Uni-Tübingen

Teilprojekt E07: Re-ordering Prozesse in der Humanitären Nothilfe: Lokale und globale Aushandlungsstrategien

Abstract

Teilprojekt E07 untersucht re-ordering-Prozesse, die im Kontext einer humanitären Notlage erfolgen, fokussiert wird dabei die medizinische Nothilfe. Im Blickpunkt stehen 1) die unterschiedlichen Ordnungsvorstellungen, sowie die involvierten Strategien, Materialien und Ressourcen; 2) die unterschiedlichen Kategorien und Konzepte, die hierbei evoziert werden, 3) die Einbettung dieser Prozesse in und Rückwirkung auf das was Fassin als „moralische Ökonomie“ bezeichnet. Als ethnographische Arbeit trägt das Teilprojekt zum Verständnis der kleinteiligen Wechselwirkungsprozesse bei, die zwischen Diagnose, Operationalisierung und Bewältigung einer Ordnungsbedrohung stattfinden.

Projektteam

Projektleitung:

Prof. Dr. Gabriele Alex

Mitarbeiter/innen:

Dr. Sandro Ratt

Fachgebiete und Arbeitsrichtung

Ethnologie

Projektbeschreibung

Humanitäre Notlagen stellen eine Bedrohung für die betroffene gesellschaftliche Ordnung dar. Wenn sie ein gewisses Ausmaß erreicht haben, werden sie nicht mehr rein lokal, sondern global wahrgenommen, als Bedrohung deklariert und bewältigt. Internationale humanitären Organisationen verfügen über Ressourcen, Einsatzpläne und Strategien, Logistik und Expertenteams, die in den Notstandsgebieten kurzfristig durch eine Erstversorgung das Leiden der Menschen mindern und ihr Überleben sichern, und mittel- bis langfristig durch Programme nachhaltig die gesellschaftliche Ordnung stabilisieren sollen. Dabei gehen sie von Grundelementen einer sozialen Ordnung aus, anhand derer sie ihre Hilfsleistungen organisieren und die Ordnungsbedrohung bewältigen. Auch wenn die Nothilfe als Ziel hat, nicht in große soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Prozesse einzugreifen, sondern lediglich ‚Ordnung‘ soweit wiederherzustellen, dass weiteres menschliches Leiden verhindert wird, so importiert sie dennoch Konzepte und Materialien, stellt neue innergesellschaftliche Beziehungen her und bindet Regionen auf neue Weise in globale Netzwerke ein.

Im Blickpunkt des Teilprojekts stehen die unterschiedlichen Ordnungsvorstellungen, das Management und die Aushandlungsprozesse, die zwischen den verschiedenen Helfergruppen und den betroffenen Menschen nach einer humanitären Notlage stattfinden, sowie ihre Konsequenzen für die neu etablierte Ordnung. Fokussiert wird dabei auf die medizinische Nothilfe.

Untersucht werden:

  1. Die unterschiedlichen re-ordering Ansätze sowie die involvierten Strategien, Materialien und Ressourcen und die damit verbundenen Kommunikations- und Aushandlungsprozesse zwischen den Akteuren von innen (Betroffene) und den Akteuren von außen (internationale Hilfsteams), die sich im Kontext von Diagnose und Management kurzfristiger und längerfristiger medizinischer Nothilfemaßnahmen ergeben und auf die jeweiligen Konzepte von idealtypischen Ordnungen verweisen.
  2. Die unterschiedlichen Kategorien und Konzepte, die hierbei evoziert, verhandelt und transformiert werden, wenn soziale Gruppen, Institutionen, Bedürfnisse und Emotionen konzeptuell geordnet werden und sich in der Ordnung neu positionieren.
  3. Die Einbettung dieser Prozesse in und Rückwirkung auf das, was Fassin (2012:269) als „moralische Ökonomie“ bezeichnet, die Kategorisierung in Opfer und Verantwortliche, die mit Schuld- und Unschuldszuweisungen einhergeht und damit Ansprüche und Subjektpositionen schafft.

Projektbezogene Vorträge und Publikationen

Publikationen

Granzow, Tanja

  • »Die Brüche zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft heilen: Hoffnung als sine qua non der Ordnungsherstellung«, in: Band x der SFB 923-Reihe 'Bedrohte Ordnungen', hg. von Ewald Frie und Mischa Meier, Tübingen 2018. (in Vorbereitung)
  • »Zukunft antizipierbar machen: Hoffnung und Aspiration in den Temporalitäten von Humanitärer Hilfe und Peacebuilding«, in: Die Friedens-Warte, Sonderheft: Humanitäre Hilfe — Beitrag zum Frieden?, 2018. (in Vorbereitung).
  •  »Aligning with the UN: Non-Violent Self-Determination Movements in the Global South«, in: Journal of Global Security Studies, Special Issue Nonviolent Civil Resistance, 2018. (Review abgeschlossen; mit Jan Sändig)

Vorträge

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Tagungen, Workshops, Konferenzen

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