19.01.2026
Selbsttests im Studium: Wer nutzt sie und wer profitiert?
Was aktuelle Forschung über die Wirkung und Nutzung von Selbsttests im Studium zeigt.
Selbsttests, auch bekannt als Practice Testing oder Abrufübungen, sind eine der effektivsten Methoden, um Wissen zu festigen. Dabei rufen Lernende Inhalte aktiv aus dem Gedächtnis ab, zum Beispiel in Online-Quizzen oder Übungstests. Diese Strategie verbessert die langfristige Erinnerung und erhöht die Prüfungsleistung deutlich. Trotzdem nutzen viele Studierende Selbsttests nur selten, vor allem diejenigen, die sie am dringendsten bräuchten.
In einer aktuellen Studie untersuchte Dr. Jakob Schwerter mit weiteren Wissenschaftler:innen, wer von Selbsttests profitiert und wer sie tatsächlich einsetzt. Die Forschenden analysierten Daten von 325 Erstsemester-Studierenden in einem Mathematikkurs. Sie kombinierten Umfragen, Nutzungsdaten von Selbsttests und Prüfungsleistungen. Das Ergebnis: Mehr Übungstests gehen mit besseren Noten einher. Wer bereits schwächer gestartet war, nutzte Selbsttests deutlich seltener und brauchte mehr Durchläufe, um ähnliche Verbesserungen zu erzielen.
Warum verzichten gerade leistungsschwächere Studierende auf diese wirksame Strategie? Die Studie zeigt: Vorherige Leistungen, die Überzeugung vom Wert des Lernens und das Streben nach Kompetenz (Mastery Goals) beeinflussen die Nutzung. Wer glaubt, dass Lernen sich lohnt, und wer sich auf das Verstehen statt auf reine Noten konzentriert, testet sich häufiger. Auch Persönlichkeitsmerkmale und die Bereitschaft, kurzfristige Anstrengung für langfristige Ziele in Kauf zu nehmen, spielen eine Rolle.
Die Autor:innen plädieren dafür, Selbsttests stärker in Lehrveranstaltungen zu integrieren. „Am besten als niedrigschwellige, bewertungsfreie Angebote“, betont Schwerter. Gleichzeitig sollten Motivation und Selbstregulationsfähigkeiten gezielt gefördert werden. So könnten Bildungseinrichtungen nicht nur die Prüfungsleistungen verbessern, sondern auch die Chancengleichheit erhöhen. Besonders in der Mathematik, wo viele Studierende Schwierigkeiten haben, kann diese Kombination einen entscheidenden Unterschied machen.
Publikation
Schwerter, J., Lauermann, F., Brahm, T., & Murayama, K. (2025). Differential use and effectiveness of practice testing: Who benefits and who engages? Learning and Individual Differences, 123, 102761. https://doi.org/10.1016/j.lindif.2025.102761
Pressekontakt
Philipp Sigle
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