Uni-Tübingen

Martin Deuerlein, M. A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Doktorand)

Teilprojekt D04: USA und Sowjetunion. Transformationen einer weltpolitischen Ordnungskonkurrenz 1975 – 1989

Beruflicher Werdegang

Forschungsschwerpunkte

Dissertationsprojekt im Rahmen des SFB 923

Thema: „Die Geburtswehen der Interdependenz“ – Deutungen globalen Wandels und amerikanisch-sowjetische Beziehungen, 1968-1983

Abstract: In den 1970er Jahren schien sich die Welt grundlegend zu wandeln: Internationale Beziehungen wurden multipolarer, transnationale Akteure machten ihren Einfluss geltend und „globale Probleme“ überlagerten die traditionellen Sicherheitsfragen des Kalten Krieges. Entsprechend solcher zeitgenössischen Selbstdeutungen sehen heute auch viele Historikerinnen und Historiker die 1970er Jahre als Dekade tiefgreifender Transformationsprozesse. Unter dem Schlagwort der „Globalisierung“ messen ihnen manche Autoren mehr historische Relevanz zu als der Politik des Kalten Krieges. Die zugrundeliegende analytische Trennung dieser beiden Themenbereiche ist, so die These dieses Projektes, jedoch nicht tragfähig. Es fasst „Kalten Krieg“ und „Globalisierung“ vielmehr als Deutungsmuster, eng verflochtene mentale Konstrukte die dazu dienten, komplexe und widersprüchliche Beobachtungen mit eindeutigem Sinn auszustatten. Das Projekt fragt danach, wie solche neuen Paradigmen die Beziehungen der beiden Supermächte in den 1970er Jahren beeinflussten und welchen Einfluss die Eigendynamiken des Ost-West Verhältnisses wiederum auf die Deutung globalen Wandels ausübten. Entsprechend wichtig ist daher die Sicht zeitgenössischer Akteure: Das Promotionsprojekt nimmt Sozialwissenschaftler in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den Blick, die Beobachtungen tiefgreifenden Wandels in Theorien von „komplexer Interdependenz“ und „wissenschaftlich-technischer Revolution“ aggregierten. Akteure an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik „übersetzten“ solche Theorien in politische Handlungsempfehlungen. Für die USA werden die Trilaterale Kommission und das Committee on the Present Danger, für die Sowjetunion außenpolitische Forschungsinstitute wie das IMEMO untersucht, um den Weg solcher Ideen in die Politik nachzuverfolgen. Besonders die Regierung Carter war bestrebt, den gewandelten Zeitumständen gerecht zu werden. Doch ließen innenpolitische Widerstände und außenpolitische Krisen solche Ansätze scheitern. In der Sowjetunion wurde „Interdependenz“ unter Gorbačev zur Grundlage seiner Vision für eine neue sowjetische Rolle in der Welt, die jedoch nicht mehr in die Praxis umgesetzt werden konnte. Durch die Untersuchung von Wissenschaftlern, Interessengruppen und politischen Akteuren in den USA und der Sowjetunion will das Promotionsprojekt zu einem besseren Verständnis der doppelten Verflechtung von West und Ost sowie Innen- und Außenpolitik beitragen. Indem „Kalter Krieg“ und „Globalisierung“ als zeit- und akteursspezifische Deutungsmuster untersucht werden, soll eine weitere Historisierung dieser Begriffe angestoßen werden.

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Vorträge

Tagungen, Workshops, Konferenzen

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