Exzellenzcluster – Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen

Aus der Corona-Pandemie für die Eindämmung anderer Infektionen lernen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern ein konsequentes Umdenken in der Bekämpfung von Krankenhausinfektionen durch multiresistente Bakterien

Krankenhausinfektionen nehmen seit Jahren stetig zu und fordern jährlich hunderttausende vermeidbarer Todesopfer. Die Ursache sind vor allem Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent geworden sind. Trotz alarmierender Zahlen ist das Thema Antibiotikaresistenz bisher jedoch in der Politik ohne Priorität geblieben. Das muss sich ändern, mahnen Expertinnen und Experten aus dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), dem Exzellenzcluster Controlling Microbes to Fight Infections (CMFI) der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen und anderen internationalen Forschungseinrichtungen in der aktuellen Ausgabe von Lancet Infectious Diseases und rufen zu einem Richtungswechsel auf. Obwohl COVID-19 durch Viren verursacht wird, könne man aus der Erfahrung mit der Pandemie viel für das Management und die Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten übernehmen.

Link zur Pressemitteilung


Starting Grant des Europäischen Forschungsrats für CMFI-Nachwuchsgruppenleiter Christoph Ratzke

Christoph Ratzke will mit seinem ausgezeichneten ERC-Projekt „BugDrug – Bugs as Drugs: Understanding Microbial Interaction Networks to Prevent and Treat Infections“ die Wechselwirkungen innerhalb von Mikrobengemeinschaften und deren Netzwerkstrukturen untersuchen. Solche Gemeinschaften unzähliger Mikroben – auch als Mikrobiota bezeichnet – kommen zum Beispiel im gesunden menschlichen Darm vor und helfen bei der Verdauung der Nahrung. Bestimmte Mikroorganismen, vielfach Bakterien, können bei einer Infektion jedoch Krankheiten auslösen. Ratzke erforscht, wie solche Krankheitserreger vom bestehenden mikrobiellen Netzwerk zurückgedrängt werden könnten. Dafür stehen ihm aus dem ERC-Grant 1,49 Millionen Euro zur Verfügung.


Mikrobielle Gemeinschaften, so genannte Mikrobiome, besiedeln die Oberflächen des menschlichen Körpers. Neben Bakterien, die die menschliche Gesundheit positiv beeinflussen, finden sich im Mikrobiom auch potenziell tödliche Krankheitserreger. Gegen diese Erreger wurden in den vergangenen Jahrzehnten oft Breitbandantibiotika eingesetzt. Inzwischen ist klar, dass dadurch nicht nur die Entstehung von Antibiotikaresistenzen gefördert, sondern in vielen Fällen auch das Mikrobiom als Ganzes geschädigt wird. Die Forscherinnen und Forscher des Exzellenzclusters „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“ wollen zur Kontrolle von Infektionen nun eine neue Strategie entwickeln.

Ihr Ziel ist es, neue zielgerichtete Wirkstoffe zu entwickeln, die sich positiv auf Mikrobiome auswirken. So ist bekannt, dass nützliche Bakterien ihre gefährlichen Artgenossen in Schach halten können. Um die zugrundeliegenden Mechanismen zu verstehen und nutzbar zu machen, sollen im Rahmen des Exzellenzclusters Forscherinnen und Forscher aus molekularen, bioinformatischen und klinischen Disziplinen zusammenarbeiten. Sprecher des Clusters sind Professor Andreas Peschel und Professorin Heike Brötz-Oesterhelt vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität sowie Professorin Ruth Ley, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie. Beteiligt sind zudem das Universitätsklinikum Tübingen und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF).