Uni-Tübingen

Studium Generale

Das Studium Generale ist ein kostenloser Service. Freiwillig, unbezahlt und neben ihren vielfältigen Aufgaben bieten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen hier öffentliche Abendveranstaltungen während des Semesters an. In den Vorlesungsreihen zu aktuellen und meist fachübergreifenden Themen kommen auch häufig auswärtige Gäste zu Wort.

Das Studium Generale richtet sich an alle interessierten Hörerinnen und Hörer und an Studierende aller Fachrichtungen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Für den Besuch einer Reihe können durch den regelmäßigen Besuch 2 ECTS-Punkte bzw. maximal 6 ECTS-Punkte beim Besuch von drei Vorlesungsreihen erworben werden. Dies ist nur in Präsenz möglich. Den Teilnahmenachweis zum Unterschreiben finden Sie hier als Download. Anschließend können Sie den Nachweis beim Transdisciplinary Course Program stempeln lassen. 

Aktuelle Hinweise

Bitte beachten Sie folgenden Termintausch in der Reihe „Jüdisch-muslimische Beziehungen in Vergangenheit und Gegenwart“ (Do, 18 Uhr): Die Reihe beginnt am 20. Oktober mit dem Vortrag „Die Herausforderungen bei der Gründung einer jüdisch-muslimischen NGO“ von Ilja Sichorovsky, der Vortrag „Jüdisch-muslimische Tradition: Ein historischer Abriss“ von Mustafa Cimsit und Peter Waldmann findet dafür am 27. Oktober statt.
Ebenfalls in der Reihe „Jüdisch-muslimische Beziehungen in Vergangenheit und Gegenwart“ (Do, 18 Uhr) hat sich der Titel des Abschlussvortrags von Dmitrij Belkin am 9. Februar 2023 geändert. Er lautet „'Denkfabrik Schalom Aleikum'. Jüdisch-muslimischer Dialog in Deutschland: Begegnungen, Denkprozesse und Politik".

Kontakt

Antje Karbe
 +49 7071 29-76789
antje.karbespam prevention@uni-tuebingen.de

Themenübersicht Wintersemester 2022/2023

Das Neue – eine Denkfigur der Moderne

jeweils Montag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 21 im Kupferbau

Prof. em. Dr. Maria Moog-Grünewald, Romanistik und Komparatistik

Über das Neue als einer Denkfigur handeln, bedeutet, über die Moderne schlechthin handeln. In Überbietung des Diktums von Adorno in der Ästhetische[n] Theorie – „Kunst ist das Neue“ – lässt sich verallgemeinernd sagen: die Moderne ist das Neue, das Neue ist die Moderne. In dieser Qualifikation unterscheidet sich die Moderne von der Antike, prononcierter noch: diese Qualifikation ist das unterscheidende Merkmal der Moderne. Die systematische Beschreibung des jeweiligen Verständnisses des Neuen in der Antike und in der Moderne würde zum einen die fundamentale Differenz dieser beiden ‘Epochen’, im Sinne einer jeweiligen ‘longue durée’, kenntlich machen, doch sie würde auch zum anderen die Einheit der okzidentalen Kultur ausweisen. Denn auch und gerade dort, wo man vermeint, das Neue, und d.h. zugleich: die Moderne, aus sich selbst begründen zu sollen und zu können – dies dürfte philosophisch-erkenntnistheoretisch erstmals Descartes intendiert haben mit Folgen insbesondere für die Ästhetik des deutschen Idealismus –, treten die legitimen, wenn auch nicht mehr legitimierten Voraussetzungen zutage, und sie werden nicht zuletzt in der Aporie dieses Unterfangens offenbar.

Arbeit im Umbruch: Kann eine erfolgreiche Transformation gelingen?

Organisation: Prof. Dr. Hans-Jürgen Bieling, Prof. Dr. Reinhard Johler, Prof. Dr. Matthias Möhring-Hesse, Prof. Dr. Josef Schmid und Setareh Radmanesch, Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt am Forschungsinstitut für Arbeit, Technik und Kultur (F.A.T.K.) Tübingen
jeweils Montag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 25 im Kupferbau

Unsere Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Neben Klimazielen sind die Digitalisierung, (wenn auch neuerdings mit Einschränkungen) die Globalisierung und die Corona-Pandemie gegenwärtig weitere Einflussfaktoren für große Veränderungen in der Sphäre der Arbeit. Die Ringvorlesung zum Thema „Arbeit im Umbruch: Kann eine erfolgreiche Transformation gelingen?“ widmet sich diesen Veränderungen und ihren Auswirkungen auf der Grundlage aktueller empirischer Forschungsergebnisse. Das Ziel der Vorlesung ist es, den Wandel der Arbeitswelt, die Erfahrungen und Befürchtungen der Beschäftigten und die Ursachen der Veränderungen für Studierende und weitere Interessierte begreifbar zu machen.

