Praktische Theologie III

Jan-Phillip Tangermann

Religiöse Vergemeinschaftung junger Erwachsener

Gegenstand der Forschung ist die religiöse Vergemeinschaftung junger Erwachsener. Paradigmatisch stehen hierfür die Orte Taizé sowie die landeskirchliche Jungenerwachsenenarbeit. Die religiöse Vergemeinschaftung als Sozialform, in ihrem Bezug auf die Kirche als Institution, soll der Untersuchungskontext sein, der auf die Bezugsgruppe der jungen Erwachsenen bezogen wird. Einschlägige Untersuchungen der letzten Jahre haben herausgearbeitet, dass die Gruppe der jungen Erwachsenen, in ihrer Phase des ausgedehnten Jugendalters (ca. 20-30-Jährigen) eine unterrepräsentierte Gruppe innerhalb der Kirche darstellt. Angebote für junge Erwachsene sowie wissenschaftliche Untersuchungen zu ihrer religiösen Praxis sind rar. Der Stand der Forschung sind dementsprechend zumeist kürzere Studien. Diese beziehen sich auf ihre Positionierung im religiösen Raum oder ihrem Verhältnis zur Institution Kirche. U. a. ist es namenhaft die 5. Erhebung über Kirchenmitgliedschaft von 2014 die den jungen Erwachsenen einen eigenen Abschnitt widmet. Auch das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hannover), hat 2018 mit einer kurzen qualitativen Studie seine Aufmerksamkeit auf die jungen Erwachsene gerichtet. Die Dissertation möchte sich jedoch ganzheitlich mit dieser Gruppe befassen. Denn es sind v. a. junge Erwachsene, die auf der Suche nach religiös-spirituellen Erfahrungen sind, Sinn- und Lebensfragen stellen. Weshalb ihr Verbleib in der Kirche eine relevante Frage ist. Die Forschungsfrage lautet: Welche spezifischen Konzeptualisierungen haben junge Erwachsene im Hinblick auf religiöse Vergemeinschaftung in Taizé sowie in der landeskirchlichen jungen Erwachsenenarbeit.

Im Hintergrund stehen wissenschaftliche Theorien der klassischen Soziologie, ekklesiologische und kirchentheoretische Konzeptionen sowie theologisch-pädagogische Rezeption entwicklungspsychologischer Konzepte. Die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ist die Methode, die zur empirischen Untersuchung der Fragestellung zur Anwendung kommt. Von Interesse ist dabei die individuell-subjektive Bedeutung und Konzeptualisierung von V ergemeinschaftung im religiösen Kontext. In leitfadengestützten Interviews sollen Teilnehmer_Innen im Alter von 20-30-Jahren befragt werden, die an einem oder bereits mehreren Wochentreffen in Taizé teilgenommen haben und solche Personen, die an expliziten Angeboten der landeskirchlichen Jungenerwachsenenarbeit partizipieren. Ziel der Arbeit ist es, einen kirchenpolitisch relevanten Beitrag zu der Frage zu leisten wie Kirche im Umbruch, v. a. im Hinblick auf eine bisher als kirchenfern bezeichnete Gruppe, gestaltet werden kann. Zudem will sie einen wissenschaftlichen und damit gesellschaftlichen Beitrag schaffen. Dieser Beitrag nimmt Menschen in ihren Lebens- und Sinnfragen ernst, indem sie sie an den Orten ihrer religiösen Vergemeinschaftung aufsucht und ihnen eine Stimme gibt.