Uni-Tübingen

Forschung zum Coronavirus an der Universität Tübingen

An der Universität Tübingen wird in mehreren Projekten zum Coronavirus SARS-CoV-2 und der durch den Coronavirus ausgelösten Infektionskrankheit COVID-19 geforscht. Weitere Forschungsvorhaben beschäftigen sich mit ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise.

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Forschungsprojekte in der Medizin

Update (23.11.2021): Eigenentwickelter Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zeigt starke Immunantwort 

Update 23.11.2021:

Eigenentwickelter Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zeigt starke Immunantwort 

Ergebnisse der Phase-I-Studie in Fachzeitschrift Nature publiziert

Am Universitätsklinikum Tübingen wurde im November 2020 unter Leitung von Prof. Dr. Juliane Walz in der KKE Translationale Immunologie der Medizinischen Klinik (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Helmut Salih) die klinische Erprobung eines eigenentwickelten Impfstoffs (CoVac-1) gegen SARS-CoV-2 begonnen. Nun liegen die Ergebnisse der Phase-I-Studie vor und belegen eine potente Aktivierung der T-Zell-Antwort gegen das Coronavirus. Die Ergebnisse sind aktuell in der renommierten Fachzeitschrift Nature publiziert. Derzeitig befindet sich die Studie in der zweiten Phase. Ziel ist, in Patienten und Patientinnen mit Antikörpermangel eine breite und starke T-Zell-vermittelte Immunantwort gegen SARS-CoV-2 zu induzieren, um so schwere Covid-19-Krankheitsverläufe zu verhindern.

T-Zellen spielen eine bedeutende Rolle bei der Covid-19-Erkrankung. Das konnte das Forschungsteam um Prof. Walz, Leiterin der klinischen Studie, bereits in mehreren wissenschaftlichen Publikationen belegen. Im Rahmen dieser Forschungsarbeiten wurden im Blut von Personen mit überstandener Covid-19-Erkrankung diejenigen Peptide identifiziert, die für eine Erkennung und Langzeitschutz durch T-Zellen speziell beim SARS-CoV-2-Virus von Bedeutung sind. „Genau die Peptide, die eine bedeutende Rolle bei der Langzeitimmunität nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion spielen, werden nun in unserem CoVac-1 Impfstoff eingesetzt“, erklärt Juliane Walz. Als Peptide werden kurze Eiweiße bezeichnet, die auf der Oberfläche von Tumorzellen, aber auch auf Virus befallenen Zellen dem Immunsystem und hier speziell den T-Zellen präsentiert werden. Dies ermöglicht dem Immunsystem, „fremde“ und infizierte Zellen zu erkennen und diese zu eliminieren. Die Idee für den Impfstoff kommt aus der Krebsimmuntherapie, einem der Hauptforschungsschwerpunkte der Tübinger Immunologen. 

Ergebnisse der Phase-I-Studie

CoVac-1 wurde in einer klinischen Phase-I-Studie in gesunden Probanden und Probandinnen zwischen 18 und 80 Jahre eingesetzt. Hier konnte bei guter Verträglichkeit eine äußerst potente Aktivierung der T-Zell-Antwort gegen SARS-CoV-2 belegt werden. 

Insgesamt wurden 36 Probandinnen und Probanden im Rahmen der Studie einmalig geimpft. Bei wenigen Teilnehmenden wurden leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Müdigkeit beobachtet, schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Bei allen Probandinnen und Probanden entwickelte sich an der Impfstelle eine lokale Verhärtung. „Diese Lokalreaktion wird für unseren Impfstoff erwartet und gewünscht. Sie ist Ausdruck der Bildung eines Depots an der Impfstelle, das einen schnellen Abbau des Impfstoffs verhindert und so eine langanhaltende Immunreaktion ermöglicht“, erklärt Dr. Jonas Heitmann, einer der Erstautoren der Studie.  

Bei allen Studienteilnehmenden lag vier Wochen nach der Impfung die gewünschte breite und starke T-Zell-Immunantwort gegen SARS-CoV-2 vor. In ersten Folgeuntersuchungen blieben diese Immunantworten in unveränderter Stärke bestehen. Darüber hinaus sind die durch CoVac-1 aktivierten T-Zell-Antworten deutlich stärker ausgeprägt als die bei Genesenen nach natürlicher Infektion und auch potenter als die T-Zell-Immunität, die durch zugelassene mRNA- oder Vektorimpfstoffe erzeugt wird. Anders als bei den bislang zugelassenen Impfstoffen richtet sich die CoVac-1-induzierte T-Zell-Immunität nicht nur gegen das Spike Protein, sondern gegen verschiedene Virusbestandteile. Die Wirksamkeit des Impfstoffes wird durch keine der bekannten SARS-CoV-2-Varianten negativ beeinflusst. 

Eigene Impfstoffentwicklung, Herstellung und Erprobung

CoVac-1 wird im Wirkstoffpeptidlabor und der sogenannten GMP-Einheit des Universitätsklinikums und der Medizinischen Fakultät Tübingen hergestellt. Auch hier wird auf die langjährige Erfahrung und Expertise bei der Produktion von Impfstoffen für Krebserkrankte zurückgegriffen. Die klinische Evaluation des Impfstoffs erfolgt in der KKE Translationale Immunologie, einer deutschlandweit einzigartigen Einrichtung im Department Innere Medizin des Universitätsklinikums. Diese wurde etabliert, um innovative Immuntherapiekonzepte möglichst rasch in ersten klinischen Studien erproben zu können, damit Patienten und Patientinnen schnellstmöglich von neuen Erkenntnissen der Forschung profitieren. 

Weitere Entwicklung von CoVac-1

Auf Grundlage dieser Studienergebnisse wurde bereits im Juni die Phase-II-Studie gestartet, die CoVac-1 in Patienten und Patientinnen mit angeborenem oder erworbenem Immunglobulinmangel untersucht. Hierzu gehören beispielsweise Leukämie- oder Lymphompatientinnen und -patienten, die auf Grund ihrer Erkrankung oder einer Therapie keine ausreichende durch antikörpervermittelte Immunität aufbauen können.  

Titel der Originalpublikation

A COVID-19 Peptide Vaccine for the Induction of SARS-CoV-2 T-Cell Immunity; doi: https://www.nature.com/articles/s41586-021-04232-5 

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Universitätsklinikum Tübingen
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KKE Translationale Immunologie 
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Update 01.12.2020:

Neuartiger Impfstoff zur Aktivierung von T-Zell-Antworten gegen SARS-CoV-2 in Erprobung – Universitätsklinikum Tübingen startet Impfstudie gegen das Coronavirus mit eigenentwickeltem Impfstoff

Am Universitätsklinikum Tübingen startet die klinische Erprobung eines eigenentwickelten Impfstoffs gegen SARS-CoV-2. Im Gegensatz zu den meisten aktuell in Erprobung befindlichen Impfstoffen gegen die COVID-19-Erkrankung zielt der durch die Abteilung für Immunologie (Direktor Prof. Hans-Georg Rammensee) der Universität Tübingen konzipierte Impfstoff CoVAC1 hochspezifisch auf die Stimulierung einer T-Zell-vermittelten Immunantwort gegen SARS-COV-2 ab. Die durch das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst finanzierte klinische Studie erfolgt basierend auf den Arbeiten und unter Leitung von PD Dr. Juliane Walz in der KKE Translationale Immunologie der Medizinischen Klinik (Ärztl. Direktor Prof. Helmut Salih) des Universitätsklinikums. Das für die Zulassung von klinischen Studien zuständige Paul-Ehrlich-Institut gab am Mittwoch, 25.11.2020, grünes Licht für den Impfstudienstart, ebenso erfolgte die obligatorische Zustimmung der Ethikkommission. 

Pressemitteilung Universitätsklinikum Tübingen (01.12.2020)

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Unser Immunsystem kann Viruserkrankungen effizient abwehren. Hierbei kommt zwei Zellarten eine wichtige Rolle zu: Den T-Zellen, die erstens virusbefallene Zellen direkt zerstören können und zweitens die Bildung von effizienten, Virus-neutralisierenden Antikörpern durch B-Zellen ermöglichen. Diese beiden Zelltypen spielen auch für die Abwehr der SARS-CoV-2-Infektion eine entscheidende Rolle. Während Antikörpertests bereits routinemäßig durchgeführt werden, ist über die T-Zellantwort gegen SARS-CoV-2 bislang wenig bekannt.

Der Arbeitsgruppe (AG) von Privatdozentin Dr. Juliane Walz in der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie (KKE) am Universitätsklinikum Tübingen und der Abteilung für Immunologie des Tübinger Interfakultären Instituts für Zellbiologie konnte in einer aktuellen Studie die Zielstrukturen (T-Zell-Epitope) für eine T-Zellantwort gegen SARS-CoV-2 identifizieren. Für die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Immunology publizierte Arbeit wurden insgesamt mehr als 180 Probanden nach überstandener COVID-19-Erkrankung untersucht. Die im Rahmen der Studie identifizierten T-Zell-Epitope ermöglichten den Nachweis, dass bei 100 Prozent der Patienten nach Infektion T-Zell-Immunantworten gegen SARS-CoV-2 erfolgt sind. Dies traf auch auf Patienten zu, bei denen keine Antikörperantwort nachweisbar war.

Vorerfahrungen mit zwei anderen Coronaviren - SARS-CoV-1 und MERS-CoV-2 - sowie erste Berichte über Genesene nach durchgemachter COVID-19 Erkrankung legen nahe, dass T-Zellantworten tatsächlich eine bedeutende Rolle auch bei der Abwehr von SARS-CoV-2 spielen, wie das bei allen anderen Virusinfektionen der Fall ist. Um diese T-Zellantworten untersuchen zu können, müssen zunächst die Bestandteile des Virus, sogenannte Epitope, identifiziert werden, die von den T-Zellen erkannt werden können. „Diese Epitope sind nicht nur für die Untersuchung und Diagnostik der Immunabwehr von Bedeutung, sondern können auch die Grundlage für die Entwicklung von Impfstoffen bilden“, sagt Forschungsgruppenleiterin Juliane Walz.

Darüber hinaus wurden im Rahmen der Studie, die durch die Sonderfördermaßnahme COVID-19 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert wurde, Blutproben von Personen, die vor Ausbruch der Pandemie gesammelt wurden, und somit keinen Kontakt zu SARS-CoV-2 hatten, untersucht. Dabei zeigte sich, dass auch bei 81 Prozent der untersuchten Spender ohne Kontakt zu SARS-CoV-2 kleine Mengen an T-Zellen, die Virusbestandteile erkennen, nachweisbar sind.

Diese könnte auf einen vorangegangenen Kontakt der Spender mit anderen humanen Erkältungs-Coronaviren (HCoV-OC43, HCoV-229E, HCoV-NL63 und HCoV- HKU1) zurückzuführen sein.

Eine solche kreuzreaktive T-Zell-Erkennung ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Immunität gegen SARS-CoV-2. „Wie sich diese kreuzreaktive T-Zell-Erkennung in 81 Prozent der Bevölkerung auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 sowie auf die Schwere der Erkrankung auswirkt, werden wir in weiteren Studien prospektiv untersuchen“, kommentiert Walz dieses Ergebnis.

Basierend auf den Erkenntnissen dieser Studie entwickelt das Team der KKE Translationale Immunologie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Helmut Salih) gemeinsam mit der Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee) aktuell eine klinische Studie, die einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 untersuchen wird, welcher aus den hier identifizierten T-Zell-Epitopen besteht. Dass ein solcher Ansatz, der primär darauf abzielt, T-Zellantworten gegen SARS-CoV-2 zu induzieren, erfolgsversprechend sein könnte, wird durch erste „Langzeitdaten“ der AG Walz unterstützt. In einer bisher unveröffentlichten Follow-up Untersuchung der Probanden – nun sechs Monate nach der Infektion – ließen sich immer noch starke T-Zellantworten gegen SARS-CoV-2 nachweisen, während die Antikörperantworten insbesondere gegen das so genannte Spike-Protein, über das das Virus in eine Zelle eindringen kann, bereits deutlich abgefallen waren.

Originaltitel der Publikation: 

Nelde, A., Bilich, T., Heitmann, J.S. et al. SARS-CoV-2-derived peptides define heterologous and COVID-19-induced T cell recognition. Nat Immunol (2020).

DOI: 10.1038/s41590-020-00808-x 

Die Publikation ist unter der folgenden URL verfügbar: https://www.nature.com/articles/s41590-020-00808-x.

Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik
KKE Translationale Immunologie
PD Dr. Juliane Walz
Otfried-Müller-Straße 10, 72076 Tübingen
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Update (15.10.2021): Gestaltung von Arbeitsbedingungen während der COVID-19 Pandemie

Während der COVID-19-Pandemie mussten Unternehmen und ganze Branchen mit aufwändigen Infektionsschutzmaßnahmen ihre betrieblichen Tätigkeiten verändern und anpassen, einschränken oder sogar völlig einstellen. Auch das erneute „Hochfahren“ der Wirtschaft, die Fortführung bzw. Wiederaufnahme der Tätigkeiten stellt eine große Herausforderung dar, weil Einschränkungen bestehen bleiben und die Unternehmen nicht einfach zu den Zeiten vor der Pandemie zurückkehren können. In diesem vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderten Projekt sollen die Fortführung bzw. Wiederaufnahme betrieblicher Tätigkeiten in verschiedenen Firmen und Institutionen wissenschaftlich begleitet werden. Zentraler Baustein der Studie ist die enge Zusammenarbeit mit betrieblichen Akteuren. Es wird analysiert, wie Beschäftigte und Führungskräfte ihre veränderten Arbeitsbedingungen sowie die Maßnahmen zum Infektionsschutz am Arbeitsplatz erleben und wie das Infektionsrisiko während der Pandemie eingeschätzt wird. Des Weiteren sollen Best-Practice-Beispiele für die Anpassung von arbeitsbezogenen Schutz- und Hygienemaßnahmen abgeleitet werden, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf ähnliche betriebliche Settings zu ermöglichen.

Publikationen

Rind et al. (2020): Adjusting working conditions and evaluating the risk of infection during the COVID-19 pandemic in different workplace settings in Germany: a study protocol for an explorative modular mixed methods approach. BMJ Open 2020;0:e043908. doi:10.1136/bmjopen-2020-043908; https://bmjopen.bmj.com/content/10/11/e043908.long (08.10.2021)

Kontakt

Dr. Esther Rind (PhD, UK)
Leitung Forschungsschwerpunkt Gesundheitsversorgung für Menschen im Erwerbsalter
Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Tübingen
E-Mail: esther.rindspam prevention@med.uni-tuebingen.de 

Neuer Schnelltest zum Nachweis von Corona-Antikörpern

Ergebnis in nur zwölf Minuten – Neues Testverfahren übertrifft ELISA-Methode – „Meilenstein in der Entwicklung der immunologischen Diagnostik“

Ein internationales Forschungsteam der Universitäten Paraná (Brasilien) und Tübingen hat einen Schnelltest entwickelt, der innerhalb von Minuten Antikörper gegen den Covid-19 Erreger SARS-Cov2 im Blut zuverlässig nachweisen kann. Das neue Vefahren lässt sich aufgrund eines einfachen Messprinzips ohne teure Instrumente durchführen und ist daher auch für mobile Teststationen oder für Labore in wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen geeignet. Die neue Diagnosemethode ist zudem deutlich schneller als das sogenannte ELISA-Verfahren, das in der Labordiagnose von Antikörpern seit Jahrzehnten als Goldstandard gilt. 

Das neue Testverfahren basiert auf magnetischen Nanopartikeln, die mit viralen Antigenen beschichtet sind. Zur Durchführung des Tests wird Blutserum oder Blut auf die Testoberfläche aufgetragen. Nach ungefähr zwei Minuten werden die Nanopartikel gewaschen und mit einer Entwickler-Reagenz behandelt. Weist die Blutprobe Antikörper gegen das Coronavirus auf, kommt es zu einem Farbumschlag. Während beim traditionellen ELISA-Test das Ergebnis nach etwa drei Stunden vorliegt, benötigt die neue Methode nach den Ergebnissen der Studie nur zwölf Minuten.  

Einsatz bei akut Erkrankten und bei Genesenen möglich

Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 bilden sich im Allgemeinen elf bis 16 Tage nach Auftreten der Symptome aus. Einige Patienten produzieren jedoch bereits zwei bis vier Tage nach den ersten Krankheitssymptomen Antikörper in nachweisbaren Konzentrationen. Immunologische Tests können daher als zusätzliche Instrumente zur Identifizierung von Patienten in der akuten Phase der Covid-19-Erkrankung beitragen oder von Patienten, die in der PCR-Untersuchung als falsch negativ getestet wurden.

