Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung (ZGD)

Categories in Flux: Continuity and/or Change

"Categories in Flux" ist eine internationale Konferenz, die vom 9. bis 11. Oktober 2019 vom interdisziplinären Promotionsverbund "Die Persistenz einer 'Kultur der Zweigeschlechtlichkeit'" des Zentrums für Gender- und Diversitätsforschung, Eberhard Karls Universität Tübingen ausgerichtet wird. Forschende aus den Sozialwissenschaften, der Philosophie, aus Politik-, Kultur- und Literaturwissenschaften, die sich mit Kategorien und Fragen von Kontinuität und Wandel auseinandersetzen, sind herzlich willkommen. Die Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch.

Interessierte, die an der Tagung teilnehmen möchten, werden gebeten, sich hier zu registrieren.

Kontakt: categoriesinfluxspam prevention@mail.de (Patrick Bresemann und Hanne Roth)


Konzept der Tagung

„The sheer ability and staying power of the idea that male and female psychologies are inherently
different can’t help but impress,“ konstatiert Cordelia Fine mit Blick auf einen Teilbereich
neurowissenschaftlicher Forschung, der eine binäre Geschlechterordnung legitimiert und
sich aktuell neuer Beliebtheit erfreut. Während in den 1990er und frühen 2000er Jahren eine
Vielzahl von Autor*innen gegen die Annahme anschrieben, dass Männer und Frauen fundamental
unterschiedliche Wesen seien, und trotz Anzeichen einer zunehmenden Öffnung der
Gesellschaft für Lebensentwürfe, Partnerschafts- und Elternschaftsmodelle abseits der Norm,
scheinen aktuell ‚traditionelle‘ Geschlechterrollen wieder an Bedeutung zu gewinnen. Aber ist
das tatsächlich der Fall? Andere Stimmen betonen die enormen progressiven Veränderungen,
die sich in den letzten Jahren ereignet haben: So spricht Margarete Stokowski von den „letzten
Tagen des Patriarchats“ und dessen letztem Aufbäumen. Jonas Schaible betrachtet den vermeintlichen
aktuellen ‚Rechtsruck‘ als ein auf einen lautstarken rechten Rand begrenztes Phänomen,
während der Großteil der Gesellschaft „pluraler, liberaler und selbstverständlich diverser“
werde.


Im öffentliche Diskurs finden sich also ganz unterschiedliche Einschätzungen hinsichtlich der
zeitdiagnostischen Frage „Continuity or Change?“. Diese Beobachtung lässt sich mit der Frage
nach dem ‚making‘ und ‚unmaking‘ von Kategorien verknüpfen: Gesellschaftliche Ordnungen
beruhen auf Kategorisierungen, die Menschen auf bestimmte, aber kontingente Weise unterscheiden,
etwa nach Geschlecht, Klasse oder ethnischer Herkunft. Auf der Konferenz „Categories
in Flux“ wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie gesellschaftlicher Wandel mit der
Veränderung von Kategorien zusammenhängt. Bringen gesellschaftliche Veränderungen alte
Kategorien ins Wanken oder unterlaufen neue Konventionen der Kategorisierung alte soziale
Ordnungen? Kaschieren neue Begrifflichkeiten alte Ungleichheiten oder bergen sie tatsächlich
ein egalisierendes Potential? Anstatt von einem ‚entweder / oder‘ auszugehen, lässt sich mit
Raymond Williams eine Gleichzeitigkeit von emergenten, residualen und hegemonialen Kategorien
erkennen. Denkt man mit Williams, so versteckt sich hinter der Frage „Continuity or
Change?“ die sehr viel schwieriger zu beantwortende Frage, ob und wo wir es tatsächlich mit
der Emergenz des genuin Neuen zu tun haben und wo sich z.B. die vermeintlich letzten Tage
des Patriarchats als eine weitere Phase in der Geschichte eines enorm resistenten Kategorisierungssystems
entpuppt.


In der Konferenz wollen wir unterschiedliche disziplinäre Perspektiven zusammenbringen und
gemeinsam über aktuelle Entwicklungen von „Categories in Flux“ und „Continuity and/or
Change“ nachdenken und diese diskutieren.

