30.03.2026
Gleich acht Chinaforscherinnen und -forscher verschiedener Wissenschaftseinrichtungen haben sich zu einer neuen Forschungsgruppe über die politischen Strategien Chinas zusammengeschlossen. Einer davon ist Professor Gunter Schubert von der Abteilung Sinologie des Asien-Orient-Instituts der Universität Tübingen. Die Forschungsgruppe unter dem Titel „Learning Empire. Autonomie, Abhängigkeit und Chinas entstehende imperiale Praktiken“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für zunächst vier Jahre gefördert. Sprecher des ungewöhnlich vielseitigen Verbunds ist Professor Tobias ten Brink von der Constructor University Bremen.
In Dschibuti am Horn von Afrika hat China offiziell einen Militärstützpunkt eingerichtet. Im Rahmen der Initiative „Neue Seidenstraße“ baut Peking Handels- und Infrastrukturprojekte in über hundert Ländern auf. Hinzu kommt, dass chinesische Firmen unter anderem durch TikTok und Huawei-Handys digitale Infrastrukturen und Überwachungstechnologien exportieren. Die Liste der Indizien dafür, dass China seinen politischen, wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Einfluss gezielt ausbaut, ist lang. Stellt China ein neuartiges Imperium dar und wie sind seine modernen imperialen Praktiken zu kategorisieren? Die Beteiligten der neuen Forschungsgruppe arbeiten gemeinsam an der Frage, mit welchen Strategien und Methoden sich China in verschiedenen Politikfeldern imperialen Einfluss sichert – etwa im internationalen Finanzsystem, beim Zugang zu wichtigen Rohstoffen, bei der Entwicklung grüner Technologien, in der digitalen Welt und im Weltraum sowie im globalen Wissenschaftssystem.
Der Tübinger Sinologe Gunter Schubert wird sich in diesem Kontext mit Chinas imperialem Ausgriff nach Taiwan befassen und dabei insbesondere die Bedeutung taiwanischer und chinesischer Hochtechnologiepolitik einschließlich der anwendungsorientierten Entwicklung künstlicher Intelligenz untersuchen.
Neben der Universität Tübingen sind an der Forschungsgruppe Forscherinnen und Forscher der Universitäten Bonn, Bremen und Frankfurt beteiligt sowie von der Constructor University Bremen, der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.
Professor Gunter Schubert/Pressemitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft