Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Alle Nachrichten

30.07.2025

Forschen für eine starke Demokratie - Festakt zur Gründung des IRex an der WiSo

Festakt würdigt Gründung des Tübinger Instituts für Rechtsextremismusforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät – Landtagspräsidentin Aras: „Wir dürfen die Gefahr des Rechtsextremismus nicht unterschätzen“

 

 

Mit einem Festakt hat die Universität Tübingen am Mittwoch, 16. Juli 2025, die Gründung des Instituts für Rechtsextremismusforschung (IRex) im Audimax gewürdigt. Unter den Gästen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft waren Landtagspräsidentin Muhterem Aras sowie die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski. Das im Jahr 2023 gegründete IRex hat den Auftrag, die Demokratie mit wissenschaftlichen Mitteln zu stärken und Staat sowie Zivilgesellschaft widerstandsfähiger gegen rechtsextreme Ideologien zu machen.

Landtagspräsidentin Aras sagte im Rahmen des Festakts: “Die Forschung am IRex ist enorm wertvoll: Sie fügt die Puzzleteile Stück für Stück zu einem Ganzen zusammen; gibt einen Überblick über die Strategien, Netzwerke und Angriffsziele der Rechten; darüber, was rechtsextreme Bedrohung bedingt und befeuert, aber womöglich auch bändigt und bezwingt. Das Wissen zu schaffen, wird aber leider nicht reichen. Das Wissen muss auch in vernünftiges Handeln übersetzt werden – von allen demokratischen Akteuren.”

Die Gründung des IRex wurde im Abschlussbericht des zweiten NSU-Untersuchungsausschuss 2019 angestoßen. Darin empfahl der Ausschuss die Schaffung einer Dokumentations- und Forschungsstelle Rechtsextremismus. Das Institut ist an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen angesiedelt.

Wissenschaftsministerin Olschowski sagte: „In Reaktion auf die Empfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses haben sich alle demokratischen Parteien auf die Gründung des IRex verständigt – in der Hoffnung, das Thema verliere an Relevanz. Heute zeigt sich das Gegenteil: Laut jüngstem Verfassungsschutzbericht nimmt die Zahl der rechtsextremen Kriminalität zu, die rechte Szene wächst vor allem bei jungen Leuten. Das IRex untersucht interdisziplinär Erscheinungsformen, Dynamiken und Logiken des Rechtsextremismus. Denn wer ihn wirksam bekämpfen will, muss ihn verstehen. Baden-Württemberg hat mit dem IRex das erste dauerhaft institutionell verankerte Forschungsinstitut dieser Art in Deutschland geschaffen.“

Interdisziplinäre Perspektiven auf den Extremismus

Mit den drei Professuren für Rechtsextremismusforschung ist das IRex interdisziplinär aufgestellt. Professorin Léonie de Jonge erforscht politische Akteurinnen und Akteure, Organisationen und Ideologien, Professorin Annett Heft den Rechtsextremismus aus medienwissenschaftlicher Sicht und Professorin Heike Radvan aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive. Für eine vierte Professur mit dem Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung läuft derzeit das Berufungsverfahren. Das IRex kooperiert in Forschung und Transfer eng mit Organisationen und Institutionen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

„Ohne eine freie, demokratische Gesellschaft kann es keine unabhängige Wissenschaft geben – und ohne freie Wissenschaft keine lebendige Demokratie“, sagte Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. „Mit dem IRex übernehmen wir als Universität Verantwortung und stellen uns den Bedrohungen, die extremistische Ideologien für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung und damit unsere Gesellschaft bedeuten.“

Wir freuen uns, Prof. Dr. Annett Heft, Prof. Dr. Léonie de Jonge und Prof. Dr. Heike Radvan an der WiSo-Fakultät willkommen zu heißen:

Professorin Dr. Annett Heft 

W 3-Professur für Rechtsextremismusforschung mit Schwerpunkt Medien und Öffentlichkeit 

Annett Heft interessiert sich in ihrer Forschung für die vergleichende Analyse politischer Kommunikation und Mobilisierung in Europa mit einem besonderen Fokus auf die digitale Kommunikation rechtspopulistischer und rechtsextremer Medien, Bewegungen und Parteien sowie auf Prozesse politischer Mobilisierung in antidemokratischen Bewegungen. Ihre Forschung ist geprägt durch komparative Designs und die Verknüpfung etablierter Verfahren der empirischen Sozialforschung mit Forschungsmethoden der Computational Social Science. 

Professorin Heft ist Kommunikationswissenschaftlerin und wurde 2014 an der Freien Universität Berlin promoviert. Nach verschiedenen Positionen an der Freien Universität Berlin war sie von 2017 bis 2022 Leiterin der Forschungsgruppe „Digitalisierung und Transnationale Öffentlichkeit“ am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft in Berlin sowie seit 2022 Leiterin der Forschungsgruppe „Dynamiken der Digitalen Mobilisierung“ am Weizenbaum-Institut.  

Von 2022 bis 2024 hat sie als Principal Investigator im Verbundforschungsprojekt „NEOVEX - Muster und Dynamiken von Verschwörungstheorien und rechtsextremen Ideologien in Krisenzeiten“ das Teilprojekt „Diffusionsdynamiken von Verschwörungstheorien und Adaptionsstrategien in hybriden Informationsräumen (DIFFCONT)“ am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin geleitet. 

Maximilian von Platen

Professorin Dr. Léonie de Jonge 

W 3-Professur für Rechtsextremismusforschung mit Schwerpunkt Politische Akteure und Ideologien

Léonie de Jonges Forschung fokussiert sich auf die Ursachen des Aufstiegs der radikalen und extremen politischen Rechten. Sie befasst sich insbesondere mit Organisationen und Ideologien einerseits sowie mit der Resilienz gesellschaftlicher und demokratischer Strukturen gegen rechtsextremes Gedankengut andererseits. Darüber hinaus interessiert sie sich für vergleichende europäische Politik, politische Parteien und Systeme, Parteienorganisation und Medienforschung. Am IRex wird sich die international gut vernetzte Politikwissenschaftlerin insbesondere mit den Schwerpunkten „Politische Akteure und Akteurinnen, Organisationen und Ideologien“ befassen. Sie wird am IRex aber nicht nur die akademische Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus vertiefen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Prävention leisten.  

De Jonge studierte an der an der University of Cambridge in Großbritannien und dem Cornell College in Iowa, USA. Sie wurde 2019 an der University of Cambridge promoviert und beschäftigte sich in ihrer Doktorarbeit mit Erfolg und Misserfolg der Rechtsaußen-Parteien in den Benelux-Ländern. Von 2019 bis zu ihrer Berufung an die Universität Tübingen war sie Professorin für Europäische Politik und Gesellschaft an der Universität Groningen, Niederlande, und dort am Dokumentationszentrum für niederländische politische Parteien tätig. 

Im Jahr 2021 wurde Léonie de Jonge zur Vorsitzenden des Lenkungsausschusses der internationalen Forschungsgruppe für Extremismus und Demokratie (Standing Group on Extremism & Democracy) des European Consortium for Political Research (ECPR) gewählt. Im Folgejahr wurde sie zudem zum Mitglied der Jungen Akademie der Königlichen Niederländischen Akademie der Künste und Wissenschaften (KNAW) ernannt. 

Maximilian von Platen 

Professorin Dr. Heike Radvan 

W 3-Professur für Rechtsextremismusforschung mit Schwerpunkt politische und kulturelle Bildung  

Heike Radvan forscht und lehrt zur extremen Rechten, unter anderem zu geschlechterreflektierender Rechtsextremismusprävention, regionalen Spezifika (extrem) rechter Erscheinungsformen und Ausprägungen zivilgesellschaftlicher Gegenwehr. Am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) wird sie insbesondere die erziehungswissenschaftliche Rechtsextremismusforschung profilieren. Dies wird verknüpft mit Konzeptentwicklung für die politische und kulturelle Bildung. Ihre wissenschaftliche Expertise verbindet sie über ihre Analysen zu ostdeutschen Spezifika hinaus auf einzigartige Weise mit langjährigen Erfahrungen aus der zivilgesellschaftlichen Beratungs- und Präventionspraxis, auch aus einer geschlechterreflektierenden Perspektive. 

Radvan studierte Soziale Arbeit an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. Im Jahr 2009 wurde sie an der Freien Universität Berlin als Erziehungswissenschaftlerin zum Thema “Pädagogisches Handeln und Antisemitismus” promoviert.  

Von 2002-2017 war sie für die Amadeu-Antonio-Stiftung in den Bereichen „Praxisforschung und Projektentwicklung“ tätig. Seit 2011 war sie darüber hinaus verantwortlich für den Aufbau und die Leitung der „Fachstelle Gender und Rechtsextremismus“ der Amadeu-Antonio-Stiftung sowie für den stiftungsnahen Verein „Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern“. Sie zeichnete verantwortlich für die Projektkonzeption und Koordination der Ausstellungen der Amadeu-Antonio-Stiftung „Das hat's bei uns nicht gegeben! Antisemitismus in der DDR“ (2007) und „Germany after 1945: A society confronts antisemitism, racism and neo-nazism“ (2012). 

Ab März 2017 hatte Heike Radvan bis zu ihrer Berufung nach Tübingen die Professur für „Theorien und Methoden Sozialer Arbeit mit den Schwerpunkten Gemeinwesenarbeit und Rechtsextremismusforschung“ an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) inne. Im Jahr 2020 war sie Preisträgerin des Alice-Salomon-Award.  

Zudem hat Heike Radvan maßgeblich ein Handlungskonzept gegen (extrem) rechte Einflussnahme für die BTU erarbeitet.

Maximilian von Platen

 

Kontakt

Katharina Mayer
Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex)
Universität Tübingen 
katharina.mayer@uni-tuebingen.de

Pressekontakt:

Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Christfried Dornis
Leitung

Michael Pfeiffer
Pressereferent
Telefon +49 7071 29-76782
michael.pfeiffer@uni-tuebingen.de

Alle Pressemitteilungen der Universität Tübingen

 

Downloads

 

Back