Uni-Tübingen

G04: End of Empire. Re-Ordering in Australien, Neuseeland und Kanada (1960–1980)

Das seit 2015 geförderte Teilprojekt untersucht die Folgen des britischen Rückzugs aus seinem Empire für die ehemaligen Siedlerkolonien Australien, Neuseeland und Kanada. In der zweiten SFB-Phase wurde die Bedrohung grundlegender siedlerkolonialer Ordnungsvorstellungen im Bereich der Außenpolitik, der Wirtschaft und der Kultur vor allem in den 1960er Jahren herausgearbeitet und das um „New Nationalism“ und „multiculturalism“ zentrierte re-ordering dargestellt. Das Teilprojekt ist daher im Projektbereich G ‚Reflexion‘ angesiedelt. 
In der dritten Phase geht es um die Implementierung dieser neuen Ordnungsvorstellungen in den 1970er Jahren. Diese erwies sich als außerordentlich schwierig und konfliktreich. Denn die Ergebnisse des „End of Empire“-re-ordering gerieten aufgrund einer völlig veränderten Weltlage (Ende Vietnamkrieg, Ölkrise, neuartige Globalisierungseffekte) im Moment ihrer praktischen Aushandlung und Implementierung schnell unter Druck. Die langen Schatten des Empire erschienen auf einmal wieder attraktiver und die Lösungsmodelle des ‚End of Empire‘-re-ordering weniger selbstverständlich. Gefragt wird daher, die SFB-Entwicklung hin zur Einbettung Bedrohter Ordnungen in diachrone Vernetzungen aufgreifend, nach der Interdependenz zwischen den Konflikten rund um die Implementierung in den 1970er Jahren, den nun wieder positiver gesehenen, auf ‚Britishness‘ basierenden Gesellschaftskonzeptionen der 1950er Jahre sowie dem ‚End-of-Empire‘-re-ordering der späten 1960er Jahre. 
Beide geplanten Teiluntersuchungen nehmen wie in der zweiten Phase spezifische Phänomene in allen drei Ländern in den Blick. Untersucht werden Implementierungsfelder, die in besonderer Weise Chancen und Grenzen der neuen Ordnung symbolisierten: die Hinwendung zum Pazifik einerseits, die Nationalisierung des schulischen und universitären Geschichtsunterrichts andererseits. Wir fragen, ob und wie sich die re-ordering-Ergebnisse der späten 1960er Jahre im Umsetzungsprozess veränderten und ob das Empire bzw. seine Methoden, Stilmittel und Inhalte im konfliktreichen Umsetzungsprozess der Mittsiebziger noch – oder wieder – eine Rolle spielten. Identitätsnarrative und normative Ordnungsentwürfe sowie alarmierende Bedrohungstopoi und Existenzreferenzen stehen im Zentrum des Interesses. Aufgrund des konsequent transnationalen Untersuchungsdesigns, der Verbindung von praxeologischer Vorgehensweise mit der Frage nach dem langen Schatten des Empire und angesichts der gewählten und bislang wenig untersuchten empirischen Beispiele erhoffen wir neue Erkenntnisse für die Geschichte der 1970er Jahre – länderbezogen wie transnational.