Es sprechen Expertinnen und Experten, die diese Veränderungen gegenwärtig erforschen. Im Anschluss an die Vorträge sind teilweise ergänzende, inhaltliche Kommentare auch aus der Praxis vorgesehen, um die Wissensvermittlung auf breitere Füße zu stellen und um praktische Beispiele zu veranschaulichen.

Wissenschaft liest Asterix

Organisation: Prof. Dr. Bernd-Stefan Grewe, Geschichtsdidaktik und Public History;
Dr. Wolfgang Polleichtner, Philologisches Seminar / Arbeitsbereich Fachdidaktik
jeweils Dienstag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 21 im Kupferbau

Die seit 1959 in bisher 39 Bänden erschienene Comic-Reihe rund um den Titelhelden Asterix hat sich zu einem kulturellen Phänomen mit großer Bedeutung gemausert. Das Interesse an ihr verbindet gleichzeitig viele verschiedene gesellschaftliche Schichten und Altersgruppen weltweit. Aber auch kritische Stimmen sollten nicht überhört werden, die beispielsweise bestimmte Stereotypisierungen oder Ethnisierungen betreffen. Dass die Antike aber über diesen Comic mit jedem neuen Band immer wieder in die Schlagzeilen der internationalen Presse und vor allem auch in die Herzen der Leserinnen und Leser kommt, ist ein Phänomen, deren Gründen und Bedingtheiten diese Ringvorlesung interdisziplinär nachgehen will.

Denn auch die Wissenschaft begann schon vor einiger Zeit, sich intensiv mit Asterix und seinen Freundinnen und Freunden zu beschäftigen. So erscheinen in der Welt von Asterix‘ fiktivem Zuhause in Aremorica im Jahr 50 v.Chr. viele Aspekte unseres heutigen Lebens in gespiegelter, gebrochener, verzerrter, aber eben vielleicht auch umso deutlicherer Form – und Asterix nimmt uns mit auf seine Reisen, die ihn eben nicht nur in die in der Antike bekannte Welt führen.

Die Liste der Vortragenden wird daher nicht nur Fachwissenschaftler:innen und Fachdidaktiker:innen umfassen, die speziell zu den Orten, an denen, und zu den Zeiten, in denen die Abenteuer der Comic-Reihe spielen, Auskunft geben können. Es soll auch um die Signifikanz der geschilderten Ereignisse, gezeigten Haltungen und getroffenen Aussagen gehen, wie sie LiteraturwissenschaftlerInnen, SoziologInnen usw. analysieren. Aber nicht zuletzt die Translatologie liest die Bände durchaus auch gegen den Strich und kann so manche vielleicht noch nicht ganz so bekannte Seite der Asterix-Interpretation aufschlagen.

Tod und Sterben: zwischen kultureller Erinnerung und aktuellen Konflikten

Organisation: Prof. Dr. Franz-Josef Bormann MA, Prof. Dr. Joachim H. Schneider MA
jeweils Dienstag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 25 im Kupferbau

Tod und Sterben gehören zu den existentiellen Grunderfahrungen des Menschseins, die aufgrund ihrer Komplexität zwar seit jeher Gegenstand menschlicher Reflexion und kultureller Inszenierung sind, den Rahmen einer monodisziplinären Perspektive aber sprengen. Die Ringvorlesung versucht, verschiedene Aspekte dieser facettenreichen Thematik in drei Schritten auszuleuchten. Der erste Teil nähert sich dem Thema aus der Perspektive der philosophischen und theologischen Anthropologie, wobei zunächst die drei philosophischen Grundmodelle (Dualismus, Hylemorphismus, Naturalismus) und im Anschluss daran deren Fortleben in den drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) thematisiert werden sollen. Im Mittelpunkt des zweiten Teiles steht die Medizin und der Streit um die Plausibilität des sog. Hirntod-Konzeptes, das die Grundlage der aktuellen Transplantationspraxis bildet. Im dritten Teil geht es um die aktuelle Debatte um ein ‚Recht auf selbstbestimmtes Sterben‘, das vor allem im Blick auf die vom BVerfG verlangte gesetzliche Neuregelung der Suizidassistenz von Bedeutung ist und Fragen nach dem näheren Verständnis von Autonomie und Selbstbestimmung aufwirft. 

Jung sein in der Pandemie

Organisation: Prof. Dr. Taiga Brahm, Wirtschaftsdidaktik; Prof. Dr. Colin Cramer, Erziehungswissenschaft; Prof. Dr. Ansgar Thiel, Sportwissenschaft; Prof. Dr. Stephan Zipfel, Psychosomatische Medizin
jeweils Dienstag, 20 Uhr c. t., Hörsaal 21 im Kupferbau

In den politischen Strategien und öffentlichen Diskussionen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurden Jugendliche und junge Erwachsene lange Zeit vernachlässigt. Erste größere Studien zur psychischen Situation dieser Bevölkerungsgruppe zeigten, dass die mit den Lockdowns und Einschränkungen verbundenen Belastungen erheblich größer waren und sind, als zunächst vermutet. Ein beträchtlicher Teil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen erlebte die Corona-Pandemie als eine Zeit der Ohnmacht. Aus dieser Altersgruppe wurde auch der Vorwurf an die Politik gerichtet, sie sei in der Diskussion über den Umgang und die Folgen der Covid-19-Pandemie weder gehört noch einbezogen worden, etwa mit Blick auf den Wegfall vieler Freizeitaktivitäten.

Diese Reihe im Studium Generale setzt sich mit der Covid-19-Pandemie als Krise Jugendlicher und junger Erwachsener auseinander. In dieser Entwicklungsphase des Ausprobierens und sich Ablösens erscheint der direkte persönliche Kontakt mit Gleichaltrigen von hoher Relevanz für eine „biopsychosozial gesunde“ Entwicklung. In der Veranstaltung werden die Herausforderungen von Jugendlichen und Studierenden aus verschiedenen disziplinären Perspektiven betrachtet.

Schwaben und die Welt. Globalgeschichte(n) einer Region

Organisation: Prof. Dr. Christina Brauner, Seminar für Neuere Geschichte, Globalgeschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit; Tjark Wegner, Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften
jeweils Mittwoch, 18 Uhr c. t., Hörsaal 25 im Kupferbau

Die Welt beginnt vor Ort. In Hafenstädten, Handelszentren und Hauptstädten liegt das auf der Hand. Wie aber verhält es sich mit globalen Verbindungen und Verflechtungen, wo man sie eher nicht erwartet und lange Zeit nicht gesucht hat – im Binnenland, in Territorien ohne Kolonien, auf dem Land, im Dorf? Solche Fragen bringen Landesgeschichte und Globalgeschichte zusammen. Dabei zeigt sich: “Heimat” ist und war immer schon Teil der Welt.

Lässt sich also auch die Geschichte Schwabens als Globalgeschichte erzählen? Die Ringvorlesung stellt erste Bausteine für eine solche Geschichte vor und diskutiert, wie globalgeschichtliche Perspektiven unseren Blick auf die Region verändern können. Welche Rolle spielten vorderasiatische Kulte und Religionen für deren Bewohner in der Antike? Wie stellten sich schwäbische Mönche und Kleriker im Spätmittelalter die “Welt” vor? Was brachte Handwerker aus Beutelsbach im 17. und 18. Jahrhundert nach Ostindien – und wieder zurück? Wie gingen württembergische Missionare und Geistliche mit Sklaverei und Sklavenhandel um? Inwiefern war die Tübinger Universität an kolonialen Unternehmungen beteiligt? Die Vorträge aus Archäologie, Geschichts- und Kulturwissenschaft zeigen, dass Weltwissen und koloniale Verstrickung, Mobilität und Migration, Kulturtransfer und wirtschaftliche Verflechtungen in der Region eine lange Geschichte haben.