Der neue Test schnitt insbesondere bei Proben mit niedrigen Antikörpertitern besser ab als das ELISA-Verfahren. Die Methode arbeitete laut der Studie mit einer Sensitivität von 87 Prozent sowie einer Spezifität von 99 Prozent der getesteten Covid-19-Proben. Bereits mit dem bloßen Auge können dabei positive und negative Ergebnisse festgestellt werden. Durch den Einsatz zusätzlicher Instrumente, wie eines Microplate-Readers, könnte die Präzision des Tests weiter gesteigert werden. Außerdem liefert die neue Methode Daten über die Menge an Antikörpern und nicht nur über ihr Vorhandensein oder Nichtvorhandensein.

Die Autorinnen und Autoren der Studie gehen davon aus, dass das neue Verfahren künftig zu vergleichbaren Kosten für jeweils eine Diagnose wie der ELISA-Test angeboten werden kann. Die Technologie steht für Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationspartnerschaften über die Innovationsagentur der Universität Paraná zur Verfügung, die über die gesetzlichen und Patentrechte verfügt.

Publikation: 

Luciano F. Huergo, Khaled A. Selim, Marcelo S. Conzentino, Edileusa C. M. Gerhardt, Adrian R. S. Santos, Berenike Wagner, Janette T. Alford, Nelli Deobald, Fabio O. Pedrosa, Emanuel M. de Souza, Meri B. Nogueira, Sônia M. Raboni, Dênio Souto, Fabiane G. M. Rego, Dalila L. Zanette, Mateus N. Aoki, Jeanine M. Nardin, Bruna Fornazari, Hugo M. P. Morales, Vânia A. Borges, Annika Nelde, Juliane S. Walz, Matthias Becker, Nicole Schneiderhan-Marra, Ulrich Rothbauer, Rodrigo A. Reis, and Karl Forchhammer. Magnetic Bead-Based Immunoassay Allows Rapid, Inexpensive, and Quantitative Detection of Human SARS-CoV-2 Antibodies. 
ACS Sens, January 26, 2021; https://doi.org/10.1021/acssensors.0c02544  

Kontakt: 

Professor Dr. Luciano F. Huergo 
Universidade Federal do Paraná
+55 41996765856
luciano.huergospam prevention@gmail.com   

Professor Dr. Karl Forchhammer
Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin
 +49 7071 29-72096
karl.forchhammerspam prevention@uni-tuebingen.de  

Dr. Khaled Selim
Universität Tübingen 
Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin 
+49 7071 29-72096
khaled.selimspam prevention@uni-tuebingen.de  

Corona-Viren mit UV-C-Strahlung unschädlich machen

Gemeinsames Projekt des Universitätsklinikums Tübingen mit der Hochschule Heilbronn zur Inaktivierung von Corona-Viren in Aerosolen

Professor Michael Schindler vom Universitätsklinikum Tübingen (UKT) und Professorin Jennifer Niessner von der Hochschule Heilbronn (HHN) und erforschen die Wirksamkeit von UV-Strahlung bei der Inaktivierung von Corona-Viren in Aerosolen. 

Können UV-C-Strahlung Corona-Viren in der Luft unschädlich machen? Bereits nachgewiesen haben dies die Tübinger Virologen, wenn die Corona-Viren auf festen Oberflächen sitzen. Nicht jedoch für Viren in luftgetragenen Partikeln, also Aerosolen, die das öffentliche Leben in Deutschland nach wie vor stark einschränken. Dieser wichtigen Aufgabe gehen nun Ingenieure der Hochschule Heilbronn und Virologen vom Universitätsklinikum Tübingen in einem einzigartigen interdisziplinären Projekt nach. 

Das Team um HHN-Professorin Jennifer Niessner konzipiert und baut daher einen Aerosolprüfstand, der in die Sterilbank eines Hochsicherheitslabors an der Universitätsklinik Tübingen integriert wird. Die dortigen Projektpartner um Prof. Michael Schindler arbeiten mit infektiösen SARS-CoV-2 Viren und überprüfen erstmals, ob und mit welcher UV-C-Bestrahlungsdosis Coronaviren in Aerosolen inaktiviert werden können. 
Die aktuell erforschten Technologien mit UV-C-Strahlung könnten nämlich ein weiterer technologischer Baustein sein, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu minimieren. Außerdem könnten sie eine energieeffiziente und leise Alternative zu heute genutzten Luftreinigungstechnologien wie z.B. leistungsfähigen Filtern darstellen. 

Mit UV-C-Einheiten könnten persönliche Kontakte des öffentlichen Lebens in Schulen, Kindergärten, Hochschulen, aber auch das Zusammentreffen von Menschen in Büros, Krankenhäusern und Praxen, in Verwaltungs- und Produktionsstätten, oder in Hotels, Gaststätten und kulturellen Einrichtungen sicherer werden.

Das Land Baden-Württemberg fördert das Projekt „Testaerosole“ mit knapp 1,6 Millionen Euro. Beteiligt sind die Universität Stuttgart, das Karlsruher Institut für Technologie, das Universitätsklinikum Tübingen und die Hochschule Heilbronn.

Kontakt:

Universitätsklinikum Tübingen
Molekulare Virologie, Institut für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten 
Prof. Dr. Michael Schindler
 +49 7071-29 87459
michael.schindlerspam prevention@med.uni-tuebingen.de

Welche Rolle spielen Immunreaktionen und die Gerinnungsaktivierung bei tödlich verlaufendem COVID-19?

Komplementaktivierung, Thromboinflammation und proinflammatorische Zytokine

Es ist nachgewiesen, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 auch die Endothelien, die Zellen der innersten Wandschicht von Lymph- und Blutgefäßen, infiziert und zerstören kann. Eine solche floride Endothelialitis mit einer systemischen Aktivierung der Blutgerinnung und der Bildung von Mikro- und Makrothrombosen wird als Schlüsselereignis bei schweren Verläufen von COVID-19 mit tödlichem Ausgang erachtet. Aktuell ist unklar, welche Faktoren neben der direkten Infektion von Endothelien in diesen Fällen zur Endothelialitis mit ihren Folgeerscheinungen beitragen. Anhand von ausführlich dokumentierten Autopsiefällen der vier universitären Pathologie-Institute in BW mit Autopsiematerial der Lunge, des Herzens und lymphatischer Organe auf folgende Aspekte untersucht werden: 

  • Rolle der Komplement- (Aktivierung von Immunreaktionen) und Gerinnungsaktivierung sowie Zusammensetzung des entzündlichen Mikroenvironments bei COVID-19-assoziierter pulmonaler Vaskulitis, also Entzündungen im Bereich der Lunge.  
  • Entzündliche/immunologische Reaktionsmuster von Herz und lymphatischen Organen, wie zum Beispiel der Milz. 

Das beantragte Projekt wird wichtige Erkenntnisse zu Pathogenese der vaskulären Inflammation und der Immunpathologie von COVID-19 liefern, also der durch die Krankheit ausgelösten Entzündungsprozesse in den Blutgefäßen und organischen Schädigungen durch Immunreaktionen. Antragsteller sind Prof. Dr. Falko Fend, Prof. Dr. Karin Klingel und PD Dr. Hans Bösmüller vom Institut für Pathologie und Neuropathologie am Universitätsklinikum Tübingen (UKT). Beteiligt sind weitere Mediziner des UKT sowie der Universitätsklinika Freiburg, Heidelberg und Ulm. Es handelt sich um ein Teilprojekt in der Förderung obduktionsbasierter Forschung an den vier Universitätsinstituten für Pathologie in Baden-Württemberg. 

Publikationen:

Kontakt:

Prof. Dr. med. Falko Fend
Ärztlicher Direktor, Institut für Pathologie und Neuropathologie
 +49 7071 29-82266
falko.fendspam prevention@med.uni-tuebingen.de

Hochpotente „Nanobodies“ gegen SARS-CoV-2

Die Forschungssektion Molekulare Virologie am Universitätsklinikum Tübingen unter Leitung von Prof. Dr. Michael Schindler ist an einer nun in „Science“ publizierten Studie beteiligt, die neue hochpotente sogenannte „Nanobodies“ gegen SARS-CoV-2 etabliert hat.

