Uni-Tübingen

Katharina Fezer

Wissenschaftliche Mitarbeiterin


Kontakt

Universität Tübingen
SFB 1391 „Andere Ästhetik“
Keplerstr. 17
D-72074 Tübingen

Raum 26

 +49 (0)7071 29-75110
eva-katharina.fezerspam prevention@uni-tuebingen.de


Kurzvita

2019

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB 1391 "Andere Ästhetik" an der Eberhard Karls Universität Tübingen

2019

1. Staatsexamen an der Universität Stuttgart

2013

Lehramtsstudium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg/Breisgau, der Université Paris Diderot und der Universität Stuttgart (Deutsch, Französisch)

Forschungsprojekt

„(Un)reine“ Texte? – Vertraute Briefe und die Purismusdebatte im siècle classique

Der Arbeitsbereich Frankreich des Teilprojekts A3 widmet sich bei der Verfolgung der Leitfrage, welche ästhetischen Implikationen mit dem Purismus verbunden sind, insbesondere dem komplexen Verhältnis von Normierungsbestrebungen und Praxis. Als zu untersuchende Sprachquellen dienen lettres familières („vertraute“ Briefe) des siècle classique, da diese erstens autologische und heterologische Elemente in hervorstechender Weise verbinden und zweitens in einem besonders spannungsreichen Verhältnis zur Sprachnormierung stehen:
Im 17. Jahrhundert ist einerseits das Verfassen von Briefen jeglicher Art ein sozial relevanter Akt, bei dem die strikte Einhaltung des bon usage als Kennzeichen der honnêteté und damit als unerlässlich angesehen wird. Andererseits nennen die zeitgenössischen brieftheoretischen Werke eine sich dem mündlichen Gebrauch annähernde, „nachlässigere“ Sprache als Merkmal vertrauter Korrespondenzen. Heute wird die Diskurstradition des vertrauten Briefs im Zuge der Unterscheidung zwischen dem Medium und der Konzeption sprachlicher Äußerungen (etabliert durch Koch/Oesterreicher 1985, 1990) trotz ihrer graphischen Realisierung als „konzeptionell mündlich“ und infolgedessen als der „Nähesprachlichkeit“ zugehörig eingeordnet.
Fraglich ist damit, inwiefern sich in diesen Korrespondenzen systematische Abweichungen von der – distanzsprachlich ausgerichteten – kodifizierten Sprachnorm finden. Mit der Beantwortung dieser Frage soll das Zusammenspiel der Bestrebungen nach Sprachreinheit mit weiteren, teils gegenläufigen Traditionen illustriert sowie die (möglicherweise begrenzte) Reichweite puristischer Diskurse aufgezeigt werden.