Prof. Dr. Dorothee Kimmich

"Entgrenzte Ähnlichkeit. Zur Konjunktur des Ähnlichen im Milieu des Surrealismus"

Die Arbeit unter dem Titel Entgrenzte Ähnlichkeit. Zur Konjunktur des Ähnlichen im Milieu des Surrealismus wurde im Januar 2020 eingereicht. Das Dissertationsprojekt widmete sich dem programmatischen und produktiven Umgang einschlägiger Texte, Bilder und Konzepte aus dem Umkreis des Surrealismus mit ästhetischen und epistemologischen Denkfiguren des Ähnlichen. Dabei vermittelt ein explizit interdisziplinärer Ansatz vor allem literatur- und kunstwissenschaftliche Fragestellungen, die etwa um Mimesis und Repäsentation, Metapher und Mimikry kreisen.

Dass Moderne und Ähnlichkeit zumeist als widersprüchlich wahrgenommen werden, scheinen besonders deutlich antimimetische Tendenzen der Ästhetik und avantgardistische Polemiken gegen Realismus und Repräsentation zu belegen. So richtet sich etwa André Bretons Kritik am Realismus als bloße Kopie des Wirklichen im ersten Manifest des Surrealismus und in seiner Introcudtion sur le peu de Réalité zugleich gegen eine rational zugerichtete Wirklichkeitsauffassung – die Integration des Unbewussten, Imaginären und Wunderbaren als „die durchdringendste, schärfste Realität, die es gibt“ (Carl Einstein) fordernd – und gegen das mimesistheoretische Erbe der Realismustheorien, das Kunst auf imitierende Nachahmung verpflichtet. Scheint so zunächst mit Mimesis und Realismus auch die Ähnlichkeit aus der surrealistischen Kunstpraxis ausgetrieben, geht sie doch weder in der Nachahmungsrelation noch einem simplen Realismuskonzept auf: Die Arbeit analysiert, wie Ähnlichkeit in kritischem Anschluss an eine lange - von der Antike bis in die Moderne reichende - und variable ästhetisch-epistemologische Tradition der 'Ästhetik des Ähnlichen' in Verfahren syntaktisch-semantischer Relationierung und analogischen, metaphorischen, metamorphotischen, mimikrytheoretischen und simulacralen Konzeptionen als Ausdruck eines surrealistisch erweiterten, mimetisch-epistemologischen Weltverhältnisses und als reflexiv-konstruktives Instrument einer Arbeit an Repräsentation und Form rekonzeptualisiert wird. Entgegen diverser auf Differenz und Unähnlichkeit in modernen ästhetischen Konzeptionen konzentrierter Forschungsthesen akzentuiert die Arbeit gerade die darin deutlich werdende spezifisch moderne 'Konjunktur' der Ähnlichkeit.

Im Zusammenhang mit dem Thema der Dissertation u. a. Teilnahme an der 6. Internationalen Konferenz des EAM: „Realismen der Avantgarde“ (5.-7.9.2018, Universität Münster), am CIERA- Kolloquium „Romantisme et Surréalisme. Eine Wahlverwandtschaft/Une affinité elective?“ (18.-19.3.2016, Lyon II), an der 4. Internationalen Sommerakademie des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin: Von der Spur zum Bild. Zur Theorie und Geschichte der Bildgebung (21-26.09.2014) und an dem Herbstkurs Einführung in die Wissenschaftssprache Französisch für KunsthistorikerInnen am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris (14.-22.09.2015).