Religionspädagogik

Elie Wiesels Œuvre

Elie Wiesel hat ein umfangreiches wie vielseitiges Werk in vier Sprachen (Jiddisch, Hebräisch, Französisch und Englisch) vorgelegt, welches diverse Gattungen umspannt: Artikel, Essays, Romane, Novellen, Dialoge, Dramen, Kantaten, Übersetzungen, Reportagen, Reiseberichte, Porträts, Legenden, Parabeln, Memoiren, Interviews, Reden, Buchrezensionen, Theaterkritiken, Bibelkommentare, Predigten, Theologietraktate. Wiesels Lebenswerk (mit bislang mehr als 50 publizierten Büchern) bildet in immer neuen Konstellationen und Variationen Tatsachen, Orte, Figuren, Motive, Fragen, Symbole sowie Paradoxa ab und schafft über Gattungsgrenzen hinweg einen umfassenden Zusammenhang. Das Fundament seines Werkes bilden die autobiographischen Überlebens- und Lebensberichte, wie seine Memoiren Die Nacht.

Elie Wiesel selbst legt einen Gesamtplan seines Werkes nahe, da sich sein ganzes erzählerisches Werk wie „konzentrische Kreise“ um das Zentrum seine Memoiren Die Nacht drehe (zit. bei Brown 1990, 62). Er wählte belletristische (Romane, Dramen, Märchen, Kantaten usw.) und essayistische Formen (kritische, politische, humanitäre, pädagogische Essays) sowie judaistische (das biblische, rabbinische und chassidische) Perspektiven, um seinen biographischen Fragestellungen Ausdruck zu verleihen.



Gesamtbibliographie

Das Werk und die Botschaft des Auschwitz-Überlebenden, Schriftstellers, Menschenrechtsaktivisten und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel (1928–2016) stellt für die Erinnerung an den Holocaust und die Bekämpfung des Antisemitismus einen herausragenden, einzigartigen und höchst bedeutungsvollen Beitrag dar. Elie Wiesel hat die Erinnerungskultur ab den 1950er-Jahren bis heute international und nachhaltig geprägt. Nur durch wissenschaftliche Bearbeitung kann das Werk und die Botschaft Elie Wiesels für gegenwärtige und zukünftige Generationen erschlossen und für die Profilierung einer sich transformierenden Erinnerungskultur und die Bekämpfung des neu aufkommenden Antisemitismus in Deutschland fruchtbar gemacht werden. 

Dazu hat die Forschungsstelle Elie Wiesel an der Universität Tübingen unter Förderung durch die Baden-Württemberg Stiftung die vorliegende Gesamtbibliographie erstellt und herausgegeben, als das weltweit einzige Institut, welches direkt und ausschließlich mit der Erforschung des Werks Elie Wiesels beschäftigt ist.

Quellenlage

Mit dem Ziel, eine Gesamtbibliographie bzw. eine möglichst vollständige Bibliographie zu erstellen, wurde neben den jeweils einschlägigen, inzwischen aber überholten Bibliographien von Molly Abramowitz (1974), Iriving Abrahamson (1985) und Betty Bigelbach (1988), erstmals das sogenannte BU-Inventory ausgewertet. Dieses Inventory wurde von der persönlichen Assistentin Elie Wiesels während dessen Zeit an der Boston University geführt und war ausschließlich für den internen Gebrauch vorgesehen. Es wurde dementsprechend bis heute noch nie veröffentlicht und erst 2019 an Reinhold Boschki im Zuge seiner Forschungsreisen nach Boston und Recherchen im Elie Wiesel Archive sowie aufgrund guter persönlicher Kontakte zu Elischa Wiesel erstmalig ausgehändigt. Das BU-Inventory wurde für die Erstellung der Gesamtbibliographie kritisch geprüft und in eine wissenschaftliche Systematik überführt. Etwaig fehlende bibliographische Detailangaben zu einzelnen Titeln wurden durch eigene Recherchen ergänzt. Weiterhin wurden umfassende Recherchen im Elie Wiesel Archive, dem Elie Wiesel Center for Judaic Studies und dem Archiv des United States Holocaust Memorial Museum durchgeführt.

