Ausschreibung im Bereich Geowissenschaften
10.02.2026
BMFTR: Förderung von Projekten zum Thema „Küste im Wandel – Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels auf deutsche Küstengebiete
Frist: 15. April 2026 (Zweistufiges Verfahren, Projektskizzen)
Küstenmeere sind Bindeglieder zwischen Land und Ozean. Die vielgestaltigen Küstenlinien mit Steilküsten, Dünenlandschaften, Sandstränden und Watten bilden zusammen mit dem Küstenmeer einzigartige Ökosysteme. Sie sind Hotspots der Biodiversität, Zentren der Ressourcengewinnung und liefern verschiedenste Ökosystemleistungen. Gleichzeitig prägen menschliche Einflüsse die Küstenzonen in hohem Maße, da sie als Siedlungs-, Erholungs- und Wirtschaftsräume eine enorme Bedeutung haben.
Küstengebiete stehen durch vielfältige Auswirkungen des Klimawandels unter Druck, insbesondere durch den Meeresspiegelanstieg. Dadurch verstärken sich zum einen Extremwetterereignisse und Sturmfluten. Zum anderen verändern sich die Entwässerung küstennaher Niederungsgebiete und die hydro- und morphodynamischen Bedingungen im Küstenvorfeld. All dies stellt den Küstenschutz vor enorme Herausforderungen. Aber auch die mögliche Versalzung von Böden und Grundwasser, veränderte Sauerstoff- und Salinitätsbedingungen und deren Folgen für biogeochemische Prozesse sowie die potentielle Verstärkung der Eutrophierung beziehungsweise die Zunahme von Schadstoffeinträgen können in den nächsten Jahrzehnten zu gravierendenden Änderungen in den Küstenökosystemen führen. Dies wird auch Konsequenzen für die Lebens- und Wirtschaftsbedingungen der lokalen Küstengemeinschaften haben.
Auf Basis gesicherter Prognosen sollen wissenschaftsbasierte Handlungsempfehlungen zur Minimierung der Folgen des Meeresspiegelanstiegs sowie zum Erhalt der natürlichen Lebensräume für nachfolgende Generationen erarbeitet werden. Die Ergebnisse der Forschung sollen Bund und Länder bei ihren langfristigen Aufgaben im Küstenschutz, im Küstenmanagement sowie im Natur- und Umweltschutz gezielt unterstützen.
Die Forschung soll dazu beitragen, die notwendige Anpassung und Transformation der Küstenregionen ressourcen- und klimaschonend zu gestalten. Daher soll die Forschung die Kompetenzen im Bereich des natürlichen Küstenschutzes stärken und den Erhalt und Schutz küstennaher Ökosysteme an den deutschen Küsten fördern.
Angesichts der heute noch bestehenden Unsicherheiten in der Prognose der spezifischen lokalen und regionalen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs soll die Forschung dazu beitragen, die Prognoseunsicherheiten auf lokaler Ebene zu minimieren und dadurch die Voraussetzungen für adaptive Anpassungsstrategien im Küsten- und Ökosystemschutz zu verbessern.
Die Forschung soll die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen zur Entwicklung resilienter Küstenregionen in Nord- und Ostsee schaffen. Dafür sind gesicherte Datengrundlagen sowie die Entwicklung leistungsstarker Modelle und der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Analyse der Wirkzusammenhänge unabdingbar, um die zukünftige Entwicklung der komplexen sozioökologischen Küstensysteme zuverlässig abbilden zu können.
Mit der Förderung verfolgt das BMFTR das Ziel, das Verständnis für die Wirkzusammenhänge von Klimaänderungen und Auswirkungen auf Systemebene zu verbessern. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen dabei unterstützen, geeignete Maßnahmen zum Schutz und zum gezielten Management der Küstengebiete abzuleiten.
Um die Förderziele zu erreichen, beabsichtigt das BMFTR interdisziplinäre Projekte zu fördern, die Wissenslücken schließen, die Prognose verschiedener Entwicklungsszenarien verbessern sowie adaptive Anpassungspfade und Schutzkonzepte auf lokaler Ebene entwickeln.
Das BMFTR strebt mit dieser Fördermaßnahme an, die Zusammenarbeit von ingenieur-, natur- und sozialwissenschaftlicher Forschung sowie die Kooperation universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen zu stärken. Dadurch soll eine kohärente und nachhaltige Küstenforschung gewährleistet werden, die die Komplexität des Forschungsgegenstandes widerspiegelt und der Vielzahl der Akteure im Küstenraum gerecht wird. Um dies zu erreichen, werden ausschließlich interdisziplinäre Projektverbünde gefördert, die bereits bei der Entwicklung der Projektideen die vielfältigen Perspektiven und Herausforderungen ausreichend berücksichtigen.
Die Antragsteller sind aufgefordert, Synergien zu bestehenden nationalen Forschungsprogrammen herzustellen, die für den Anwendungsbereich dieser Förderrichtlinie von Bedeutung sind. Insbesondere sollen bereits etablierte transdisziplinäre Kooperationen, wie zum Beispiel Experimentierräume oder Reallabore, berücksichtigt werden.
Das Antragsverfahren ist zweistufig angelegt.
In der ersten Verfahrensstufe sind bis spätestens 15. April 2026 zunächst Projektskizzen vorzulegen.
Weitere Informationen:
https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/2026/01/2026-01-29-bekanntmachung-kuestengebiete.html