Nanobodies sind ähnlich zu Antikörpern, bieten aufgrund ihrer geringen Größe aber vielerlei Vorteile was deren Produktion, Stabilität und Aktivität angeht. Im vom Universitätsklinikum Bonn geleiteten Konsortium war es Aufgabe der Tübinger Virologen, die antivirale Aktivität gegen SARS-CoV-2 im Sicherheitslabor des Instituts für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruserkrankungen zu analysieren. Eine besondere Expertise ist dabei die Lebendzellmikroskopie an infizierten Zellkulturen, über die die Ausbreitung des Virus in Echtzeit nachverfolgt werden kann. „Wir waren beeindruckt, wie potent die Nanobodies in sehr geringen Konzentrationen die Virusvermehrung und Ausbreitung von SARS-CoV-2 verhindern“, so Schindler zu den Ergebnissen der Studie. Die Nanobodies werden nun in einer von der Uniklinik Bonn ausgegründeten Firma für die direkte Therapie von SARS-CoV-2 weiter entwickelt.

Link zur Veröffentlichung der Studie in Science:

Kontakt:

Universitätsklinikum Tübingen
Molekulare Virologie, Institut für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten 
Prof. Dr. Michael Schindler
​​​​​​​ +49 7071-29 87459
michael.schindlerspam prevention@med.uni-tuebingen.de

Tübinger Studie: Intensivtherapie bei Covid-19

Deutschlandweite multizentrische Datenerfassung

Eine deutschlandweite Studie am Universitätsklinikum Tübingen erfasst unter Koordination von Professor Dr. Peter Rosenberger und Dr. Harry Magunia strukturiert Daten von ehemaligen Covid-19 Intensivpatientinnen und -patienten, um Erfahrungen mit der Therapie von Covid-19 in Deutschland zu sammeln und auszuwerten. Interessierte Kliniken können sich ab sofort registrieren.

Schätzungsweise knapp fünf Prozent der Covid-19-Patientinnen und -Patienten müssen aufgrund ihrer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus intensivmedizinisch behandelt werden. Im Rahmen der deutschlandweiten Erhebung werden aktuell rückblickend für den Zeitraum 01.01.2020 bis 31.07.2020 die Daten von Covid-19-Erkrankten, die auf der Intensivstation behandelt wurden, strukturiert erfasst und charakterisiert. Eine prospektive Erweiterung ist bereits in der Planung. Ziel der Studie ist es, Erfahrungen mit der Therapie von Covid-19 zusammenzufassen und Inzidenzen bestimmter Therapien wie antivirale Medikation auszuwerten. Die Studie erfasst die Daten pseudonymisiert mit bereits vorhandenen klinischen Behandlungsdaten. Es finden keine Therapieänderungen oder zusätzliche Untersuchungen statt. 

Kontakt:

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Prof. Dr. Peter Rosenberger
 + 49 7071 29-86622
​​​​​​​Peter.Rosenbergerspam prevention@med.uni-tuebingen.de​​​​​​​

 

Strahlendosisreduktion und Entwicklung eines Ultra-Low-Dose-CT Protokolls des Thorax bei COVID-19

Zielsetzung der bewilligten Studie:

Die wissenschaftliche Zielsetzung dieser Studie ist die Evaluation der Strahlendosisreduktion der Thorax-CT und ihre Effekte auf die Erkennung von typischen Lungenbefunden und auf die korrekte Einteilung klassifizierter Schweregrade des Lungenbefalls bei COVID-19 Patienten.

In der aktuellen Pandemie hat die Computertomographie (CT) bei der Triagierung, Früherkennung, Verlaufsbeurteilung sowie Prädiktion von schweren Verläufen eine zentrale Rolle eingenommen. Aufgrund der im Krankheitsverlauf häufig mehrfach durchgeführten CT-Untersuchungen entsteht für die betroffenen Patienten dabei eine signifikante Strahlenbelastung. Somit ist die Strahlendosisreduktion dieser CT-Untersuchungen ein wichtiges Ziel, dies führt jedoch durch Erhöhung des Bildrauschens zu möglichen Einschränkungen der diagnostischen Aussagekraft. In diesem Projekt werden die Effekte der Dosisreduktion in der Thorax-CT bei COVID-19 evaluiert, um ein adäquates Protokoll mit optimierter, reduzierter Dosis zu entwickeln.

Hintergrund, besondere Qualifikation und Vorarbeiten für dieses Vorhaben:

Da Lungenveränderungen bei COVID-19 sehr subtil, z.B. in Form diskreter milchglasartiger Verdichtungen, sein können, besteht bei unangemessener Reduktion der Strahlendosis das Risiko von falsch-negativen Befunden. Deshalb sollten die Effekte der Strahlendosisreduktion auf die diagnostische Genauigkeit der Thorax-CT bei COVID-19 im Detail evaluiert werden, bevor sogenannte Ultra-Low-Dose CT (ULD-CT) Protokolle in der klinischen Routine eingesetzt werden können. In dieses Projekt sollen dafür alle Patienten eingeschlossen werden, die eine Thorax-CT bei Verdacht auf COVID-19 oder im weiteren Krankheitsverlauf erhalten haben. Aus den vorhandenen Thorax-CT Daten werden mittels validierter Algorithmen Datensätze mit geringerer Strahlendosis simuliert und rekonstruiert, ohne die Patienten tatsächlich wiederholt zu untersuchen. So können die unterschiedlichen Dosisstufen inter- und intraindividuell evaluiert werden.

Das vorliegende Kooperationsprojekt wird federführend von der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Tübingen (PD Dr. Ahmed Othman, Dr. Saif Afat, Prof. Dr. Konstantin Nikolaou) in Kooperation mit den weiteren radiologischen Universitätskliniken in Baden-Württemberg koordiniert. An diesen Standorten existieren eine große Expertise im Bereich der Thoraxradiologie sowie etablierte Arbeitsgruppen zum Thema Strahlendosisreduktion in der CT, auf Basis derer mehrere prospektive und z.T. multizentrische Projekte bearbeitet wurden und werden.

Fragestellungen und Endpunkte:

Mit der Unterstützung von insgesamt 5 teilnehmenden universitären Zentren in Baden-Württemberg sollen folgende Fragestellungen untersucht werden:

  • Untersuchung der Effekte der Strahlendosisreduktion auf die Bildqualität und diagnostische Genauigkeit der Thorax-CT bei COVID-19 in Bezug auf die Bewertung COVID-typischer Befunde und des Schweregrades des Lungenbefalls.
  • Entwicklung eines optimalen Ultra-Low-Dose (ULD-) CT Protokolls mit hoher diagnostischer Genauigkeit bei geringstmöglicher Strahlendosis

Hierbei werden folgende Endpunkte definiert:

  • Bewertung der diagnostischen Genauigkeit der dosisreduzierten Thorax-CT zur Detektion von COVID-19 mit Virusnachweis auf Basis einer PCR als Referenzstandard
  • Grad der Übereinstimmung zwischen originaler und dosisreduzierter CTs hinsichtlich des Lungenbefalls und Bewertung des Schweregrades bei COVID-1

Kontakt:

Universitätsklinikum Tübingen
Radiologische Universitätsklinik, Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Prof. Dr. med. Konstantin Nikolaou
 Tel. 07071 29-82087
konstantin.nikolaouspam prevention@med.uni-tuebingen.de 

Die Rolle der Thrombozyten-Apoptose in der Blutgerinnungsaktivierung bei COVID-19

Die Sterblichkeitsrate (Letalität) unter beatmeten COVID-19 Patienten ist gegenüber nicht beatmeten Patienten deutlich erhöht. Die Mediziner beobachten häufig eine unkontrollierte Aktivierung der Blutgerinnung (Koagulopathie) bei schweren COVID-19 Erkrankungen, die mit einer hohen Letalität einhergeht. Ein Tübinger Forschungsteam unter Leitung von Professor Dr. Tamam Bakchoul aus der Tübinger Gerinnung- und Transfusionsmedizin hat in einer Studie bei COVID-19 Patienten eine starke Assoziation zwischen der Thrombozyten-Apoptose, also dem Absterben von Thrombozyten, und thromboembolischen Ereignissen (z.B. Lungenembolien, Pfortaderthrombosen, Niereninfarkte) sowie der Gerinnungsaktivierung beobachtet. In dem jetzt vom Land Baden-Württemberg bewilligten Projekt sollen molekulare Mechanismen und genetische Einflussfaktoren dieser COVID-19 induzierten Thrombozyten-Apoptose untersucht werden. Ziel ist die Entwicklung therapeutischer Ansätze und ihre präklinische Erprobung.

