Uni-Tübingen

C1: ‚Andere‘ Poetiken der Ekphrasis in der hellenistischen Dichtung

Das Teilprojekt C1 untersucht griechische poetische Ekphraseis, d.h. (Bild-)Beschreibungen, aus hellenistischer Zeit. Ekphrastische Texte widmen sich Kunstwerken und Artefakten, z.B. Statuen, Gemälden, Gebäuden, Votivgaben oder Grabdenkmälern, sowie Artefakten der Alltagskultur wie Trinkgefäßen, Kleidungsstücken oder Teppichen. Zahlreiche ekphrastische Epigramme aus hellenistischer Zeit sind in der Anthologia Graeca überliefert. Bekannte Kunstwerke, beispielsweise die Kuh-Statue des Myron oder die Aphrodite-Statue des Praxiteles, die in diesem Zeitraum mehrmals und durch unterschiedliche mediale Bildträger abgebildet wurden, wurden ebenfalls mehrfach in hellenistischen Epigrammen beschrieben und thematisiert. Unter den Epigrammen zielen die Beschreibungen dabei weniger auf eine detaillierte Wiedergabe der Objekte als auf ästhetische Wirkungen und Reflexionen im wahrnehmenden Subjekt (z.B. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erstaunen, Befremdung, Beurteilung). Die hier entfalteten Reflexionen stellen eine ‚andere‘ Ästhetik im Sinne des SFB dar, sofern sie implizite, also in den poetischen Texten selbst reflektierte, Konzepte, Techniken und Modi des Ästhetischen verhandeln.

Einen Neuansatz bedeutet der Bezug der poetischen Ekphraseis auf die zeitgenössischen philosophischen Konzepte der aisthesis (als sinnlicher Wahrnehmung im weiten Sinne) und der phantasia (Imagination). Die Leitfragen dieses Projektes sind daher: Inwiefern lassen sich Wechselwirkungen zwischen der ästhetischen Selbstreflexion der poetischen Texte und der philosophischen Konzeption sinnlicher Wahrnehmung und Imagination erkennen? Welche Folgerungen ergeben sich hieraus für ein Verständnis des Ästhetischen? Die Arbeitshypothese lautet dabei, dass sich gerade im Hellenismus ‚andere‘ Poetiken der Ekphrasis herausbilden, die erstmals auch philosophische ästhetische Diskurse verarbeiten.


Team

Projektleitung:

Prof. Dr. Irmgard Männlein-Robert

Projektmitarbeiter:

Dr. Matthew Chaldekas


Aktuelles

Veranstaltungen

2020

Präsentation: Chaldekas, M.: The Aesthetics of Wholeness and Artistic Reproduction in Early Hellenistic Epigram, Projektbereichstreffen des SFB 1391 Andere Ästhetik, Universität Tübingen, Neuphilologicum, 27.04.2020. (digital)

Vortrag: Männlein-Robert, I.: ‚Typos‘ und Gottesbild: Zum philosophischen Vor-Bild in Platons Politeia, Platon et la pensée de l’image, Paris (Frankreich), 20.–21.02.2020.

Präsentation: Chaldekas, M.: Intermedial Experimentation in AP 16.135-43 (on Timomachus’ Medea), Gräzistisches Oberseminar (Prof. Männlein-Robert), Universität Tübingen, Hegelbau, 16.01.2020.

 

2019

Vortrag: Männlein-Robert, I.: Mit Blick auf das Göttliche oder: Mimesis für Philosophen in Politeia und Nomoi, Mimesis-Tagung, Tübingen, 02.–05.05.2019.

Vortrag: Chaldekas, M.: Seeing Statues: Authority, Erotic Power, and the Gendered Gaze in Theocritus, Groningen Hellenistic Poetry Workshop, Groningen (Niederlande), 23.08.2019.

Xenocrates-Workshop. 01.–02.11.2019. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich auf der Homepage des Lehrstuhls für Griechische Philologie.

Publikationen

2020

Männlein-Robert, I.: Mythos als Ressource: Prometheus und Epimetheus als Reflexionsfiguren bei Hesiod, in: Vincent Clausing-Lage / Dominik Delp / Xenja Herren (Hgg.), TextRessourcen. Agrarische, soziale und poetische Ressourcen in archaischer und hellenistischer Literatur (im Druck, erscheint vorraussichtl. 2020).

 

2019

Männlein-Robert, I.: Das Motiv der Höhle in Literatur und Kunst: Porphyrios, De antro Nympharum, in: Manuel Baumbach (Hg.), Die Seele im Kosmos. Porphyrios, Über die Nymphengrotte in der Odyssee, Tübingen 2019 (SAPERE XXXII), S. 97–116.

Lehre

Seminare / Vorlesungen:

WiSe 2019/20

Männlein-Robert, I.: ‚Kallimachos‘ [mit Schwerpunkt auf Ästhetik und Poetik] (Hauptseminar, Fr 9–12).