Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies

Analogie. Zur Aktualität eines philosophischen Grundbegriffes

Tagung, 4. und 5. Juli 2013

Programm

Als ein zentraler Begriff des antiken Denkens stellt die Analogie (lat. proportio), die Synthesis von Logos-Verknüpfungen, das logisch-methodologische Prinzip schlechthin dar. Die Lehren der pythagoreischen Schule aufnehmend und erweiternd spricht Platon im Timaios von der Analogie als dem „schönsten Band“, welcher den Kosmos zusammenhält und beschreibt die höchste Idee in seiner Politeia anhand analoger Verhältnisse (das Liniengleichnis). Das Analogiedenken nimmt auch bei Aristoteles eine Schlüsselstellung ein. Der Nikomachischen Ethik zufolge soll das über die Analogie zu gewinnende „Gemeinsame“ und nicht die Teilnahme an einer Idee dasjenige bestimmen, was als das Gute allgemein anerkannt werden soll. Die mathematischen Anwendungsmöglichkeiten der Analogie werden wissenschaftsübergreifend eingesetzt im Sinne der Ordnung alles Messbaren nach der rechten Mitte. Das Bekannteste und in seiner Wirkungsgeschichte Mächtigste, sowohl für die spätere christliche Theologie als auch für die Metaphysik ist jedoch das von Aristoteles mit dem Ausdruck Pros-hen (auf das Eine abzielende) beschriebene Verhältnis. Dieses bildete die Grundlage der Seins-Analogie-Lehren im Mittelalter.

Trotz seiner pythagoreischen Herkunft verliert der Analogia-Begriff des Mittelalters zunehmend seine mathematische Dimension. Die Wirkungsebene der Analogie, jetzt „Entsprechung“ oder „Ähnlichkeit“ ist hauptsächlich sprachlicher Natur. Zwischen Univokation und Äquivokation wird analoge Prädikation im Sinne der aristotelischen Paronymie erklärt. Das bereits gemäß des umgeprägten Analogiebegriffes gefasste Verhältnis zwischen Gott und Schöpfung, der christliche Ordo-Gedanke, wird den Proportionalitätsgedanken der Pythagoreer nicht in jener ursprünglichen Gestalt festhalten.

Spätestens seit Kant kann, trotz der unerlässlichen „Analogien der Erfahrung“, dem Analogieverfahren allein kein Anspruch auf theoretische Erkenntnis mehr zugeschrieben werden. Nichtsdestotrotz lebt das Analogiedenken in den wissenschaftstheoretischen Ansätzen des 19. Jahrhunderts weiter fort. Die philosophisch eher „diskreditierte“ Analogie, unmathematisch geworden im griechischen Sinne, bleibt jedoch als Kernfigur dichterischer Tropen ein Zeugnis der Art und Weise wie lebendiges Sprechen, jenseits von Logik und Grammatik auch anderen subtileren Assoziations-Gesetzen folgt.

Fruchtbare Ansätze des Analogiedenkens im weitesten Sinn finden sich im 20. Jahrhundert u. a. in der Phänomenologie (s. Husserls analogische Apperzeption innerhalb der Fremderfahrung) und in der Psychoanalyse. Karin Gloy (1998, 2000) etabliert das Analogiedenken als eigenständige Form rationalen Denkens.

Die Tagung Analogie. Zur Aktualität eines philosophischen Grundbegriffes stellt sich erneut der Herausforderung, den Begriff der Analogie ausgehend von der Antike, über das Mittelalter und durch das neuzeitliche Denken hindurch zu untersuchen und das Potential des Analogiedenkens im Kontext der gegenwärtigen philosophischen Diskussion zu prüfen und zu entfalten.