herbert von Halem 2018), Universität Tübingen
  • Seit April 2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am SFB 923 "Bedrohte Ordnungen"

 

Forschungsschwerpunkte / wissenschaftliche Interessensgebiete

  • Bildsemiotik und visuelle Kommunikation
  • Medientheorie und Intermedialität
  • Comic- und Mangaforschung (Schnittstelle Bildwissenschaft, Narratologie und Diagrammatik)
  • Animation und Motion Capturing,
  • Japanische Populärkulturen der Gegenwart.


Post-Doc-Projekt im Rahmen des SFB 923

Thema: Einzeluntersuchung im Rahmen des Teilprojekts G07 "Mediale Reflexionen. Bedrohungskommunikation und die US-amerikanische Ordnung nach den Anschlägen vom 11. September 2001"

Abstract: Falling in Line: Framing 9/11 in the Mediality of the Drawn Image

Cartoons, Karikaturen und Einbild-Witze fungieren häufig als „Seismographen“ gesellschaftlicher Entwicklungen und reflektieren tagesaktuelle Themen. Eingebettet in unterschiedlichste mediale Kontexte wie Tageszeitungen, Journale oder Webseiten besetzen sie dabei eine widerständige Position gegenüber etablierten theoretischen Positionen. So scheint eine Klassifizierung nach Diskurstypen (etwa ästhetisch/fiktional vs. argumentativ/non-fiktional) Darstellungen kaum gerecht zu werden, welche bekannte Personen und Ereignisse des Zeitgeschehens in metaphorisch zugespitzten Situationen rekontextualisieren. Weder würde eine Rezipient_in hier einen „truth claim“ in der Weise unterstellen, dass die dargestellte Situation tatsächlich vorgefallen sei; noch lassen sich solche vorschnell unter einen fiktionalen „make-believe“-Rahmen bringen. Der politische Cartoon lässt sich daher weder als ein exklusiv argumentativ-rhetorisches noch als ein zwangsläufig fiktional-narratives Medium ansehen, sondern vielmehr als eine interdiskursive Schnittstelle, als ein medialer Reflexionsraum, welcher in spezifischer Weise auf die kulturellen Imaginationen von (vorausgesetzten, behaupteten, oder strittigen) Bedrohungen reagiert. Anders als das photographische Bild strebt das handwerklich gemachte dabei nie dem Pol vollständiger Transparenz entgegen. Autorschaft und Subjektivität eines verantwortlichen Akteurs, der seine Rezipientenschaft auf etwas Bestimmtes aufmerksam machen oder sie zu bestimmten Schlüssen bewegen möchte, bleiben hier geradezu sichtbar.

Hintergrund der Untersuchung bildet die Annahme, dass Kommunikation unter anderem als soziale Aushandlung interpretativer Rahmungen angesehen werden kann, durch welche gesellschaftliche Ereignisse vorgeprägten oder strittigen Typen von Situationen zugeordnet werden können. An solche können „Standard-Implikationen“ geknüpft sein, die von stereotypen oder kontroversen Rollen- und Funktionszuweisungen bis hin zu kompletten „Scripts“ reichen. Hier wird ein Zusammenhang deutlich zwischen der Kontingenz von Ordnungen, welche durch die Mittel des Humors und der „visuellen Pointe“ ausgestellt werden, sowie der identitätsbildenden Funktion eines gemeinschaftlich geteilten Hintergrundwissens, welches zum Verstehen dieser Pointen oft grundlegend vorausgesetzt werden muss. Zum Cartoon vergleichend herangezogen werden autobiographische Reflexionen wie in der Comic-Anthologie 9-11: Artists Respond, Volume 1 (2012) oder Art Spiegelman's In the Shadow of No Towers (2004) sowie der als tatsachengetreue Dokumentation ausgegebene Comic-Bericht The 9/11-Report: A Graphic Adaptation (2016). Das Teilprojekt „Falling in Line“ interessiert sich dabei in besonderem Maße für die Zusammenhänge zwischen „Ordnungen“ und „Rahmungen“ gezeichneter Bildlichkeit 1) im formalen, bildgestalterischen Sinne, 2) als Einbettung in verschiedene kulturelle sowie medial-institutionelle Kontexte (als konventionalisierte mediale Formate, an welche spezifische Rezeptionserwartungen geknüpft sind) sowie 3) gegenüber den darin aufgerufenen, aufgegriffenen und reflektierten „sozialen Frames“.

Publikationen (Auszug)

  • Im Reich der Figuren: Meta-narrative Kommunikationsfiguren und die ‚Mangaisierung‘ des japanischen Alltags, Köln: Herbert von Halem (2018), in Vorbereitung.
  • „Medium, Form, Genre? Medialität(en) des Comics“ In: Markus Engelns, Ulrike Preußer und Felix Giesa (Hg.): Comics in der Schule, Berlin: Bachmann (2018), in Vorbereitung.
  • mit Nicolas Potysch:„Picture Theory and Picturebooks“ In: Bettina Kümmerling-Meibauer (Hg.): The Routledge Companion to Picturebooks, London u.A.: Routledge (2018), S.439-450.
  • „The Epistemology of the Drawn Line: Abstract Dimensions of Narrative Comics“ In: Aarnoud Rommens, Björn-Olav Dozo, Pablo Turnes und Erwin Dejasse (Hg.): Abstraction and Comics/La BD et l'abstraction, Liège: Liège University Press/Presses Universitaires de Liège (2018), S.423-447.
  • „Comics | Piktogramme. Mediale Transformationen in der ‚Sprache‘ des Comics“ In: Matthias Harbeck, Marie Schröer und Linda Heyden (Hg.): Comics an der Grenze. Sub/Versionen von Form und Inhalt, Berlin: Bachmann (2017), S.97-118
  • mit Jan-Noël Thon:„Introduction: Mediality and Materiality of Contemporary Comics“ In:Mediality and Materiality of Contemporary Comics. Special-Themed Issue of The Journal of Graphic Novels and Comics, 7 (3), 2016, S.233-241.
  • „Kingdom of Characters. Die ‚Mangaisierung‘ des japanischen Alltags aus bildtheoretischer Perspektive“ In: Visual Narratives - Cultural Identities. Special-Themed Issue of VISUAL PAST, 3 (1), 2016, S.615-648.
  • „Distinguishing Mediality. The Problem of Identifying Forms and Features of Digital Comics“ In: Daniel Merlin Goodbrey und Jayms Nichols (Hg.): Digital Comics. Special-Themed Issue of Networking Knowledge, 8 (4), 2015, S.1-14.
  • mit Philip Dreher:„Mr. White Breaks on through to the Other Side. Agency, Genre und die Repräsentation soziokultureller Dichotomien in Vince Gilligans Breaking Bad“ In: Christoph Ernst und Heike Paul (Hg.): Amerikanische Fernsehserien der Gegenwart. Perspektiven der American Studies und der Media Studies, Bielefeld: Transcript (2015), S.35-56.
  • „Was unterscheiden Comic-‚Medien‘?“ In: CLOSURE. Kieler e-Journal für Comicforschung, 1, 2014, S.25-50.
  • „Systemtheorie und Konstruktivismus“ In: Netzwerk Bildphilosophie (Hg.): Bild und Methode. Theoretische Hintergründe und methodische Verfahren der Bildwissenschaft, Köln: van Halem (2014), S.165-174.
  • Der Witz der Relationen. Komische Inkongruenz und diagrammatisches Schlussfolgern im Webcomic XKCD, Stuttgart: ibidem (2012).

Vollständige Publikationsliste unter http://lukasrawilde.de/de/publikationen