Kontakt:

Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Transfusionsmedizin
Prof. Dr. Tamam Bakchoul
Ärztlicher Direktor
 Tel. 07071 29-81602
tamam.bakchoulspam prevention@med.uni-tuebingen.de 

Lessons Learned - Entwicklung einer Strategie zur ambulanten Versorgung in Pandemiesituationen in Baden-Württemberg

Um eine Überlastung der notfall- und intensivmedizinischen Versorgung während einer Pandemiesituation zu vermeiden, ist die Sicherstellung der ambulanten Versorgung essenziell. In Baden-Württemberg entstanden zu Beginn der Covid-19-Pandemie innerhalb kürzester Zeit 51 Corona-Ambulanzen (CA), 206 Coronaschwerpunktpraxen (CSP) und 16 Abstrichstellen (AS). In diesen Behelfseinrichtungen und den bestehenden hausärztlichen Praxen konnten ca. 85% der Covid-19 Patienten*innen rein ambulant versorgen.

Ziel dieses Verbundprojektes ist es, die in diesen Strukturen gesammelten Erfahrungen und Daten zusammenzutragen und zu analysieren, um Empfehlungen für zukünftige Pandemie-/Krisensituationen abzuleiten. Darüber hinaus sollen durch Nachbefragung von an Covid-19 Erkrankten Erkenntnisse zu Ausprägung und Häufigkeit des Post-COVID-Syndroms gewonnen werden.

Antragstellerin für das Verbundprojekt der universitären Einrichtungen für Allgemeinmedizin in Baden-Württemberg ist Prof. Dr. Stefanie Joos vom Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung am Universitätsklinikum Tübingen, außerdem Kooperationspartner an den Unikliniken Freiburg, Heidelberg und Ulm. Weitere mögliche Kooperationspartner sind die KV Baden-Württemberg (angefragt) sowie die Gesundheitsämter der Landkreise (werden bei spezifischem Bedarf angefragt).

Konkrete Fragestellung - besondere Qualifikation und Vorarbeiten für dieses Vorhaben 

Die ambulanten Versorgungsstrukturen und insbesondere die CA/CSP/AS werden im Hinblick auf die folgenden fünf Kernfragestellungen systematisch untersucht: 

1. Mapping der strukturellen Merkmale der CA/CSP/AS (Allgemeinmedizin Ulm) 

Welche Strukturen wurden wie und von wem etabliert? Wie haben diese kommuniziert? (Zugangswege, Patient*innenpfade, Abrechnung, Verteilung der Aufgaben etc.) 

2. Dokumentation und Informationswege in CA/CSP/AS (Allgemeinmedizin Freiburg) 

Welche Formate wurden zur Dokumentation benutzt? (elektronisch/papierbasiert, Systematiken, Standardisierungsgrad etc.) Wie wurde Informationen ausgetauscht z.B. intersektoral? 

3. Versorgungsperspektive der CA/CSP/AS (Allgemeinmedizin Heidelberg) 

Welche Erfahrungen, hat das medizinische Personal in den CA/CSP/AS gemacht? (Inanspruchnahme, Akzeptanz, Zuweisung, Ausstattung, Zusammenarbeit mit Hausarztpraxen/Gesundheitsämtern/Kliniken, Quarantäne-Regelungen etc.) 

4. Patient*innencharakteristika in den CA/CSP/AS (Allgemeinmedizin Tübingen) 

Welche Patient*innen wurden in den CA/CSP versorgt? (Anteil SARS-CoV-2 positiver Patient*innen klinische Charakterisierung, potentielle Prädiktoren für Klinikeinweisung und Auftreten eines Post-COVID-Syndroms) 

5. Perspektive der nicht an den CA/CSP beteiligten hausärztlichen Teams (alle Standorte, Koordination Allgemeinmedizin Tübingen) 

Welche Erfahrungen wurden in der Zusammenarbeit mit den CA/CSP/AS gemacht? Wie wird die Versorgungssituation der Nicht-Covid-19 Patient*innen eingeschätzt? 

Die Ergebnisse der 5 Teilprojekte werden mit dem Ziel aufbereitet, konkrete Handlungsempfehlungen im Hinblick auf ambulante Versorgungsstrukturen und deren Schnittstellen in zukünftigen pandemischen Krisensituationen geben zu können. 

Kontakt:

Prof. Dr. med. Stefanie Joos
stefanie.joosspam prevention@med.uni-tuebingen.de 

Entwicklung und Testung eines Impfstoffes gegen COVID-19

Ein internationales Konsortium unter Beteiligung des Instituts für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen hat von der Europäischen Union einen EU Horizon 2020 Grant zur Entwicklung und Testung eines Impfstoffes gegen COVID-19 in klinischen Studien erhalten. Zu diesem Konsortium gehören außerdem die Abteilung für Immunologie und Mikrobiologie der Universität Kopenhagen (Dänemark), die beiden Unternehmen AdaptVac und ExpreS2ion Biotechnologies (beide Dänemark), die Abteilung für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinkums Leiden (Niederlande) sowie das Labor für Virologie der Universität Wageningen (Niederlande). Die Projektpartner sind in ihren jeweiligen Forschungsfeldern weltweit führend und decken dabei alle relevanten Teilbereiche der Virusforschung und der Impfstoffentwicklung ab, die zur schnellen klinischen Entwicklung eines Impfstoffes gegen COVID-19 notwendig sind.

Pressemitteilung des Universitätklinikums Tübingen

Interview mit Prof. Dr. Peter Kremsner (Uni Tübingen aktuell 2/2020)

Klinische Studien zur Testung des Wirkstoffs Hydroxychloroquin gegen COVID-19

Am 27. März 2020 hat das Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen im Verbund mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart die klinische Studie "Randomized controlled trial of hydroxychloroquine versus placebo for the treatment of adult patients with acute coronavirus disease 2019 – COVID-19" gestartet. Ziel der Studie ist die klinische Testung des Wirkstoffs Hydroxychloroquin gegen das Virus SARS-CoV-2. Hydroxychloroquin wird bereits seit vielen Jahrzenten zur Therapie und Prophylaxe von Autoimmun- und Infektionserkrankungen eingesetzt, ein Wirksamkeitsnachweis bei COVID-19 steht bisher aus. Die neue Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt und ist ein Modell der in diesen Zeiten so wichtigen internationalen Zusammenarbeit. So stellte das Vietnamesisch-Deutsche Zentrum für Medizinische Forschung in Hanoi spontan 6.000 Abstrichröhrchen zur Verfügung, da diese in Deutschland nicht zu beschaffen waren.

Mehr Informationen zu der klinischen Studie

Mit der Studie “Hydroxychloroquine for the treatment of mild coronavirus disease 2019 – COVID-19 (COMIHY)” wird dasselbe Konsortium die klinische Testung des Wirkstoffs Hydroxychloroquin gegen das Virus SARS-CoV-2 auf 2700 leicht Erkrankte – die nicht stationär behandelt werden müssen – ausweiten. Weitere Prüfzentren sollen deutschlandweit hinzukommen. Diese Studie wird in enger Absprache mit dem Bundesgesundheitsminister durchgeführt und vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) unterstützt.

Klinische Erprobung des von der Firma CureVac entwickelten Impfstoffkandidaten gegen Coronavirus SARS-CoV-2

Mit Unterstützung der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) arbeitet die Tübinger Firma CureVac AG an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2. Das Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen übernimmt dabei die erste klinische Erprobung des im Rahmen dieses Forschungsprojekts entwickelten Impfstoffkandidaten. 

Das biopharmazeutische Unternehmen CureVac ist eine Ausgründung der Universität Tübingen und zugleich Pionier in der präklinischen und klinischen Entwicklung mRNA-basierter Medikamente und Impfstoffe. CEPI ist eine öffentlich-private Partnerschaft zur Beschleunigung der Impfstoffentwicklung gegen aufkommende Infektionskrankheiten und wird vom Bundesforschungsministerium mitgetragen.

Die Vereinbarung baut auf der bereits bestehenden Partnerschaft zwischen CureVac und CEPI zur Entwicklung einer schnell einsetzbaren Impfstoff-Plattform auf. Sie beinhaltet eine Finanzierung durch CEPI von bis zu 8,3 Millionen US-Dollar für eine beschleunigte Impfstoffentwicklung und -herstellung sowie für klinische Studien.

Pressemitteilung des Bundesforschungsminsteriums BMBF

Potentielles Wirkstoffziel zur Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2 entdeckt

Die Tübinger Bioinformatiker Juniorprofessor Dr. Andreas Dräger, Alina Renz und Lina Widerspick vom Lehrstuhl für Rechnerbasierte Systembiologie der Infektionen konnten ein mögliches Wirkstoffziel zur Bekämpfung der Infektionskrankheit COVID-19 finden. In sogenannten Flussbilanzanalysen (FBA) stoppte das Ausschalten eines menschlichen Enzyms die Vermehrung des Virus, ohne das Zellwachstum zu beeinträchtigen. Für ihren Ansatz haben sie ein integriertes Computermodell mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 und menschlichen Alveolarmakrophagen verwendet. Bei dem dabei identifizierten Wirkstoffziel handelt sich um das Enzym Guanylatkinase (GK1). GK1-Inhibitoren sind bereits in der Literatur beschrieben; ihre potenzielle therapeutische Wirkung für COVID-19-Infektionen soll jetzt experimentell überprüft werden. 

