Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies

Romseminar 2015: Ars Memoriae

Kunst des Erinnerns - Kunst des Vergessens
Perspektiven aus Mathematik und Informatik

Wintersemester 2014/2015
Exkursion nach Rom: 22.2. bis 1.3. 2015

„Erinnerung ist eine Form der Begegnung,
Vergesslichkeit eine Form der Freiheit.“
Khalil Gibran (1883-1931)

Erinnern und Vergessen sind zentrale Momente menschlicher Kultur. Ohne einen bewahrenden, systematisierenden und wertenden Bezug auf die Vergangenheit wäre eine gesellschaftliche, aber auch eine persönliche Orientierung unmöglich. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Individuen ebenso wie Gesellschaften mit großem Aufwand dafür sorgen, dass wichtige Ereignisse und prägende Erfahrungen oder Erkenntnisse erinnert werden. Nur im Ausnahmefall ist dies eine getreue Wiederholung des Vergangenen, viel öfter aber eine wertende Rekonstruktion. Das Vergessen spielt dabei nicht nur eine Rolle als ‛Defekt’, sondern ermöglicht überhaupt erst die Konzentration auf das ‛Wesentliche’. Die Sicht der Disziplinen Informatik und Mathematik zeigt dabei spezielle Aspekte der Thematik:

  1. Wie bezieht sich die Mathematik als Disziplin auf ihre mehr als 6000jährige Geschichte, wie die vergleichsweise junge Informatik? Wie und woran erinnert man sich, was geriet in Vergessenheit?
  2. Welche Rolle spielt die Geschichte der Mathematik und Informatik für die derzeitige Allgemeinbildung?
  3. Wie funktionieren diverse Mnemotechniken, welche Bedeutung hatten sie im Laufe ihrer Geschichte?
  4. Wie diskutiert die Hirnphysiologie das Phänomen des menschlichen Gedächtnisses?
  5. Welche Rolle spielen Speichertechniken und -medien im Wandel der Zeit?
  6. Wie verändern Techniken der Datenspeicherung und Übermittlung (Internet) die moderne Gesellschaft? Was bedeutet ein neuerdings eingeklagtes „Recht auf Vergessen“?

Diese und weitere Themen wird das Romseminar 2014 ansprechen; es bietet dabei die besondere Möglichkeit, über den Tellerrand des eigenen Studienfachs hinaus zu schauen, um sich mit dem historischen und kulturellen Hintergrund der Mathematik und ihrem Bezug zu anderen Disziplinen zu beschäftigen.

Im Laufe des Wintersemesters werden verschiedene Aspekte des Themas diskutiert und individuelle Vorträge ausgearbeitet und erprobt. Diese werden anschließend während der Exkursionsphase in Rom in der letzten Februarwoche (22.2. bis 1.3.) 2015 präsentiert. Ein vielseitiges Begleitprogramm zu sonst nicht zugänglichen Orten in Rom – der Ewigen Stadt, die sich in stetem Wechsel an bestimmte Kapitel ihrer Vergangenheit erinnert und andere absichtlich oder unabsichtlich vergisst – bereichert dieses 18. Romseminar.

Voraussetzung für das Seminar sind das Interesse an Mathematik und Mathematikgeschichte und die Bereitschaft, sich mit der Thematik engagiert auseinanderzusetzen.

Dr. Britta Dorn
britta.dornspam prevention@uni-tuebingen.de

Prof. Rainer Nagel
ranaspam prevention@fa.uni-tuebingen.de