Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

Sustainable Development Goals

Wer sich mit Nachhaltiger Entwicklung beschäftigt, fragt sich automatisch: Wohin geht die Reise? Eine mögliche Antwort findet sich in den Nachhaltigkeitsentwicklungszielen (Sustainable Development Goals oder kurz SDGs) der Vereinten Nationen. Jedes Mitgliedsland bekennt sich zu diesen Zielen. Die Verantwortung, einen Weg in Richtung der Ziele einzuschlagen, kann jedoch nicht nur auf politischer Ebene gesehen werden, sondern muss gesamtgesellschaftlich erfolgen. Somit nehmen auch öffentliche Einrichtungen wie Universitäten Schlüsselrollen ein. Aus diesem Grund bekennt sich auch die Universität Tübingen in ihrem Leitbild zur Maxime Nachhaltiger Entwicklung. 

Die folgende Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte Beispiele aufzeigen, wie die jeweiligen SDGs an der Universität Tübingen adressiert werden.

SDG 1: Keine Armut

Die Universität gibt Hilfestellungen, um Studierende finanziell zu entlasten. So wird hauptsächlich auf drei Ebenen Unterstützung angeboten: Studierende können sich für das Deutschlandstipendium bewerben, das eine finanzielle Unterstützung von 300 € pro Monat zusichert. Außerdem bietet das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim eine Anlaufstelle zum Thema BAföG an. Hier bekommen Studierende Hilfe bei Fragestellungen und dem Bewerbungsprozess. Mit dem Semesterticket können Studierende vergünstigt im Verkehrsverbund naldo im ÖPNV mitfahren.

SDG 2: Kein Hunger

Kinder von Studierenden können umsonst in den Mensen der Universität zu Mittag essen.

Die Studentischen Vertreter*innen im Beirat für nachhaltige Entwicklung und das Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung (KNE) organisieren einen regelmäßigen runden Tisch / Arbeitskreis zum Thema nachhaltige Ernährung/Nachhaltige Mensen in Tübingen. Der runde Tisch vernetzt Studierende und Mitarbeitende der Universität, die sich dafür einsetzen, die Mensen und Cafetieren nachhaltiger zu gestalten.

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

Das umfassende Hochschulsport-Programm steht allen Studierenden und Mitarbeitenden offen und sorgt für Bewegung, Stressabbau und Abwechslung im Alltag. Die Psycho-Soziale Beratungsstelle für Beschäftigte der Universität Tübingen und die Psychotherapeutische Beratungsstellen für Studierende bieten einen Rahmen, um bei psychischer Belastung und anderen Problemen professionelle Unterstützung zu erhalten. Um die Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern, können Mitarbeitende am Pausenexpress teilnehmen.

Da auch gesunde Ernährung eine Rolle spielt, wenn es um die Aufrechterhaltung von Gesundheit und Wohlergehen geht, spielen Universitäten, beziehungsweise die vielen Cafeterien und Mensen der Universität eine große Rolle bei der Umsetzung von SDG 3. Das Programm „Mensa Vital“ setzt möglichst gesunde und regionale Produkte auf den Speiseplan und bietet des Öfteren vegane Alternativen. Die Initiative "Nachhaltige Mensa" hat außerdem einen Runden Tisch für alle Akteur*innen ins Leben gerufen, die sich mit Themen Nachhaltiger Entwicklung in den Mensen und Cafeterien der Universität beschäftigen.

Ein starkes Standbein der medizinischen Forschung und öffentlichen Gesundheit sind die Universitätskliniken. Mit den neuen Exzellenzclustern im Bereich Medizin, die 2018 bewilligt wurden, leistet die medizinische Forschung einen wichtigen Beitrag zum Erreichen des Unterziels 3.3. Dieses zielt darauf ab, Epidemien und andere Infektionskrankheiten beenden zu können

Außerdem gibt es auch weniger offensichtlichen Beiträge der Universität zu SDG 3 wie Maßnahmen der Arbeitssicherheit, die Möglichkeit Massagegeräte auszuleihen oder den „Bewegungssnack“.