Artikel COVID-19 Disease Map, building a computational repository of SARS-CoV-2 virus-host interaction mechanisms (Sci Data)

Interview mit Juniorprof. Dr. Andreas Dräger (Uni Tübingen aktuell 2/2020)

Entwicklung eines Virusvektor-basierten Impfstoffs

Die Tübinger Immunologen Ralf Amann, Ferdinand Salomon und Melanie Müller vom Interfakultären Institut für Zellbiologie (IFIZ) der Universität Tübingen arbeiten mit einer innovativen Plattformtechnologie an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Dabei setzen sie in einen für den Menschen unschädlichen Virusvektor Antigene des Coronavirus ein. Bei einer Injektion dieses Virusvektors wird beim Menschen keine Erkrankung, dafür aber eine Immunreaktion ausgelöst, die bei einer späteren Infektion vor einer schweren Erkrankung schützen soll. Es besteht die Möglichkeit, dass verschiedene Antigene in den Virusvektor eingebracht werden. Daher könnte ein solcher Impfstoff auch Schutz gegen Mutationen von SARS-CoV-2 sowie gegen andere Coronaviren bieten. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt zusätzlich zu einer bestehenden Förderung mit 1,3 Millionen Euro, die Carl-Zeiss-Stiftung stellt weitere 150.000 Euro zur Verfügung. Im Oktober 2019 haben die drei Wissenschaftler die Firma Prime Vector Technologies GmbH gegründet.

Covid-19-Studie zur Virusverbreitung bei Kindern

Welche Rolle spielen Kinder bei der Ausbreitung des Coronavirus? Die Tübinger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin will im Rahmen einer neuen Studie, zusammen mit drei weiteren baden-württembergischen Universitätsklinika unter Federführung von Heidelberg, Antworten auf diese Frage finden. Die Initiative zur Studie ging von Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus, die Kosten der Studie belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro, die das Land Baden-Württemberg übernehmen wird.

Mit einer gemeinsam konzipierten Screening-Studie untersuchen das Universitätsklinikum Tübingen und die drei Uniklinika in Freiburg, Heidelberg und Ulm, wie viele Kinder und deren Eltern gegenwärtig mit SARS-CoV2 infiziert sind und wieviele bereits Kontakt zum Coronavirus hatten und daraufhin Antikörper als Abwehrstoffe gebildet haben. Insgesamt werden 2.000 Haushalte, also 2.000 Kinder und 2.000 Elternteile, für diese Studie befragt und untersucht.

Eingeschlossen werden gesunde Kinder im Alter von 1-10 Jahren und dazu jeweils ein Elternteil. Ausgeschlossen sind Kinder und Elternteile, bei denen in der Vergangenheit das SARS-CoV2 im Nasen-Rachenabstrich nachgewiesen worden war. (Familien mit sogenannten Indexpatienten (mit SARS-CoV2) sollen in einem Nachfolgeprojekt separat gezielt angesprochen werden.)

„Der Verlauf einer Coronavirus-Infektion unterscheidet sich möglicherweise zwischen Kindern und Erwachsenen. Welche Rolle Kinder bei der Ausbreitung des Coronavirus spielen, wäre in den aktuellen Debatten um die Wiedereröffnung von Kindertagesstätten und Schulen sehr relevant. Eventuell lassen sich aus dieser Studie Empfehlungen abgeleiten, die dem Schutz von Kindern und Erwachsenen dienen“, so Professor Axel Franz, Leiter des Zentrums für pädiatrische klinische Studien der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Die Forscher erwarten unter anderem Hinweise darauf, ob es je nach Alter der Kinder Unterschiede in der Infektionsrate gibt, inwieweit sich Kinder und ihre Eltern gegenseitig mit dem Virus anstecken und inwieweit Wohnsituation und Beruf der Eltern hierbei eine Rolle spielen. Besonders wichtig ist ein möglicher Unterschied bei Kindern, welche in Notbetreuungen weiterhin mit anderen Kindern Kontakt haben im Vergleich zu Kindern, welche ausschließlich in der Kernfamilie leben. Idee, Durchführung und Auswertung der Studie erfolgt gemeinsam an den vier Standorten, aufgrund der aktuellen Lage sollen so möglichst rasch erste Ergebnisse vorgelegt werden.

Link zur Studie: 

https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/corona-kinderstudie

Kontakt:

Professor Dr. Axel Franz
Zentrum für pädiatrische klinische Studien (CPCS) der Universitätsklinik Tübingen für Kinder- und Jugendmedizin
E-Mail: cpcsspam prevention@med.uni-tuebingen.de

Deutsche COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI): Genomforscherinnen und -forscher schließen sich zusammen

Wie verändert das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) seine Erbinformation? Welche weiteren Infektionen bei Patienten mit COVID-19 treten auf? Gibt es genetische Risikofaktoren, die eine Infektion begünstigen? Zahlreiche Genomforscherinnen und -forscher sind intensiv damit beschäftigt, ihre Expertise und Sequenzier-Infrastruktur zu bündeln, um einen wissenschaftlichen Beitrag zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie zu leisten. Diese Aktivitäten werden nun offiziell in der Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) zusammengeführt, um die Forschung zu beschleunigen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an mehr als 22 Institutionen sind aktiv an DeCOI beteiligt – und es werden mehr.

Die zentrale Koordination von DeCOI liegt zurzeit bei Professor Joachim Schultze von der Universität Bonn. Von der Universität Tübingen beteiligen sich Professor Oliver Kohlbacher vom Interfakultären Institut für Biomedizinische Informatik und Dr. Sven Nahnsen vom Quantitative Biology Center. Am Universitätsklinikum Tübingen sind Professor Olaf Rieß und Professor Stephan Ossowski, beide vom Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik, sowie Professorin Julia Frick vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Mitglieder der Initiative.

An vielen Stellen in der Welt wird inzwischen das Genom von SARS-CoV-2 sequenziert, um damit Veränderungen der Erbinformation des Virus zu charakterisieren. Je mehr solche Virusgenome sequenziert werden, desto besser können Wissenschaftler die Variation des Virus verstehen. Mit der Analyse der Verwandtschaftsstruktur einzelner Viren lassen sich Rückschlüsse auf deren Herkunft und auf unterschiedliche Formen des Virus in der Bevölkerung ziehen. 

Die Genomforschung produziert in all ihren Bereichen immense Datenmengen, die zur Auswertung der Forschungsergebnisse computergestützt analysiert werden. „Nur wenn wir klinische Daten und Genomdaten sinnvoll miteinander verknüpfen, werden wir möglichst viel zum Verständnis von COVID-19 beitragen können“, sagt Oliver Kohlbacher. Durch den Zusammenschluss zur DeCOI wollen die Forscherinnen und Forscher parallel viele Fragen gemeinsam und schneller beantworten können. DeCOI soll mit weiteren Initiativen eng vernetzt werden, um weltweit fundiertes Wissen zur Bewältigung der Krise beizutragen.

COVID-19: Experteneinschätzungen zur derzeitigen Gefahrenlage und zu den getroffenen Maßnahmen

Wie schätzen Expertinnen und Experten auf den Gebieten der Virologie, Mikrobiologie, Hygiene, Tropenmedizin, Immunologie sowie der Inneren Medizin/Intensivmedizin die derzeitige Gefahrenlage und die getroffenen Maßnahmen bezüglich der aktuellen Covid-19-Pandemie ein? Wie sicher oder belastbar gilt der aktuelle Wissensstand? Das versuchen Wissenschaftler der Universitätsklinika Tübingen und Hamburg-Eppendorf mit einer Befragung herauszufinden. 

Die befragten Mediziner und Wissenschaftler befürworten die Aufrechterhaltung der Abstandsregeln und das Verbot von Großveranstaltungen – das geht aus den Zwischenergebnissen der Experten-Umfrage hervor. Bei der Befragung wurden die Rückmeldungen von 178 Probandinnen und Probanden ausgewertet und zudem mit den Ergebnissen einer Erstbefragung mit 197 Personen gegenübergestellt. Über eine anonyme online-Befragung haben Experten aus den Fachgebieten der Virologie, Mikrobiologie, Hygiene, Tropenmedizin, Immunologie, Inneren Medizin und Intensivmedizin mit abgeschlossener Berufsausbildung teilgenommen. Die Resultate sind als Meinungsbild zum aktuellen Zeitpunkt in Deutschland zu bewerten. 

