Uni-Tübingen

Sebastian Koch

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Doktorand)

Teilprojekt G04: End of Empire. Re-ordering in Australien, Neuseeland und Kanada, 1960-1980

 

   
Dienstadresse: Keplerstraße 2
72074 Tübingen
Raum: 167
Telefon: 07071 29 77339
E-Mail: sebastian.kochspam prevention@uni-tuebingen.de

Beruflicher Werdegang

  • 2009: Abitur (DPG-Buchpreis 2009)
  • 2009-2015: Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Tübingen (Studiengang: Lehramt an Gymnasien)
  • 2011-2015: Deutschlandstipendium verliehen von der Universität Tübingen
  • 2011: Praktikum im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Grafeneck e.V.
  • 2011-2015: Studentische Hilfskraft beim SFB 923 "Bedrohte Ordnungen"
  • 2012-2015: Tätigkeit als Tutor in der Abteilung für Neuere Geschichte (Lehrstuhl Prof. Dr. Ewald Frie)
  • 2012-2015: Studentische Hilfskraft in der Abteilung für germanistische Mediävistik (Lehrstuhl Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter)
  • 10/2015: 1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien
  • seit 11/2015: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am SFB 923 „Bedrohte Ordnungen“

Forschungsschwerpunkte / wissenschaftliche Interessensgebiete

  • Vergleichende Geschichte Australiens, Neuseelands und Kanadas
  • Geschichte des British Empire im Zeitalter der Dekolonisation
  • Geschichte der Historiographie
  • Kulturgeschichte
  • Transnationale Geschichte

Forschungsprojekt im Rahmen des SFB 923

Arbeitstitel: Re-ordering Identity. Konzepte der kulturellen Neuverortung in Australien, Neuseeland und Kanada, 1960–1990

Abstract:

Meine Studie richtet ihren Blick auf die kulturelle ‚Neuausrichtung’, die in den ehemaligen weißen Siedlerkolonien Kanada, Australien und Aotearoa Neuseeland von den meisten Akteuren als notwendig erachtet wurde, nachdem alte Identitätskonzeptionen, die auf Whiteness, Britishness und family values basierten, mit dem Ende des Britischen Empire fragwürdig geworden waren. In einer postkolonialen Welt, in der sich Großbritannien von seinem Empire verabschiedete, ließen sich die siedlerkolonialen Selbstbeschreibungen, denen letztlich der Bezug zu Europa als „myth of origin and [...] signifier of superiority“ (Stasiulis/ Yuval-Davis 1995) zugrunde lag, nicht mehr aufrechterhalten.

Spätestens ab den 1960er Jahren – insbesondere unter dem Eindruck von GBs Bewerbungen für die Mitgliedschaft in der EWG – nahmen die meisten Akteure in Kanada, Australien und Aotearoa Neuseeland die sich immer mehr abzeichnende Loslösung vom ehemaligen Mutterland als Bedrohung wahr. Ihr Eindruck, mit einer fundamentalen Identitätskrise, ja teilweise sogar mit einem Kampf um das national survival konfrontiert zu sein, wurde dabei nicht zuletzt durch innergesellschaftliche Transformationsprozesse verstärkt, die Whiteness und Britishness während der global 60s mit neuen multikulturellen Gesellschaftskonzepten konfrontierten. Beide Elemente erschienen letztlich auch durch den anklagenden Ruf der indigenous movements zunehmend als fragwürdig. Vor diesem Hintergrund war eine Neuausrichtung von kulturellen Einrichtungen, nationaler Symbolik und zentralen Feiertagen erforderlich, um eine ‚eigene’ Identität mit Hilfe von ‚neuen’ Ritualen und Mythen unabhängig von alten Identitätskonzepten artikulieren zu können. Auch der Umgang mit der eigenen (britischen) Geschichte musste in diesem Kontext überdacht werden, stellte sie doch keinen zuverlässigen Referenzpunkt mehr für ein nationales Erfolgsnarrativ dar. Was für manche Akteure dabei als Identitätskrise empfunden wurde, wurde insbesondere von zuvor marginalisierten Akteuren wie den Indigenen als Chance begriffen. Meine Studie fragt daher auch danach, welchen Anteil diese Gruppierung beim Aushandlungsprozess von ‚neuen’ Identitätskonzeptionen hatte und inwiefern ihre Perspektiven und ihr erfahrenes Leid dabei eine Rolle spielten. Mit ihrem transnationalen Ansatz versucht meine Arbeit auch die Frage zu klären, welche Bedeutung gegenseitige Beobachtungen und Vernetzungen zwischen den Ländern und Akteuren bei der Neu-Aushandlung von Identitäten hatten.

Publikationen

  • Der Kampf des Helden gegen den egeslîchen trachen. Zur narrativen Funktion des Topos vom Drachenkampf in vergleichender Perspektive, Göppingen 2016 (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 783).

    • Rezensionen dazu:

      • Peter Somogyi, in: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 146.4 (2017), S. 534–538.

      • Vibeke Rützou Petersen, in: Journal of the Fantastic in the Arts 28.2 (2017), S. 319–321.

      • Norbert Voorwinden, in: Amsterdamer Beiträge zur Älteren Germanistik 76 (2016), S. 442-445.

      • Miriam Strieder, Gekommen, um die anderen Helden abzumelden (2016).

  • Biculturalism, Multiculturalism and Indigeneity as a Strategy of Memoria. Canada and Australia defining Themselves in Times of Threat, in: Renate Dürr und Mischa Meier (Hgg.): Knowing and Forgetting in Times of Threat, erscheint im Mohr Siebeck Verlag in der Reihe “Bedrohte Ordnungen”.

     

     

Tagungen/Workshops

  • Workshop zusammen mit Maike Hausen und Clara-Maria Seltmann "End of Empire. Re-ordering in Australia, New Zealand and Canada, 1960–1980", Tübingen, 25.–26. February 2016.
  • Tagung zusammen mit Maike Hausen und Clara-Maria Seltmann "End of Empire. The British World after 1945", Tübingen, 10-12 October 2018.  Flyer

Vorträge

  • Presentation and Discussion of the Concepts 'Decolonization vs. De-Dominionization', Workshop "End of Empire. Re-ordering in Australia, New Zealand and Canada, 1960–1980", Tübingen, 25.–26. Februar 2016.
  • In Search of a New Identity. Re-ordering Culture in the 1960s and 1970s, Workshop "End of Empire. Re-ordering in Australia, New Zealand and Canada, 1960–1980", Tübingen, 25.–26. Februar 2016.
  • Identitätssuche. Zur kulturellen Neuverortung in Australien, Neuseeland und Kanada, 1960-1980. Vortrag im Rahmen der ersten Nachwuchstagung der Gesellschaft für Überseegeschichte 4.–6. August 2016 auf Schloss Schney bei Lichtenfels (Franken-Akademie).
  • "New Zealand can be likened to a flea on an elephant unable to make its presence felt at all." Überlegungen zur Identitätskrise in Neuseeland nach dem Ende des Britischen Empire, Vortrag im Rahmen des Doktorandentages des Seminars für Neuere Geschichte an der Universität Tübingen, 19. Januar 2018.
  • Biculturalism, Multiculturalism and Indigeneity as a Strategy of Memoria. Canada and Australia Defining Themselves in Times of Threatened Orders, CRC’s Conference “What do we still know? – Knowing and Forgetting in Times of Threat”, Tübingen, 28.–30. Juni 2018. Abstract
  • Breaking the ‘Conspiracy of Silence’ after Empire? Biculturalism, Multiculturalism and Indigeneity as a Strategy of Memory Practices in Canada and Australia, Conference "End of Empire. The British World after 1945", Tübingen, 10-12 October 2018.
  • Identitätskrisen nach dem Ende des Britischen Empire. Zur kulturellen (Neu-)Verortung in Kanada, Australien und Aotearoa Neuseeland, Vortrag im Rahmen des Kolloquiums "Geschichtsdidaktik und Public History" (Prof. Dr. Bernd-Stefan Grewe), Universität Tübingen, 20. Mai 2019.