Aufbau

Die chronologisch und innerhalb der Chronologie alphabetisch angelegte Gesamtbibliographie umfasst den Zeitraum von 1956-2021 und ist in zwei Hauptteile untergliedert. Der erste Teil listet alle ermittelten und bezeugten Publikationen Elie Wiesels auf, begonnen mit dessen Erstlingswerk, dem autobiographischen, jiddischen Überlebensbericht …un di velt hot geshvign welches später zu Wiesels bekanntester Publikation, der Erinnerung und dem Zeugnis Nacht kondensiert wurde. Entsprechend beginngt die Bibliographie mit Wiesels Autobiographien und wendet sich dann sukzessive Wiesels literarischen Schriften wie bspw. Romanen und Dramen, seinen biblisch-talmudischen-chassidischen Schriften und seinen essayistischen Schriften zu, um mit Wiesels publizistischem Werk, wie Reden und Interviews und offenen Briefen zu enden. Der zweite Hauptteil beinhaltet eine umfassende und aktuelle Aufstellung von Fachliteratur. Die Bibliographie wird laufend ergänzt, Vollständigkeit wird derzeit nicht beansprucht.

Perspektive

Langfristig soll in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Tübingen und Dr. Alan Rosen, Jerusalem, Yad Vashem, sowie dem Elie Wiesel Center for Judaic Studies eine digitale Gesamtbibliographie und ein Elie Wiesel Portal entstehen. Dazu soll gedrucktes sowie handschriftliches Quellenmaterial Elie Wiesels hochwertig gescannt, katalogisiert, ggf. aus dem jiddischen oder hebräischen transkribiert und öffentlich zugänglich gemacht werden, um so nicht nur die Forschung qualitativ weiterzuführen, sondern auch die Botschaft Elie Wiesels für die künftigen Generationen zu bewahren und die Profilierung einer digitalen Erinnerungskultur zu unterstützen. Derzeit wird von der Forschungsstelle Elie Wiesel bspw. an einer Auswertung des Archivs der hebräisch-sprachigen Zeitschrfit Jedioth Aharonot und der jiddisch-sprachigen Zeitschrift Zion im Kampf gearbeitet. Bisher völlig unbeachtet und nicht ausgewertet sind die Briefe Elie Wiesels aus der frühen Zeit, insbesondere die ca. 1200 Briefe an den Verleger von Jedioth Aharonot Dow Judkowski, einem seiner engsten Kollegen und Freund, mit dem er die Entstehungsgeschichte seiner frühen Werke austauschte.


Zeitachse der von Wiesel veröffentlichten Werke

2011
Cœur ouvert
2010
Otage
2008
Un désir fou de danser
2008
Le Cas Sonderberg
2008
Rashi—ébauche de portrait
2004
Et où vas-tu? Textes
2003
Le Temps des déracinés
2002
After the Darkness: Reflections on the Holocaust
2001
D'où viens-tu ? Textes
2000
Le Roi Salomon et sa bague magique
1999
Les Juges
1998
The Six Days of Destruction: Meditations Towards Hope (with Albert Friedländer)
1996
... Et la mer n'est pas remplie: Mémoires
1994
Tous les fleuves vont à la mer: Mémoires
1991
Célébration talmudique. Portraits et légendes
1991
Sages and Dreamers: Biblical, Talmudic and Hasidic Portraits and Legends
1990
From the Kingdom of Memory: Reminiscences
1989
Silence et mémoire d'hommes
1989
L'Oublié
1987
Le Crépuscule, au loin
1985
Signes d'exode
1983
Le Cinquième fils
1983
The Golem: The Story of a Legend
1982
Paroles d'etranger
1981
Célébration hassidique II, Contre la mélancolie
1981
Five Biblical Portraits
1980
Le Testament d'un poète juif assassiné
1978
Four Hasidic Masters and Their Struggle Against Melancholy
1978
Le Procès de Shamgorod
1977
Un Juif aujord'hui
1975
Célébration biblique. Portraits et légendes
1974
Ani Maamin, A Song Lost and Found Again, Text: Elie Wiesel, music: Darius Milhaud
1973
Le Serment de Kolvillág
1972
Célébration hassidique
1970
Entre deux soleils
1968
Le Mendiant de Jérusalem
1968
A Black Canopy, A Black Sky
1968
Zalmen ou La folie de Dieu
1966
Le Chant des morts
1966
Le Juifs du silence
1964
Les Portes de la forêt
1962
La Ville de la chance
1961
Le Jour
1960
L'Aube
1958
La Nuit
1956
…un di velt hot geshvign