SDG 4: Chancengerechte und hochwertige Bildung

Bildung ist eine der zentralen Kernaufgaben einer Universität und die Universität Tübingen sieht Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil von Lehre an. Zudem strebt das Unterziel 4.7 an, allen lernenden Personen das Wissen und die notwendigen Befähigungen zu vermitteln, um NE vorantreiben zu können.

Den wohl größten Beitrag zum Thema Bildung für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Tübingen leistet das Studium Oecologicum. Es wurde von einer Studierendeninitiative initiiert und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen. Hier werden Themen Nachhaltiger Entwicklung und die SDGs auf theoretische, praktische, kritische und abwechslungsreiche Weise in den Lehrplan integriert. Angebotene Kurse wechseln von Jahr zu Jahr, wobei Themen wie Frieden und Nachhaltige Entwicklung, Umweltethik oder nachhaltige Energieversorgung aufgrund der hohen Nachfrage immer wieder auf dem Kursplan stehen.

Eine weitere bekannte Institution in Tübingen ist die „Week of Links“, eine hauptsächlich durch Studierende getragene Informationswoche mit Workshops, Vorlesungen und Seminaren. Die Week of Links dient als Rahmen zur inhaltlichen und praktischen Auseinandersetzung mit ökologischen, sozialen, ökonomischen, kulturellen, politischen und vielen anderen Aspekten Nachhaltiger Entwicklung. So möchten die Organisator*innen einen Beitrag zur praktischen Umsetzung der SDGs leisten. Die Week of Links wird mittlerweile nicht nur für Studierende angeboten, sondern auch ein zweites Mal im Jahr für die breite Tübinger Öffentlichkeit zugänglich gemacht.  

SDG 5: Geschlechtergleichheit

An der Universität Tübingen gibt es eine Gleichstellungsbeauftragte und ein Gleichstellungsbüro. Das Büro bietet Beratung und Auskunft zum Thema Gleichstellung von Menschen in Studium und Wissenschaft. Die Gleichstellungsbeauftragte setzt sich  innerhalb der Universität für die Anliegen aller Universitätsangehörigen im Bereich Geschlechtergleichheit ein.

Zudem ist das Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung (ZGD) an der Universität Tübingen angesiedelt. Dieses interdisziplinäre und fakultätsübergreifende Forschungszentrum widmet sich dem Dialog zwischen Geistes-, Sozial-, Kultur- und Naturwissenschaften im Bereich der Geschlechter- und Diversitätsforschung.

Viele SDGs überschneiden sich in ihrer Zielsetzung. So beinhaltet SDG 5 natürlich auch Ziele, die ebenfalls SDG 10 „Weniger Ungleichheiten“ zugeordnet werden können. Dazu gehören Bestrebungen, gendersensible Sprache, ein Verständnis für Diversität und Chancengleichheit im größeren Rahmen einzuführen.

SDG 6: Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen

SDG 6 strebt an, die Versorgung mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu verbessern, um das wichtige Lebensmittel „Wasser“ allen Menschen zur Verfügung stellen zu können.

An der Universität Tübingen werden zum Beispiel Laborabwässer auf der Morgenstelle vor der Entsorgung in der Kanalisation in Neutralisationsanlagen behandelt. Dort wird der pH-Wert eingestellt und die Abwässer gelangen danach in den Abwasserkanal der Stadt Tübingen. Wassergefährdende Stoffe aus den Laboren werden separat gesammelt und zur Sonderabfallentsorgung an das Chemielager abgegeben.

Für Laborabwässer gelten strenge Grenzwerte aus dem Wasserhaushaltsgesetz. Diese Grenzwerte werden regelmäßig untersucht und bei Bedarf greift die örtliche Behörde (Landratsamt) ein, um drastische Überschreitungen zu vermeiden. Dies ist bisher an der Universität Tübingen allerdings noch nicht nötig gewesen.

SDG 7: Bezahlbare und saubere Energie

Um den Energieverbrauch der Universität zu senken, wird zwischen Weihnachten und Drei König der Gebäudebetrieb in den zentralen Universitätsgebäuden reduziert: Heizungs- und Lüftungsanlagen werden in dieser Zeit heruntergefahren. Seit dem 01.01.2015 bezieht die Universität zu 100% Ökostrom. Dank der gezielten Analysen des energetischen Verbrauchs der Lüftungsanlagen in den Serverräumen eines zentralen Universitätsgebäudes durch den Energiemanager und daraus folgende Handlungen, konnte Senkung des dortigen Energieverbrauchs um 8% erreicht werden.

SDG 8: Gute Arbeit und Wirtschaftswachstum

Um ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum zu generieren, das so viele Menschen wie möglich mit einschließt, werden genügend Arbeitsplätze und menschenwürdige Arbeitsbedingungen mit  SDG 8 angestrebt.

An der Universität Tübingen können Angestellte zum Beispiel Bildungsurlaub nehmen: Zu Weiterbildungszwecken dürfen Arbeitnehmer*innen bis zu fünf Tage pro Jahr bezahlt freigestellt werden. So können sich Mitarbeitende nicht nur beruflich weiterbilden, sondern können auch in ihren individuellen Interessen gefördert werden, was sich positiv auf den Arbeitsalltag auswirken kann..

Auch der wissenschaftliche Nachwuchs wird von der Universität durch diverse Programme unterstützt. Die Graduiertenakademie verbindet die Promotionsprogramme der einzelnen Fakultäten und die Promotionsverbünde an der Universität.

Da gute Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende ebenso wichtig sind wie Bildungs- und Förderungsprogramme zur Verbesserung der Produktivität, organisieren sich Mitarbeitende der Universität durch Personalräte und Personalvertretungen. Diese sorgen dafür, dass die Interessen und das Wohlergehen der Beschäftigten institutionell vertreten werden.

Leider baut das wissenschaftliche System in Deutschland momentan noch stark auf kurzzeitige Arbeitsverträge, Befristungen und Anstellungsverhältnisse, die dem Ziel der Arbeitssicherheit entgegenstehen könnten, bzw. die Schaffung dieser Sicherheit zumindest schwieriger gestalten. Oft jedoch sind die Arbeitszeiten flexibel gestaltbar, Homeoffice ist möglich und Familie und Beruf sind miteinander vereinbar. Über das Studierendenwerk gibt es Angebote zur Kinderbetreuung explizit für Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen.

SDG 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur

Das neunte SDG umfasst eine Bandbreite an Zielen, die unter den Schlagworten Industrie, Innovation und Infrastruktur zusammengefasst werden. Tatsächlich können viele Themen zu diesen Schlagworten zählen. Infrastruktur kann somit einerseits den verstärkten Ausbau von Transportwegen meinen, um die Wirtschaft zu fördern, andererseits sind auch Überlegungen für nachhaltige Transportmittel oder umweltschonende Baumaßnahmen wichtig.

An der Universität Tübingen wird den Studierenden und Mitarbeitenden die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel nahegelegt, indem das „Job Ticket BW“ für Mitarbeitende eingeführt wurde, oder der Studierendenausweis, der Student*innen am Wochenende und unter der Woche nach 19 Uhr die kostenlose Fahrt in allen Verkehrsmitteln ermöglicht.

Seit Mai 2013 steht allen Beschäftigten der Universität außerdem die Nutzung von Dienstpedelecs frei. Die Fahrräder mit elektrischer Unterstützung sollen die Fahrten zwischen den Gebäuden Uni Berg und Uni Tal erleichtern und dazu anregen, den Bus oder die Fahrt mit dem Auto durch den Gebrauch von Fahrrädern zu tauschen. Zudem können Angehörige der Universität ihre Pedelecs kostenlos an den Ladestationen der Uni aufladen.