 

Programm

WEDNESDAY, 09 OCTOBER 2019

13:30-14:30

14:30-14:45

14:45-15:15

 

 

 

15:30-17:30

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18:00-19:00

 

 

 

19:00

REGISTRATION

WELCOME AND INTRODUCTION

OPENING SPEECH

Prof. Dr. Marion Müller (Tübingen)
Categories in Flux: Some Considerations About Categorizing People

 

PANEL I – MASCULINITIES
Teresa Streiß (Gießen)
“Boys Will Be Boys” – Boys’ Education Between Continuity and Change


Anne Burkhardt (Tübingen)
Masculinity and Diesel: About the Fight of the Right to Remain ‘Real’ Men


Grzegorz Kubiński (Kraków)
Hegemonic or Weak Masculinity? Fluctuating Patterns of Masculinity on the Example of Socio-Political Events

 

KEYNOTE
Prof. Dr. Heike Kahlert (Bochum)
Interrogating Domination in Gender Relations: A Critical Examination of Selected Sociological Concepts

 

WINE RECEPTION


THURSDAY, 10 OCTOBER 2019

08:00-09:00

09:00-12:00

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12:00-13:00

 

13:00-14:00

 

 

 

 

 

 

14:00-17:00

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17:30-18:30

 

 

 

 

 

19:30

COFFEE

PANEL II – IDENTITY
Oleksandra Tarkhanova (Bielefeld)
Gender Equality and 'Protection of Women': Continuity and Change in Ukrainian Gender Politics


Svenja Spyra (Munich)
Die Figur der (queeren) Femme im lesbisch_queeren und feministischen Aktivismus in

Deutschland. Eine soziologische Betrachtung des zeitlichen Wandels einer Kategorie


Friedrich Gabel (Tübingen)
Between Special Needs and Social Diversity: On Approaches of Operationalizing Needs and

Capacities in the Contexts of Disaster Management


Hannah Bennani (Tübingen)
Die Diversifizierung der Weltgesellschaft – Kategoriale Globalisierungsdynamiken am Beispiel

„indigene Völker“

 

LUNCH AND COFFEE BREAK

 

POSTER SESSION
Bernhard Frühwirth (Regensburg)
Louka Goetzke (Berlin)
Mila de Graaf (Amsterdam)
Patrick Bresemann (Tübingen)
Miriam Brunnengräber (Mainz)

 

PANEL III – PERSISTENCE
Roland Bolz (Berlin)
Conceptual Change Between Structuralism and Cognitive Psychology


Renate Baumgartner (Tübingen)
„Gender war für mich ein Thema…“ Persistenz von Kategorien in Veranstaltungen zu

künstlicher Intelligenz


Daniel Lehnert (Tübingen)
Traditional Family Values and Exclusive Solidarity. The Transformation of Care-Networks

and the German Welfare State


Susanne Richter (Bielefeld)
'Sei was du willst, aber sei es richtig' – Anforderungen zur Authentizität in Beauty Videos

als Strategie flexibler Essentialisierung

 

KEYNOTE
Dr. Paul Kelleher (Atlanta)
Daniel Defoe’s Robinson Crusoe (1719) and the Human Animal: Where are We,

Three Centuries Later?

 

 

CONFERENCE DINNER
Bootshaus am Neckar
Wöhrdstraße 25, 72072 Tübingen


Friday, 11 October 2019

09:00-10:00

10:00-12:00

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12:00-12:30

 

12:30-13:30

 

 

 

13:30-14:00

COFFEE

PANEL IV – ALTERNATIVES
Anna Berger (Tübingen)
Resisting Patriarchy: Alternatives to Heteronormativity in Elizabeth Gaskell’s “The Grey Woman”

and Charlotte Riddell’s “Nutbush Farm”


Dominika Lisy (Gothenburg)
Let’s Talk About (Binaries in) Sex! A Diffractional Analysis of the Sexual Continuum and Our

Apparatuses of Investigation


Paul Helfritzsch (Jena)
Brechen, zerfließen, versiegen: Versuche zu Unbestimmtheiten im Umgang miteinander

 

LUNCH SNACK AND COFFEE

 

KEYNOTE
Dr. Sarah J. Mahler (Miami)
Social Categories: They Don’t Have to Be Either/Or; They Can Actually Be Both and More

 

CONCLUDING REMARKS