Die Umfrage des Teams unter Leitung von Professor Michael Schindler (Virologie, Tübingen) und Professor Steffen Moritz (Psychiatrie, Hamburg) erfolgte mit Unterstützung der Gesellschaft für Virologie (GfV), der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). 

Erste Ergebnisse einer Zwischenauswertung

Die aktuelle Umfrage zeigt, dass mehr als 70 Prozent der Befragten die Abstandsregel von 2 Metern sowie das Verbot von Großveranstaltungen als potentielle Maßnahme zur Kontrolle und Eindämmung von SARS-CoV-2 befürworten und sogar favorisieren. Kitas- und Schulschließungen sieht dagegen nur ein relativ kleiner Teil als wichtige Maßnahme an (weniger als 5 Prozent). Die Ergebnisse bezüglich der Sinnhaftigkeit von Mund-Nasen-Bedeckung sind dagegen sehr ambivalent.

Die Zustimmung zu den von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen ist gesunken und wird zum aktuellen Zeitpunkt nur noch zu 50,1 Prozent befürwortet – bei einer Erstbefragung im März waren dies noch 80,7 Prozent.

Die Rolle der Medien wird zunehmend kritisch eingestuft und nur noch von 59 Prozent als sachlich empfunden (Erstbefragung 79,7 Prozent). Wenig oder gar nicht verändert hat sich die Einschätzung der Expertinnen und Experten zu Verlauf und Schwere der Erkrankung. Im Durchschnitt gehen sie von einer Ansteckung von bis zu 50 Prozent der Bevölkerung mit dem Coronavirus aus. Die Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung wird bei etwa 5 Prozent gesehen mit einer Sterblichkeit von 1 Prozent. 

Kontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten
Sektion Molekulare Virologie
Prof. Dr. Michael Schindler
michael.schindlerspam prevention@med.uni.tuebingen.de

Weitere Forschungsprojekte

Neu (05.01.21): Gesichtsmasken erschweren es, sich gehörte Sätze zu merken

Gesichtsmasken sind während der COVID-19 Pandemie Teil unseres alltäglichen Lebens geworden. Thanh Lan Truong, Dr. Sara Beck und Prof. Dr. Andrea Weber vom Englischen Seminar der Universität Tübingen haben jetzt untersucht, wie sich das Tragen von Masken auswirkt auf die Enkodierung von sprachlicher Information.

In der Studie wurde untersucht wieviel sich Hörerinnen und Hörer merken können von Sätzen, die in kurzen Videos von einer Sprecherin mit und ohne Gesichtsmaske gesprochen wurden. Lippen- und Kieferbewegungen enthalten linguistische Informationen. Verschlossene Lippen signalisieren zum Beispiel eine bilabiale Artikulationsstelle, wie in den Lauten /p/ oder /m/. Gleichzeitig korreliert die Offenheit des Kiefers mit der Vokalhöhe: weit geöffneter Kiefer für den Vokal /a/ und mehr geschlossener Kiefer für /i/. Diese visuelle Sprachinformation ist komplementär zum gehörten Sprachsignal und wird während der Sprachverarbeitung automatisch integriert. Gesichtsmasken verdecken nun visuelle Sprachinformationen und können so das Zuhören erschweren.

Untersucht wurde ob – unter diesen erschwerten Hörbedingungen – übergeordnete kognitive Prozesse negativ beeinflusst werden, beispielsweise die Enkodierung von Gehörtem im Gedächtnis. Dazu schauten sich die an der Studie Teilnehmenden Videoaufnahmen einer erwachsenen Sprecherin an, die kurze Sätze wie „Die Köchin hilft montags den armen Kindern“ mit und ohne Maske gesprochen hat. Nach einem Block von Sätzen wurden allen die geschriebenen Satzanfänge noch einmal gezeigt und sie mussten die Sätze vervollständigen. Dabei kam heraus, dass die Teilnehmenden signifikant weniger Wörter in den Sätzen vervollständigen konnten, wenn die Sprecherin eine Maske getragen hatte. Die Ergebnisse werden als Beleg dafür interpretiert, dass Masken die Verarbeitung von Sprache erschweren und somit weniger kognitive Ressourcen verfügbar bleiben, um Gehörtes im Gedächtnis abzuspeichern.

„Es gibt eine direkte Relevanz der Ergebnisse für viele alltägliche Kommunikationssituationen, von der Schule bis zum Arztbesuch“, erklärt eine der Autorinnen der Studie, Prof. Dr. Andrea Weber. „Interessant war für uns auch, dass die Ergebnisse nicht per se zurückzuführen sind auf schlechtere Verständlichkeit des auditiven Sprachsignals mit Maske, sondern wirklich auf das Fehlen der visuellen Informationen durch die Maske. Unsere Sprecherin hatte durchwegs deutlich gesprochen und die Aufnahmen wurden in einem schallgedämpften Raum gemacht. In weiteren Tests haben wir gefunden, dass unter diesen Bedingungen, das akustische Sprachsignal durch die Maske kaum beeinflusst wurde und Hörerinnen und Hörer keinerlei Schwierigkeiten hatten die Sätze zu verstehen. Es ist also möglich, dass bei erschwerter Verständlichkeit, zum Beispiel durch Hintergrundgeräusche, festeres Maskenmaterial oder große Abstände zwischen Sprechern, die negativen Auswirkungen von Masken auf das Behalten von Informationen noch stärker sind.“

Publikation

Die Studie "Truong, T. L., Beck, S. D., & Weber, A.: The impact of face masks on the recall of spoken sentences." wurde vom Fachmagazin Journal of the Acoustical Society of America akzeptiert und die Ergebnisse werden dort publiziert. Die Studie wurde als Teilprojekt des SFB 833 Bedeutungskonstitution von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert..

Weitere Studien in Arbeit

Seit der Einreichung der Ergebnisse beim Journal of the Acoustical Society of America, haben die drei Tübinger Forscherinnen weitere Daten erhoben. So wurde der ursprüngliche Effekt von Masken auf das Gedächtnis mit einer größeren Versuchspersonengruppe repliziert und inzwischen auch bestätigt mit einer anderen Sprecherin, in diesem Fall ein neunjähriges Kind. Weitere Untersuchungen werden aktuell durchgeführt mit einem Fokus auf die Verständlichkeit von Sprechern mit Maske in lärmbelasteten Umgebungen.

Kontakt:

Thanh Lan Truong, M.A.
Englisches Seminar
Eberhard Karls Universität Tübingen
 07071/29-74285
thanh-lan.truongspam prevention@uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Andrea Weber
Englisches Seminar
Eberhard Karls Universität Tübingen
 07071/29-78464
andrea.weberspam prevention@uni-tuebingen.de

Wandel beruflicher Anerkennung im Kontext der Corona-Pandemie

Kaum eine Bezeichnung prägte den Diskurs um Öffnungen und auch den (Arbeits-) Alltag in der Corona-Krise so entscheidend wie die Dimension der „Systemrelevanz” von Berufen. Welche Tätigkeiten sind für die Gesellschaft unverzichtbar, wer wird vom Balkon demonstrativ beklatscht und wessen Kinder dürfen in die KiTa - und wie sieht es aus mit der Entlohnung? 

Diese öffentlichen Diskussionen sind Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt „Wandel beruflicher Anerkennung im Kontext der Corona-Pandemie“ unter Leitung von Professor Dr. Martin Groß und Dr. Volker Lang am Institut für Soziologie der Universität Tübingen. Zwei Fragen stehen dabei im Vordergrund:

  • Wie hat sich die berufliche Anerkennung durch die Corona-Pandemie verändert?
  • Wie verhalten sich die Menschen in Deutschland gegenüber Corona-Maßnahmen?

Vorgehensweise

Zunächst ist es Ziel des Projekts, die Wahrnehmung der eigenen beruflichen Anerkennung zu ermitteln und mögliche Veränderungen dieser wahrgenommenen Anerkennung vor dem Hintergrund der Corona-Krise zu beleuchten. Fühlen sich Personen, die in diesen sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, stärker anerkannt als vor der Krise oder nehmen sie im Gegenteil eher eine geringere Anerkennung als zuvor wahr?