Damit die Industrie, oder auch Innovationen im Allgemeinen, stärker auf nachhaltige Entwicklung eingehen, sind Mechanismen hilfreich, die es (jungen) Menschen ermöglichen, ihre Ideen für eine nachhaltigere Welt überhaupt umzusetzen. Das Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung Tübingen stellt allen Studierenden den sogenannten Innovationsfond zur Verfügung. Studierende können für ihre Projektideen zu Nachhaltiger Entwicklung eine Fördersumme von bis zu 500,- € beantragen, wobei zwischen 2013 und 2017 alleine 43 Projekte gefördert wurden, die sich mit Nachhaltiger Entwicklung in Lehre, Forschung und Betrieb auseinandergesetzt haben.

Mit der Exzellenzinitiative 2012 startete an der Uni Tübingen die Integration von Industry-on-Campus Professuren. Die Professuren sind an der Schnittstelle zwischen Industrie und Grundlagenforschung angesiedelt und sind deshalb besonders, da Unternehmen keine gesamte Forschungseinrichtung an einer Universität einrichten und betreiben. Stattdessen sollen Wissenschaftler*innen aus der Industrie in universitäre Forschungsprozesse integriert werden. Allerdings muss bei diesen Projekten bedacht werden, dass sie auch anderen Entwicklungszielen, wie zum Beispiel SDG 16 (Frieden) nicht dahingehend im Wege stehen, dass zum Beispiel die Zivilklausel der Universität Tübingen außer Acht gelassen wird. Eine weitere Neuerung im Rahmen der Exzellenzinitiative ist die Wirtschaftskoordination der Uni Tübingen. Ziel ist es, Kooperationsprojekte mit Wirtschaftsunternehmen zu betreuen, um Forscher*innen über die potenzielle wirtschaftliche Verwertbarkeit ihrer Forschungsergebnisse zu informieren. Auch wenn diese Plattform nicht per se nachhaltiger Entwicklung zugutekommt, so bestehen dennoch theoretische Chancen für Forscher*innen, den Transfer zwischen Forschung und Wirtschaft zu erhöhen und gegebenenfalls ihr Herzensthema „Nachhaltige Entwicklung“ in ihrem Forschungsbereich in die Praxis umzusetzen. Letztendlich liegen die Impulse für speziell nachhaltige Entwicklungsideen allerdings weiterhin bei den Forscher*innen.

Um eigene Innovationsideen umzusetzen, können sich Studierende, Wissenschaftler*innen und Mitarbeitende, bzw. Alumni der Universität für die Gründungsförderung „G.UT – Gründen an der Universität Tübingen“ bewerben, um Fördermittel für eine Startup-Gründung zu erhalten. Außerdem stehen Mentor*innen und Coaches den Neugründer*innen beratend zur Seite.

SDG 10: Weniger Ungleichheiten

In ihrem Leitbild bekennt sich die Universität zu Diversität und Chancengleichheit, Familienfreundlichkeit und den individuellen Kompetenzen ihrer Mitglieder. Ein barrierefreies Forschungs- und Lernumfeld soll durch den Abbau physischer, aber auch sozialer, sprachlicher und kultureller Barrieren erreicht werden. Mit Hilfe von Gleichstellungsbeauftragten, Mitarbeiter*innenvertretungen, dem Familienbüro oder der Schwerbehindertenvertretung, aber auch dem Refugee Programm (https://uni-tuebingen.de/de/109858) und der Mitgliedschaft im Netzwerk „Scholars at Risk“ (https://uni-tuebingen.de/de/109861), soll SDG 10 an der Universität Tübingen umgesetzt werden.

SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden

SDG 11 zielt darauf ab, dass immer größere Teile der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten leben, also in Städten und Gemeinden. Um negative ökologische Folgen des weltweiten Bevölkerungswachstums aufzufangen, sollen Städte und Gemeinden nachhaltiger gestaltet werden.

