Institut für Medienwissenschaft

Tina Ohnmacht, M.A.

Beschreibung des Promotionsvorhabens

Thema der Dissertation mit dem Arbeitstitel Fließende Bewegungen und Prozesse des Verflüssigens: Wasseranimationen in animierten Kurzfilmen ist die formal-ästhetische und phänomenologische Untersuchung von Wasser in Animationsfilmen. Technisch-technologische Produktionsbedingungen der Bewegungen des Fließens in der Animation sollen dabei ebenso Thema sein wie das Auflösen von Form- und Wahrnehmungsgrenzen und die animierten Übergänge zwischen Formen, Räumen, Farben, Zeiten. Außerdem wird das Motiv Wasser auf die Funktionen untersucht, die motivisch-narrativ motiviert sein können, aber dennoch darüber hinausweisen, indem sie bestimmte Erfahrungen von flow und Immersion thematisie-ren, und Analogien zu Denkfiguren unserer Zeit schaffen. Zudem wird nach Analogien zwischen Bewusstseinsprozessen bei der Produktion von mentalen Bildern und der Produktion von animierten Bildern gefragt.

Zentrale Fragen sind dabei, welche Rolle dabei die technischen und technologischen Bedingungen des Herstellungspro-zesses für die Funktionen des animierten Wassers spielen. Die Frage nach dem spezifischen Zusammenhang zwischen Animation von Wasser und Bewegungen des (Zer)Fließens sowie Figurationen der Metamorphose wird ergänzt werden durch symbolische und narrative Funktionen des Wassers in animierten Kurzfilmen, die häufig in die Dualitäten von Geburt/Leben und Gefahr/Tod im Wasser eingebunden sind.

In qualitativen Filmanalysen soll der Fokus liegen auf Bewegungen und Metamorphosen als zwei distinkten Struktur-merkmalen von Animation und wie sie in Wasseranimationen zum Ausdruck kommen. Als „Wasseranimationen“ werden hier sowohl das Auftreten von Wasser als Motiv in Bild und Ton im Film verstanden als auch die Strukturmerkmale des Wassers im Film.

Bewegungen des Wassers, ins Wasser, im Wasser sind divers und vielfältig und kommen z.B. in Form von Wellen, Eintauchen, Untergehen, Treiben, Fließen, als Kamerabewegungen, im Rhythmus von Bild und Ton etc. vor. Die vielschichtigen und miteinander verschränkten Bewegungsebenen im Animationsfilm werden in der Bewegung des animierten Wassers reflektiert. Dazu kommt die Bewegung der Animatorin/des Animators, die/der eine flüssig-materielle Spur in den filmischen Bildern selbst hinterlässt.

Formenwandel und Metamorphosen sind spezifische Grundprinzipien der Animation, durch die Prozesse der Verwandlung zum Teil der filmischen Narration werden. Die Vielgestaltigkeit des Elements Wasser findet im Animationsfilm ihren Ausdruck zum Beispiel in flüssigen Figuren, oder im Auflösen und Verwandeln von Formen, Farben und Figuren im Bild ohne Schnitt oder Überblendung.

Curriculum Vitae

Tina Ohnmacht studierte neuere deutsche Literaturwissenschaft, englische und amerikanische Literaturwissenschaft und Kunst- und Medienwissenschaft in Konstanz und am Trinity College Dublin. Danach war sie Volontärin bei der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg/Filmförderung. Seit 2002 arbeitet sie am Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg, zunächst als künstlerisch-wissenschaftliche Assistentin, dann als Studienkoordinatorin / Head of Studies für die Bereiche Animation und Interaktive Medien. Außerdem war sie von 2003 bis 2005 mitverantwortlich für die Programm-koordination der FMX conference. Zur Zeit ist sie als freie Projektbetreuerin für die studentischen Diplomprojekte und als Gastdozentin für Animationsgeschichte an der Filmakademie tätig und verantwortet das internationale EU-geförderte Weiterbildungsprogramm Animation Sans Frontières. Seit Frühjahr 2015 arbeitet sie außerdem an ihrer Dissertation am Lehrstuhl für Medienwissenschaft (Prof. Dr. Susanne Marschall) in Tübingen.