Uni-Tübingen

Andere Ästhetik in der Schule

Schülerlabor Mediävistik: Marion Darilek, Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter (B3)

Süßes Nichtstun, bittere Medizin: Mittelalterliche Wortgeschichten. Oberstufenschüler aus Baden-Württemberg besuchen das Deutsche Seminar der Universität Tübingen zu einem Workshop mit B3.

Was haben ‚süßes‘ Nichtstun und ‚bittere‘ Medizin miteinander zu tun? Und weshalb sprechen wir von ‚süßen‘ Worten und ‚bitteren‘ Enttäuschungen? Diesen Fragen wurde anhand des mittelalterlichen Tristan-Romans nachgegangen, der von einem Skandal handelt: vom Ehebruch Tristans mit Isolde, der Frau seines Onkels Marke! Der Autor des Romans, Gottfried von Straßburg, kleidet das anstößige Thema jedoch in eine überaus kunstvolle Sprache und Form. Zudem sind Tristan und Isolde nicht nur ein inniges Liebes-, sondern auch ein hochtalentiertes Künstlerpaar, das sein Publikum dichtend, singend und durch sein Harfenspiel in seinen Bann zieht. Im Roman wird so gleichzeitig darüber reflektiert, was eine ideale Liebesbeziehung ausmacht und wie Literatur und Musik gestaltet und rezipiert werden sollen. Zentral für die ästhetische und erotische Reflexion im Tristan ist das Konzept des Süßen und des Bitteren, dessen Bedeutung sich vom Mittelalter bis heute erheblich verändert hat. Denn der Begriff der Süße bzw. süeze, wie er in der Sprachstufe um 1200 lautet, bezieht sich im Mittelalter längst nicht nur auf den Geschmack von Nahrungsmitteln oder auf ‚Entzückendes‘ und ‚Niedliches‘. 
Im Schülerlabor erkundeten wir gemeinsam die schillernde Bedeutungsvielfalt und die ästhetische Wortgeschichte von ‚Süße‘ und ‚Bitterkeit‘ und so gewannen die Schülerinnen und Schüler erste Einblicke: zum einen in das literaturwissenschaftliche Arbeiten, zum anderen aber auch in Gottfrieds "Tristan" und damit in einen der noch immer faszinierendsten und schönsten Romane der deutschen Literatur!

Termin: 18.02.2020, 10–18 Uhr
Veranstaltungsort: Raum 19, Brechtbau

Links zum Thema: zum Teilprojekt B3