Von 2016 bis 2018 analysierte das an der Universität angesiedelte Energielabor  die Ziele und Kriterien einer nachhaltigen Energieversorgung unter ethischen Gesichtspunkten. Das partizipativ ausgerichtete Projekt, welches auch unter Mitarbeit des Kompetenzzentrums für Nachhaltige Entwicklung beantragt wurde, untersuchte, wie es gelingen kann, konkret vor Ort in Tübingen den Energieverbrauch angemessen zu reduzieren und sich vermehrt für erneuerbare Energien stark zu machen.

Eine starke Zusammenarbeit zwischen der Stadt Tübingen, den Bürger*innen, sowie der Universität ist bei der Umsetzung dieses SDGs zentral. Die Arbeit des Kompetenzzentrums für Nachhaltige Entwicklung (KNE) und auch Initiativen der Studentischen Vertreter*innen im Beirat für Nachhaltige Entwicklung und anderer Hochschulgruppen setzen hier an. Aktionen wie ein Kleidertauschbasar, eine Campus Clean Up Aktion oder auch regelmäßige Netzwerktreffen zwischen Nachhaltigkeits-Engagierten gehören zu den Kernaufgaben des KNE und zielen darauf ab, engagierte (junge) Menschen zu vernetzen, zu unterstützen und zu motivieren, sich für Nachhaltige Entwicklung einzusetzen.

SDG 12: Nachhaltiger Konsum und Produktion

Wie die meisten anderen SDGs zeigt auch das Nachhaltigkeitsziel 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion auf, dass Nachhaltige Entwicklung vielschichtig und komplex ist und ebenso an vielen unterschiedlichen Punkten umgesetzt werden kann und muss. Um Treibhausgasemissionen, Ressourcenverschwendung und die globale Müllproblematik anzugehen, kann zum Beispiel bei der Vermeidung oder Herstellung von Produkten angesetzt werden, bei deren Verpackung und Verbreitung, oder auch bei der Ernährung.

Eine Initiative der Universität Tübingen gründete 2015 das Aktionsbündnis „Müllarmes Tübingen“, das die Kampagne „tü go – besser bechern“ ins Leben rief. Um auf die Abfallflut durch Wegwerfverpackungen aufmerksam zu machen, hängen in vielen Gebäuden der Universität Informationsplakate aus und Studierende und Mitarbeitende können eine „Keep Cup“, einen Mehrweg-Kaffeebecher, in allen Universitäts-Cafeterien erstehen, um den Verbrauch von Wegwerfbechern zu senken. Seit 2017 gibt es zudem einen Round Table zur „Kaffeebecherproblematik“ an der Universität, welche in Kooperation zwischen Studierenden, StuWe, Abfallbeauftragter und dem KNE darüber diskutiert, wie Wegwerfbecher am effektivsten und nachhaltigsten in den Tübinger Universitäts-Cafeterien ersetzt werden können.

Offizielle Veranstaltungen des Kompetenzzentrums für Nachhaltige Entwicklung, sowie des Studium Oecologicums oder der Studierenden des Beirats für Nachhaltige Entwicklung werden grundsätzlich vegetarisch-vegan organisiert. Das Catering erfolgt von einem lokalen Bio-Caterer oder einer lokal ansässigen Bäckerei, es wird kein Wegwerfgeschirr verwendet, und auch auf korrekte Mülltrennung wird geachtet. Zudem nutzen alle drei Veranstalter*innen nur Bio- und fair trade-Kaffee und -Tee, Bio-Milch und bieten stets pflanzliche Bio-Milchalternativen und, wenn möglich, Bio- und fair trade-Kekse aus dem Weltladen an. Auch Obst ist entweder fair trade-zertifiziert (Bananen) oder kommt aus dem Tübinger Unverpacktladen, der mit der Solidarischen Landwirtschaft kooperiert, und somit über ein regionales und saisonales Angebot verfügt.