In einem zweiten Schritt rückt die Frage in den Fokus, ob sich die wahrgenommene Anerkennung der eigenen beruflichen Tätigkeit auf die Zustimmung zu Maßnahmen der Krisenbewältigung auswirkt. In erster Linie liegt das Forschungsinteresse darin, die Akzeptanz von direkten Infektionsschutzmaßnahmen (am Arbeitsplatz) zu untersuchen. Doch auch generelle politische Maßnahmen der ökonomischen Umverteilung, der Förderung wirtschaftlicher Tätigkeit oder der Einschränkung grundrechtlich verankerter Freiheiten werden bei der Fragestellung berücksichtigt.

Um die beiden Forschungsfragen empirisch zu adressieren werden zwei standardisierte Online-Studien durchgeführt. In den beiden Erhebungen werden dazu circa 3000 Personen im Rahmen einer geografisch sowie nach Geschlecht und Alter quotierten Stichprobe aus der Erwerbsbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland befragt. Wesentliche Informationen, die durch die Befragungen gesammelt werden, sind die Wahrnehmung der beruflichen Anerkennung, ein möglicher Wandel in dieser Wahrnehmung während der Pandemie und die Zustimmung zu Compliance-Maßnahmen in Reaktion auf die Corona-Krise sowie soziodemografische Personenmerkmale.

Webseite Forschungsprojekt: https://uni-tuebingen.de/de/197507

Projektleitung

Universität Tübingen
Institut für Soziologie
Prof. Dr. Martin Groß
Dr. Volker Lang

Kontakt

Axel Babst
axel.babstspam prevention@uni-tuebingen.de 

Schutzfaktoren und psychische Gesundheit während der Covid-19-Pandemie

Für einen Großteil der Bevölkerung stellt die aktuelle Covid-19-Pandemie eine sehr große Herausforderung und Belastung dar. Empirisch belegt sind vielfältige negative Konsequenzen von Maßnahmen wie Quarantäne oder sozialer Distanzierung auf die psychische Gesundheit, wie Depressionen, Angst- oder Schlafstörungen. Gleichzeitig zeigen Studien präventive Effekte sportlicher Aktivität und sozialer Unterstützung im Hinblick auf psychische Erkrankungen. 

In diesem Kontext untersuchen Sebastian Wolf (Psychologisches Institut & Institut für Sportwissenschaft) und Professor Gorden Sudeck (Institut für Sportwissenschaft) im Rahmen einer Langzeitstudie die protektiven Effekte regelmäßiger sportlicher Aktivität und sozialer Unterstützung auf diverse Parameter wie Ängste, Depression und Schlafstörungen als Konsequenz der Covid-19-Pandemie. Auch der Einfluss der Veränderungen dieser Faktoren wird an drei Messzeitpunkten untersucht. Ein weiteres Ziel ist es eine empirische Basis zu schaffen, um zeitnah Online-Module zur Bewegungsförderung und sozialen Unterstützung entwickeln zu können. 

Die Studie wird anhand von Online-Fragebögen durchgeführt. Erhebungszeitpunkte sind: April, Mai/Juni sowie nach Ende der Pandemie.

Der Einfluss der Corona-Krise auf die Einkommenserwartungen und die Konjunktur in den USA

Der Tübinger Wirtschaftswissenschaftler Professor Gernot Müller befragt in einem internationalen Forschungsprojekt seit dem 10. März 2020 täglich 200 Haushalte in den USA zu ihren Erwartungen und Befürchtungen angesichts der Corona-Krise. Beteiligt an dem Projekt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Tübingen, Bonn und Brandeis (USA). Die Haushalte werden befragt, welche Folgen der Corona-Pandemie sie für das Bruttoinlandsprodukt in den USA sowie ihr persönliches Einkommen erwarten. Zudem werden die Inflationserwartungen abgefragt. Gleichzeitig wird verfolgt, ob die Pandemie das Verhalten beeinflusst, beispielsweise, ob mehr gespart wird. Im Rahmen einer Modellanalyse wird dann quantifiziert, welche Auswirkungen die abgefragten Erwartungen auf die Konjunkturentwicklung in den USA haben.

Mehr Informationen zum Forschungsprojekt
 

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Leistungssport

Wie wirkt sich die aktuelle Corona-Pandemie auf den Leistungssport aus? Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Abteilung Sportmedizin am Tübinger Universitätsklinikum Tübingen (UKT) unter Leitung von Professor Dr. Christof Burgstahler nach und haben dazu einen Online-Fragebogen entwickelt, der über die vier großen deutschen Sportverbände und den Landessportverband Baden-Württemberg veröffentlicht wurde. 

Seit 21. April können Leistungssportlerinnen und -sportler den Online-Fragebogen anonym ausfüllen. Allein in den ersten acht Tagen haben dies schon über 1200 Sportler (davon 600 Sportlerinnen) getan. Darunter befanden sich 278 Profisportler, 471 Bundeskaderathleten und 564 Landeskaderathleten. 406 Mitglieder einer Nationalmannschaft sind ebenfalls im Kollektiv vertreten.

Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass im Leistungssport Infektionen nicht vermehrt auftreten. Fast 97 Prozent aller Teilnehmenden gaben in den ersten Auswertungen an, dass die Krise sie in der Ausübung ihrer Sportart zumindest mäßig beeinträchtigt. Ebenfalls groß ist der Anteil der Leistungssporttreibenden, die sich um ihre Gesundheit (33 Prozent) oder sportliche Zukunft (53 Prozent) Sorgen machen. Nur 14 Prozent geben an, sich um ihre finanzielle Situation zu sorgen.

Anfang Mai ist die Befragung auch in Österreich gestartet. Ob sich dort ähnliche Ergebnisse zeigen, werden die Wissenschaftler der Tübinger Sportmedizin in den nächsten Wochen sehen.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf Menschen mit psychischen Erkrankungen aus?

Wie gehen Menschen mit Angststörungen oder Depressionen mit einem Alltag in der Corona-Pandemie um? Wie erleben Betroffene mit Ess- und Zwangsstörungen, akustischen und optischen Halluzinationen oder Panikattacken die Pandemie? Und wie ergeht es psychisch erkrankten Menschen generell im Vergleich zur gesunden Bevölkerung? Diese und weitere Fragen untersucht die Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Tübingen unter Leitung von Professorin Dr. Jennifer Svaldi in Kooperation mit den Universitäten Münster und Osnabrück in einer Online-Studie. Daran haben mehr als 2000 Freiwillige mit und ohne Erkrankungen teilgenommen.

Kontakt:

Prof. Dr. Jennifer Svaldi
Fachbereich Psychologie
Klinische Psychologie und Psychotherapie
E-Mail: jennifer.svaldispam prevention@uni-tuebingen.de

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen

Weltweit haben Staaten einschneidende Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ergriffen. Dazu gehören unter anderem auch die zeitweise Schließung von Schulen, Kindertagesstätten, Sportstätten, Spielplätzen und sozialen Einrichtungen sowie die Umstellung auf digitale Formen des Lernens im Rahmen von Homeschooling. 

In Kooperation zwischen Prof. Dr. Sascha Neumann vom Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) der Universität Tübingen und der Universität Luxemburg startete am 07. Mai 2020 eine internationale Studie, welche die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Abhängigkeit von der jeweiligen sozioökonomischen Lage ihrer Familien untersucht. Ziel der Studie ist es, Wissen über die kurz- und mittelfristigen Folgen zu gewinnen, die sich aus den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie für Kinder und Jugendliche ergeben und bei entsprechenden politischen Entscheidungen in der Zukunft zu berücksichtigen sind. Daneben wird von den Ergebnissen erwartet, dass sie auch für Fachkräfte in Erziehungs- und Bildungsinstitutionen sowie für Eltern eine wichtige Informationsgrundlage bilden können, um auf die sozialen Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche angemessen reagieren zu können.

Die Studie mit dem Titel „COVID KIDS - Understanding the influence of COVID-19 on children’s and adolescents’ school experience and subjective well-being” stützt sich auf einen Online-Survey in fünf verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Luxemburgisch, Portugiesisch), der in mehreren Ländern eingesetzt wird. Dabei werden Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 16 Jahren direkt befragt. 

Alle interessierten Kinder und Jugendliche sind eingeladen an der anonymen Befragung teilzunehmen!

Link zur Befragung:

https://covid-kids-survey.uni.lu

Kontakt:

Prof. Dr. Sascha Neumann
Institut für Erziehungswissenschaft
Abteilung Sozialpädagogik
E-Mail: Sascha.neumannspam prevention@uni-tuebingen.de