Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies

Tübinger Phänomenologisches Kolloquium

Die Phänomenologische Philosophie zählt seit ihrer Begründung durch Edmund Husserl um 1900 zu den entscheidenden Strömungen der Philosophie. Seither hat sie eine vielseitige Entwicklung durchlaufen, aus der so unterschiedliche eigenständige Philosophien hervorgegangen sind wie die philosophische Hermeneutik, das Alteritätsdenken und die strukturale Phänomenologie. Darüber hinaus steht sie mit zahlreichen anderen Disziplinen in engem Forschungskontakt. Beispiele dafür sind das Lebensweltkonzept, das in den Sozialwissenschaften eine entscheidende Rolle spielt; die Phänomenologie des Leibes, die den body-turn in den Kognitionswissenschaften befördert; die Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins; die Phänomenologie von Stimmungen und Emotionen; die Religionsphänomenologie u.v.a. All diese Forschungsfelder zeugen von der enormen interdisziplinären Bedeutung der Phänomenologie in der Gegenwart.

Das Tübinger Phänomenologische Kolloquium möchte die Phänomenologie in ihrer fächerübergreifenden Aktualität und in ihrer ganzen Breite sichtbar machen. Dafür lädt das CIIS Phänomenologinnen und Phänomenologen aus aller Welt dazu ein, ihre Arbeiten einem interessierten universitären Publikum vorzustellen und mit Studierenden zu diskutieren.

Aktuelle Veranstaltungen

 
PD Dr. Thorsten Streubel, FU Berlin: Fundamentalanthropologie als kritische Phänomenologie
13. Juli 2021, 18 c.t.

Ort: Fürstenzimmer

Für den Vortragsabend bitten wir um eine Anmeldung bitten bei Dr. Niels Weidtmann, niels.weidtmann@ciis.uni-tuebingen.de.

Am Folgetrag findet von 9-13 Uhr wieder ein Workshop statt (Informationen folgen). Am Folgetag findet ein weiterführender Workshop mit Studierenden statt.

Abstract

Fundamentalanthropologie als kritische Phänomenologie

Das Ziel der „Fundamentalanthropologie“ genannten Disziplin ist es, den Zielgegenstand der Phänomenologie und Philosophie begrifflich neu und umfassend zu bestimmen. Die Fundamentalanthropologie fragt zwar mit Kant: „Was ist der Mensch?“ Doch sie versteht unter ‚Mensch‘ nicht „Homo sapiens“ oder „Dasein“ oder „animal rationale“ (im traditionellen Sinne), sondern lediglich ein formales X und damit zunächst ein völlig unbestimmtes, erst noch zu bestimmendes „begrifflich Allgemeines“ (Spezies/Eidos). Indem sie den methodischen Ausgang vom individuellen Da- und Sosein des Philosophierenden nimmt (= Ausgangsgegenstand), um von hier aus mittels eidetischer Variation erkennend zum Eidos ‚Mensch‘ aufzusteigen, kann sie einen materialen Begriff des Menschen („Anthropos“) erarbeiten, der diesen weder auf seine organismische Körperlichkeit noch auf seine Geistigkeit, weder auf seine Mundanität noch auf seine Transzendentalität reduziert. Der Mensch ist daher in Wahrheit auch nicht primär ein transzendentales Subjekt oder eine transzendentale Monade (Husserl), wenngleich das Transzendentale durchaus einen Teil seines Seins definiert. Die Fundamentalanthropologie fasst den Menschen primär als mundanes, transzendentales und transphänomenales Lebewesen und damit als eine eigentümliche und generische Lebensform; und sie bestreitet damit zugleich, dass der Begriff eines transzendentalen Subjekts überhaupt ein „Konkretum“ (Husserl) oder ein konkretes Seiendes bezeichnen kann. Es gibt in diesem Sinne keine transzendentalen Subjekte, sondern nur Lebensformen, die Bewusstsein aktualisieren können und sich so selbst anschaulich in einer Umwelt repräsentieren können.

Die Fundamentalanthropologie lässt sich als höhere Synthese aus Daseinsontologie, Philosophischer Anthropologie und (kantischer und husserlscher) Transzendentalphilosophie begreifen. Gleichwohl versteht sie sich nicht als Konkurrenz zur Philosophischen Anthropologie, sondern als deren Fundierung. Auch ist die Fundamentalanthropologie nicht ‚Erste Philosophie‘, insofern sie selbst eine Erkenntnistheorie der philosophischen Erkenntnis (Aletheiologie) zur Voraussetzung hat, die sie als möglich ausweist. Sie ist vielmehr das Scharnier oder die Brücke zwischen der Selbstkritik der philosophischen Erkenntnis und den sonstigen Teildisziplinen der Philosophie.

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Prof. Dr. Tetsuri Kato, Nagoya/Universität Hildesheim: „Unterwegs zur politischen Philosophie als alltägliche Praxis: Vom späten Foucault zum japanischen Konfuzianismus in der frühen Edo-Zeit“

19. Januar 2021, 18 c.t., Online-Vortrag via Zoom.

Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Dr. Niels Weidtmann, niels.weidtmann@ciis.uni-tuebingen.de.

Der Vortrag ist öffentlich. Ergänzend findet ein nicht-öffentliches Werkstattgespräch mit Studierenden statt.

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Prof. Dr. Waldenfels, Universität Bochum:Responsivität und Korresponsivität aus phänomenologischer Sicht

9. Januar 2020, 18 c.t., Online-Vortrag via Zoom.

Der Vortrag ist öffentlich. Ergänzend findet ein nicht-öffentliches Werkstattgespräch mit Studierenden statt.

Frühere Veranstaltungen

 
Dr. Annette Hilt, Universität Mainz: „Eine Phänomenologie des Sozialen? Zu Strukturen einer geteilten Welt bei Eugen Fink“

9. Dezember 2019, 18 Uhr c.t, Forum Scientiarum (jetzt CIIS), Hörsaal

Der Vortrag ist öffentlich. Ergänzend findet ein nicht-öffentliches Werkstattgespräch mit Studierenden statt.

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Prof. Dr. Inga Römer, Grenoble: Realismus als Herausforderung der Philosophie im Denken der Gegenwart

Dienstag, 9. Juli 2019, 18 Uhr c.t.

Der Vortrag ist öffentlich. Ergänzend findet ein nicht-öffentliches Werkstattgespräch mit Studierenden statt.

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Dr. Hanspeter Padrutt, Zürich: Naturwissenschaftlich-technische Denkweise und „Poetische Welterhörung“

Dienstag, 21. Mai 2019, 18 Uhr c.t.

Der Vortrag ist öffentlich. Ergänzend findet ein nicht-öffentliches Werkstattgespräch mit Studierenden statt.

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Professor Dr. Hiroshi Abe, Kyoto: „Tetsuro Watsujis Ethik ”

Dienstag, 17. Juli 2018, 20 Uhr c.t. Forum Scientiarum, Hörsaal

Der Vortrag ist öffentlich. Ergänzend findet ein nicht-öffentliches Werkstattgespräch mit Studierenden statt.

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Associate Professor Dr. Bogdan Minca, Bukarest: „Platon und Heidegger über das Hermeneutische”

Dienstag, 12. Juni2018 , 18 Uhr c.t. Forum Scientiarum, Hörsaal

Der Vortrag ist öffentlich. Ergänzend findet ein nicht-öffentliches Werkstattgespräch mit Studierenden statt.