Die Universität Tübingen wurde in den Jahren 2016, 2017 & 2018 zur recyclingpapierfreundlichen Universität ernannt.  Außerdem regen zahlreiche Informationskampagnen und Recycling-Module der Abfallwirtschaftsbeauftragten in allen Universitätsgebäuden dazu an, sich mit der Wiederverwendung und Möglichkeiten des Recyclings von Produkten auseinander zu setzen. Ein Beispiel, wie die Wiederverwendung von Ressourcen an der Uni Tübingen angeregt wird, sind die Holzkisten des Vereins Papierpilze e.V. Neben vielen Kopiergeräten an der Uni befindet sich ein Sammelbehälter für schlecht, bzw. falsch bedruckte Dokumente, die hier hinterlassen werden, um z.B. als Schmierpapier genutzt zu werden. Die Papierpilze bieten auch Collegeblöcke aus eben diesen ungenutzten Dokumenten an, damit das Papier nicht ungenutzt entsorgt und verschwendet wird.

An Universitäten wird jedoch nicht nur viel Papier genutzt und häufig verschwendet. Auch nachfüllbare Stifte landen häufig im Restmüll und somit in der Müllverbrennungsanlage. Die Abfallbeauftragte der Uni Tübingen hat deshalb mit der Firma TerraCycle ein Recyclingprogramm für Stifte aller Art eingeführt. Alle Stifte, die nicht aus Holz oder Wachs hergestellt wurden, werden gesammelt und zum Recycling versendet. Die Einnahmen des Verkaufs werden gemeinnützigen Organisationen gespendet.

SDG 13: Klimaschutz und Anpassung

Sustainable Development Goal 13 ist wohl das intuitivste der 17 Ziele. Der Schutz des Klimas und die Anpassung an klimatische Veränderungen sind Themen, die inzwischen nicht nur die Forschung, sondern die breite Gesellschaft beschäftigen. An der Uni Tübingen gibt es einen Forschungsschwerpunkt zu Climate Change am Institut für Evolution und Ökologie. Der Forschungsschwerpunkt setzt sich mit Fragen zum Fortbestand von pflanzlichen Spezies in Zeiten des Klimawandels auseinander, hinterfragt den Einfluss von Trockenperioden und klimatischen Extremen und beschäftigt sich mit der multilateralen Beziehung zwischen Biodiversität, Klimawandel und gesellschaftlichem Feedback zu Social-Ecological Systems (SES).

Zwischen Oktober 2016 und Juli 2019 hat die Universität außerdem die Kampagne „Kluge Köpfe für den Klimaschutz“ durchgeführt. Ziel der Kampagne war es, Klimaschutz zugänglicher zu machen, indem einfache Energiespartipps für den Arbeitsplatz konzipiert wurden, um den Energieverbrauch der Universität zu senken. Einfache Maßnahmen sind zum Beispiel die Abschaltung von Computern, Elektrogeräten und Kaffeemaschinen im Büro am Ende des Arbeitstages. Dadurch konnten über 40.000,- € eingespart werden.  

SDG 14: Leben unter Wasser

Der Schutz der Meere und des Lebens unter Wasser wird durch SDG 14 angestrebt. Überfischung, Plastikmüll und durch den Klimawandel ansteigende CO2-Werte bedrohen das Leben unter Wasser zunehmend. Die Plattform Umweltsysteme an der Universität Tübingen wurde im Rahmen der Exzellenzinitiative und als Teil des Zukunftskonzepts der Universität ins Leben gerufen. Naturwissenschaftliche, sowie sozioökonomische Fachbereiche über Ethik und Rechtswissenschaften arbeiten interdisziplinär an Teilarbeitsbereichen zur Wirkung von Schadstoffen in der Umwelt oder zu Nachhaltigkeit, Schutz und Management von natürlichen Ressourcen. Die Plattform Umweltsysteme erforscht unter anderem die ökotoxikologischen Effekte und Umwelteinflüsse von Stoffen, sowie den Transport dieser Stoffe in den Boden und das Grundwasser.

