Institut für Erziehungswissenschaft

Jasmin Bentele

Promotionsprojekt

Arbeitstitel: Die neuhumanistische Bildungsidee als Kollektivleistung? Die Würdigung der weiblichen Co-Schöpferinnen hinter der 'Humboldt'schen Bildungstheorie'.

Wilhelm von Humboldt schafft ausgehend von seinen theoretischen Abhandlungen mit seinem Konzept der Allgemeinen Bildung das Bildungsideal des 19. Jahrhunderts, welches sowohl dem deutschen Schul- als auch dem Universitätssystem bis in die Gegenwart als Ideal und Referenzpunkt dient. In der Konsequenz wird Humboldt in den Erziehungswissenschaften, insbesondere in den Reihen der Bildungstheorie und historischen Bildungsforschung, vielerorts als einer der namhaftesten Klassiker der Pädagogik angesehen. Diese Rolle hat sich so verfestigt, dass sich dort inzwischen eine Art Mythos-Bildung im Hinblick auf Humboldt und dessen Werk beobachten lässt. Humboldt wird in der Erziehungswissenschaft somit als die zentrale Figur und der alleinige Autor und Schöpfer eines neuhumanistischen Bildungsdenkens erachtet – ein Humboldtverständnis, welches von der historischen Bildungsforschung perpetuiert wird. Bei Hinzuziehung von weiterem Quellenmaterial, wie beispielsweise Humboldts voluminösen Briefwechseln, wird jedoch deutlich, dass Humboldt Teil eines Netzwerkes an Denker*innen war und die Ideengenese seiner theoretischen Schriften im Austausch mit einer Vielzahl an Personen stattfindet. Insbesondere die Briefwechsel mit weiblichen Angehörigen dieses Netzwerks und deren Einfluss auf Humboldt sind noch nicht erforscht. An diesem Forschungsdefizit knüpft die Dissertation an. Ziel ist es, den größeren Entstehungskontext und insbesondere den Einfluss dieser Frauen auf das, was als Humboldts Bildungstheorie bekannt ist, für die Bildungsgeschichte sichtbar zu machen. Hier soll mithilfe ausgewählter Briefwechsel aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive heraus die Genese dieser Theorien und Konzepte rekonstruiert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf den Sichtweisen und Argumentationsmustern der Frauen sowie ihren weiblichen Perspektiven auf den Bildungsbegriff.