Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft

Aktuelle Studienprojekte

Ankündigung
 

Karin Bürkert: Rurbanität: Leben im Stadt/Land-Geflecht.

Forschungsprojekt zur Vorbereitung einer Pop-Up-Ausstellung
WiSe 2022/23 - WiSe 2023/24

An welchen Orten werden Lebensqualitäten in städtisch oder ländlich geprägten Räumen erfahrbar und ausgehandelt? Was bedeuten und woher kommen eigentlich die Zuschreibungen „ländlich“ oder „städtisch“? Wie werden sie durch Imaginationen und Infrastrukturen geprägt? Diese Fragen sollen in einer Pop-Up-Ausstellung an einem konkreten, noch festzulegenden Ort diskutiert werden. Denkbar sind hier ganz unterschiedliche Orte, anhand derer die Qualität von Lebensräumen in dezentralen Lagen verhandelt wird – bspw. ein geschlossenes Krankenhaus, umkämpfte Orte der Populär- und Soziokultur wie Clubs und Kinos oder umstrittene Wohngebiete an Kleinstadträndern.
Das Lehrforschungsprojekt ist eingegliedert in den Strukturverbund „Kulturwissen vernetzt“. In enger Zusammenarbeit mit Mitarbeiter*innen des Museums der Alltagskultur (Landesmuseum Württemberg) werden die Projektteilnehmenden Forschungen zur Vorbereitung einer Pop-Up-Ausstellung durchführen, die 2024 vom Museum der Alltagskultur realisiert wird.
Die Arbeitshorizonte der Teilnehmenden des Projekts reichen von der Wissensaneignung zur rurbanen Kulturforschung, über die historische und gegenwartsorientierte Ethnografie in den Archiven und Arenen der betreffenden Gemeinde bis zu den öffentlichkeitstauglichen Verschriftlichungen der Forschungsberichte und der Erarbeitung von Konzeptionsideen für die Pop-Up-Ausstellung. Schwerpunkte der drei Profillinien Museum&Sammlungen, Diversität und Kulturanalyse des Alltags stellen dabei Leitlinien der Projektarchitektur dar.


Thomas Thiemeyer: KI in Tübingen: Eine neue Technologie bewegt die Stadt

WiSe 2021/22 – WiSe 2022/23

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein zentrales Schlagwort in den aktuellen Debatten zur Zukunft unserer Gesellschaften. Was kann sie? Wem nützt sie? Welche Risiken gehen mit ihr einher? Und wie verändert sie unsere Gesellschaft?
Das Studienprojekt will diesen Fragen nachgehen am Beispiel eines der zentralen Standorte der KI-Forschung in Deutschland: Dem Cyber Valley in Tübingen. Unter diesem Namen hat sich hier binnen weniger Jahre eine europaweit einzigartige Kombination aus universitärer Forschung (Exzellenzcluster Maschinelles Lernen), außeruniversitärer Forschung (Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Fraunhofer-Gesellschaft Stuttgart) und Industriebeteiligungen (Bosch, Daimler, Amazon) zusammengestellt, die gemeinsam Künstliche Intelligenz erforschen und den Anspruch haben, Europas wichtigster KI-Standort zu sein. Auf seiner Website beschreibt sich das Cyber Valley als „Europas größtes Forschungskonsortium im Bereich der künstlichen Intelligenz… Die Cyber Valley Partnerschaft hat ein florierendes Ökosystem geschaffen, das einen regen Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie fördert. Dieses Ökosystem hat die Position der Region Stuttgart-Tübingen als Teil der Weltspitze im Bereich der KI-Forschung weiter gestärkt.“
In der Tübinger Stadtgesellschaft trifft das Cyber Valley auf gemischte Reaktionen: Bürgermeister, Gemeinderat oder Universitätsleitung unterstützen das Projekt. Bei diversen zivilgesellschaftlichen Gruppen – Studierenden, Umweltverbänden, Aktivisten – regt sich hingegen Protest, der 2018 zu einer mehrwöchigen Hörsaalbesetzung führte und die Zeitungen immer wieder beschäftigt. Ziel der Kritik sind vor allem 2 Punkte: die Zusammenarbeit mit Amazon (für die Kritiker Inbegriff einer amerikanischen Datenkrake) und die Sorge, dass KI-Entwicklungen z. B. zur Gesichtserkennung auch für Rüstungszwecke genutzt werden können.
Im Großen – und das steht im Zentrum des Studienprojekts – geht es bei diesen Debatten nicht um technische, sondern um gesellschaftliche Fragen. KI ist Gegenstand öffentlicher Verhandlungen und Projektionsfläche für größere gesellschaftliche Themen, für Erwartungen und Ängste (medizinischer Fortschritt, Vereinfachung des Lebens vs. Arbeitsplatz- und Kontrollverlust, Angst um Privatsphäre, Überwachung…). Sie betreffen den Alltag der Bürger und verweisen auf Ideen von einer „richtigen“ Gesellschaftsordnung. Hier lassen sich neue Praktiken und Narrative im Umgang mit einer Technologie analysieren, die aus der kulturwissenschaftlichen Perspektive analysiert werden sollen.

Websites und Literatur: LUI-Podcast zu kulturwissenschaftlicher Technikforschung https://soundcloud.com/user-727151042-9336775; Machine Learning Tübingen auf Youtube https://www.youtube.com/channel/UCupmCsCA5CFXmm31PkUhEbA; Website des CyberValley www.cyber-valley.de und der Initiative NoCyberValley www.nocybervalley.de; Zweig, Katharina: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl. Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können. München 2019.


Reinhard Johler: „Ambassadors & Brokers“. Chinesische Studierende an der Universität Tübingen

WiSe 2020/21 – WiSe 2021/22

Die Eberhard Karls Universität Tübingen sieht sich im „Kampf um die besten Köpfe“. Sie setzt daher in Forschung und Lehre bewusst auf die Förderung von diversity. Dies aber führt – am Campus bereits vielfach spürbar – zu einer internationalization at home. Chinesische Student*innen tragen dazu erheblich bei: Sie sind in den Imagebroschüren der Universität gerne gesehen und sie sind in vielen Studienrichtungen ausgesprochen präsent. Ihre Zahl nimmt in den letzten Jahren daher schnell zu:  Dies verursacht durchaus Probleme im Lehrbetrieb.
In dem hier vorgeschlagenen Projekt sollen diese Probleme nicht übergangen werden. Aber: Die bemerkten Unterschiede werden nicht als Defizite problematisiert, sondern als Potential entwickelt: Eine ausgewählte Gruppe von ca. 20 chinesischen Student*innen wird als Ambassadors – in der Folge: als in zwei Richtungen agierende Brokers – verstanden, ethnographisch begleitet und schließlich medienwirksam vorgestellt.
Anders gesagt: Im Studienprojekt wird es zum einen darum gehen, Bausteine für eine „Deutschland-Kompetenz“ für chinesische Studierende, zum anderen aber auch Bausteine für hiesige Student*innen für eine „China-Kompetenz“ exemplarisch zu identifizieren und modellhaft bekannt zu machen.
Die Ergebnisse des Studienprojekts sollen multi-medial – in einem Katalog, einer Ausstellung, in medialen clips – dargestellt und so breiter diskutiert werden.

zur Website des Studienprojekts