An den Tübinger Lehrstühlen forschen Wissenschaftler*innen in den Bereichen Geo- und Mikrobiologie, bzw. Environmental Systems Analysis. So zum Beispiel findet Forschung in den Bereichen Hydropower oder auch toxikologischer Wasseranalyse statt. Aufbauend auf SDG 9 (Industrie, Innovation, Infrastruktur) sind zentrale Themenschwerpunkte in diesen Bereichen, wie die Entwicklung von Hydropower und Staudammbau sich (negativ) auf die Umwelt auswirken können, da beim Ausbau von Infrastruktur häufig die ökologischen Folgen nicht mitbedacht werden.

Da das Leben unter Wasser allerdings unter anderem auch durch problematisches Konsumverhalten (vor allem im Globalen Norden) bedroht ist, haben sich Studierende des Beirats für Nachhaltige Entwicklung 2018 mit dem Konsum- und Müllverhalten der Tübinger Studierenden auseinandergesetzt. Im Rahmen einer Campus Clean Up Aktion mit Upcycling-Ausstellung und Informationspostern zum Tübinger Forschungsstand zu Plastik, Müll und Gewässern setzten sich Studierende mehrere Tage mit dem lokalen und globalen Trend zur Reduzierung von (Plastik-)Müll auseinander. Allerdings werden an der Universität Tübingen weiterhin Plastikflaschen verkauft, Wegwerfbesteck bereit gestellt und die Abfallbeauftragte hat festgestellt, dass das Müllvolumen an der Universität trotz Recycling-Bestrebungen stetig zunimmt.

SDG 15: Leben an Land

Teilaspekte von SDG 9 „Industrie, Innovation und Infrastruktur“ oder SDG 11 „Städte und Gemeinden“ finden sich auch im Ziel 15 wieder: Das Leben an Land nachhaltiger zu gestalten. SDG 15 umfasst daher Bestrebungen, Land als Lebensraum zu erhalten, indem Desertifikation, Bodendegeneration und Biodiversitätsverlust verhindert werden. An diesem Entwicklungsziel lässt sich deutlich zeigen, wie verzweigt und interdependent die SDGs sind. Zum Beispiel müsste man bei Überlegungen zu nachhaltigerem Leben an Land natürlich Infrastruktur und Stadtplanung, sowie Müllentsorgung und Konsumverhalten berücksichtigen.

Obwohl sich klassischer Weise die Fachbereiche Biologie und Geoökologie mit Themen wie Biodiversität befassen, findet an der Universität Tübingen auch Forschung zu ethischen-philosophischen Aspekten des Biodiversitäts-Konzepts statt. Prof. Dr. Thomas Potthast oder Prof. (em.) Dr. Eve-Marie Engels befassen sich deshalb unter anderem mit Themen wie Landwirtschaft und Ernährung, Bioökologie und Naturschutz unter ethischen Gesichtspunkten.

SDG 16: Frieden, Recht und starke Institutionen

Nachhaltige Entwicklung ist nicht ohne Frieden und stabile Institutionen denkbar. Eine Universität ist selbstverständlich auch eine solche Institution.

In ihrer Grundordnung verpflichtet sich die Universität mit der sogenannten Zivilklausel dazu, „Lehre, Forschung und Studium“ nur zu „friedlichen Zwecken“ durchzuführen.

Auf institutioneller Ebene nimmt außerdem der Studierendenrat (StuRa) eine wichtige Rolle bei der Interessensvertretung der Studierendenschaft ein. Er wird demokratisch gewählt und setzt sich aus Vertreter*innen verschiedener Hochschulgruppen zusammen.  