Der Blick auf konkrete Akteure vor Ort, ihr Handeln und Leben in globalen Bezügen macht deutlich, dass globale Verbindungen nicht für alle dasselbe bedeuten und bedeutet haben – sie werden bewusst gestaltet und erlitten, gefeiert, ignoriert und kontrovers diskutiert. Denkt man über Verbindungen in der Vergangenheit nach, so gilt es auch, nach dem heutigen Umgang mit dieser verflochtenen Geschichte zu fragen. Eine Podiumsdiskussion greift anhand von lokalen Beispielen die aktuellen Debatten um das koloniale Erbe in Museen, Sammlungen und öffentlichen Räumen auf.

Brennpunkt Ukraine. Geschichte, Kultur und Politik einer europäischen Nation

Organisation: Prof. Dr. Tilman Berger, Prof. Dr. Klaus Gestwa, Prof. Dr. Schamma Schahadat (Slavisches Seminar und Institut für Osteuropäische Geschichte)
jeweils Mittwoch, 18 Uhr c. t., Hörsaal 21 im Kupferbau

Der russische Angriffskrieg hat die Ukraine ins Zentrum der medialen und politischen Aufmerksamkeit gerückt. Dabei ist deutlich geworden, wie wenig über die kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungslinien bekannt ist, die seit dem 19. Jahrhundert die Ukraine zu einer europäischen Nation werden ließen. 

Die Vorlesungsreihe geht sowohl auf die traumatische Gewaltgeschichte der ukrainischen „Bloodlands“ (Timothy Snyder) als auch auf die ethnische Vielfalt und den kulturellen Reichtum des ostmitteleuropäischen Raums ein, in dem Literatur auf Ukrainisch, Russisch, Polnisch und auch auf Jiddisch geschrieben wurde. Das, was heute mit der russischen Avantgarde und mit modernistischer Architektur assoziiert wird, entstand oft in der Ukraine. In jüngster Zeit erobern ukrainische SchriftstellerIinnen wie Serhij Zhadan, Jurij Andruchowytsch, Andrej Kurkov, Tanja Maljartschuk und Katja Petrovskaja den internationalen Buchmarkt. 

Im Fokus mehrerer Vorträge steht die wechselhafte Geschichte der zahlreichen Verflechtungen und Entflechtungen zwischen der Ukraine und Russland, um historisches Grundlagenwissen zum östlichen Europa zu vermitteln. Das Augenmerk richtet sich ferner auf die Entstehung der ukrainischen Nationalliteratur sowie auf die Kulturkontakte zwischen der Ukraine und Deutschland. Gegenstand der Vorträge werden darüber hinaus die Geschichte der ukrainischen Sprache und die aktuelle soziolinguistische Situation sowie das Thema Religion und Kirche sein. Die Vorlesungsreihe wird vom Sonderforschungsbereich 923 „Bedrohte Ordnungen“ unterstützt. 

Jüdisch-Muslimische Beziehungen in Vergangenheit und Gegenwart

Organisation: Prof. Fahimah Ulfat, Zentrum für Islamische Theologie; Dr. Asher J. Mattern, Institut für Ökumenische und Interreligiöse Forschung
jeweils Donnerstag, 18 Uhr c. t., Hörsaal 21 im Kupferbau

Die Ringvorlesung beleuchtet die vielfältigen engen Verbindungen und Gemeinsamkeiten der jüdischen und muslimischen Traditionen, um sich auf dieser Grundlage den Problemfeldern unserer Gegenwart zu nähern. Zu diesem bieten die verschiedenen Vorträge einen Überblick über zentrale historische, hermeneutische, philosophisch-theologische, religionsrechtliche, politische und pädagogische Aspekte der jüdisch-muslimischen Beziehungen. Im Laufe des Semesters kommen jüdische und muslimische Stimmen zu Gehör. Theologische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven ermöglichen eine differenzierte und abwechslungsreiche Betrachtung der Thematik.

Grundsätzlich zielt die Vorlesung darauf, hervorzuheben, wie eng und produktiv in der Geschichte die Beziehungen zwischen JüdInnen und MuslimInnen war und welche starken Verbindungen es auch hinsichtlich der Strukturen und Inhalte der beiden Religionen gibt. Die Ringvorlesung lotet sowohl die wechselseitige Bedeutung der beiden Traditionen füreinander in der Vergangenheit aus und analysiert konkret die aktuelle Situation mit ihren besonderen Herausforderungen und Möglichkeit. So sollen Möglichkeiten für eine positive Dynamik des Miteinanders von JüdInnen und MuslimInnen für die Gegenwart ausgelotet werden, ohne Differenzen und Konflikte zu leugnen.