Auch das Erforschen von Konflikten und Frieden spielt an der Universität Tübingen eine Rolle. Der Masterstudiengang Friedensforschung und Internationale Politik bietet Raum, um sich mit Gewalt- und Kooperationsproblemen auseinander zu setzen und dieses Wissen teilweise auch in der Praxis zu erproben. Erwähnenswert sind hier unter anderem die Kooperation mit der Tübinger Berghof Foundation zum Thema Friedenspädagogik oder Exkursionen zum Thema Institutionen, Sicherheit und Frieden.  

Das fakultätsungebundene Studium Generale bietet einen weiteren Rahmen, um sich durch Vorlesungsreihen und öffentliche Abendveranstaltungen zu Themen wie Rechtspopulismus, Technikentwicklung oder Frieden weiterzubilden. Es ist ein wichtiges Bindeglied, welches nicht nur Mitglieder der Universität und die Stadtbevölkerung näher zusammenbringt, sondern auch viele unterschiedliche Bereiche der SDGs anspricht.

In der Refugee Law Clinic bieten Studierende kostenlose Rechtsberatung für studentische Geflüchtete an. Außerdem hat die Universität Tübingen eine beratende Kommission „Konfliktmediation“ eingerichtet, die versucht, sichere und gewaltfreie Beiträge zum Universitätsalltag zu leisten, Konflikte vorzubeugen und bestehende Konflikte zu deeskalieren.

SDG 17: Partnerschaft zur Erreichung der Ziele

SDG 17 zielt darauf ab, Umsetzungsmittel für die Implementierung der Nachhaltigkeitsentwicklungsziele zu stärken, sowie die globale Partnerschaft für Nachhaltige Entwicklung wiederzubeleben.

Das Kompetenzzentrum sieht eine seiner zentralen Aufgabe darin, die Stärkung und den Neuaufbau von Netzwerken voranzutreiben, um Austausch und Synergieeffekte zu erzielen. Das Kompetenzzentrum soll alle Universitätsmitglieder dabei unterstützen, Kontakte herzustellen und Partner*innen oder Expertise inner- und außerhalb der Universität zu vermitteln. Dies wird nicht nur im Rahmen der Nachhaltigkeits-Vernetzungstage sichergestellt, sondern auch, indem das Kompetenzzentrum als aktive Ansprechpartnerin zur Verfügung steht, welche Kontakte vermittelt und (B)NE somit aktiv vorantreibt – zwischen Studierenden und Mitarbeitenden lokal und durch deren Arbeit auch auf regionaler Ebene.

Zudem finden sich an der Uni Tübingen diverse Formate zum internationalen wissenschaftlichen Austausch. Ein Beispiel dafür ist das Interdisciplinary Centre for Global South Studies. Die Plattform wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, den Dialog zwischen Forschenden, Studierenden und Doktorand*innen  aus dem Latein-Amerikanischen, dem Afrikanischen, dem Asiatisch-Pazifischen und dem Europäischen Raum zu stärken, die sich mit neuen Konzepten und Ideen auseinandersetzen, um Probleme des Globalen Südens anzugehen. Das interdisziplinäre Zentrum hat nicht nur einen MA „Cultures of the Global South“ eingeführt, sondern auch ein Doktorand*innenprogramm im Bereich Global South Studies. Des Weiteren ermöglicht das Netzwerk den Austausch mit Partneruniversitäten in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Pazifikregion.

Ein weiteres Format, durch das Mitarbeitende und Studierende ihre Vernetzung untereinander stärken, sind zum Beispiel Round Tables, wie dem Runden Tisch für eine nachhaltigere Mensa, der durch das KNE und die studentischen Vertreterinnen im Beirat für Nachhaltige Entwicklung initiiert wurde. Auch sporadische Aktionen zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen, wie zum Beispiel zu Upcycling und Müllvermeidung ermöglichen es, lokale Akteur*innen, wie dem BUND, lokale Schulen und die Studierendenschaft in (praktischen) Austausch zu bringen.