Uni-Tübingen

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18.05.2017

Abfallverwertung: Wertstoffe aus Asche gewinnen

Holzasche enthält wertvolle Schwermetalle – Forscher der Universität Tübingen und der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg wollen sie in einem gemeinsamen Forschungsprojekt nutzbar machen.

Sichtfenster einer Feuerungsversuchsanlage. Manche Aschen, die bei der Verbrennung entstehen, müssen im Moment aufwendig entsorgt werden, weil Schwermetalle enthalten sind. Foto: Harald Thorwarth
Sichtfenster einer Feuerungsversuchsanlage. Manche Aschen, die bei der Verbrennung entstehen, müssen im Moment aufwendig entsorgt werden, weil Schwermetalle enthalten sind. Foto: Harald Thorwarth

Die Asche, die bei der Verbrennung von Holz in Kraftwerken und in Heizwerken anfällt, enthält Schwermetalle in unterschiedlichen Konzentrationen. Diese kommen in ihrer reinen Form in der Industrie zum Einsatz, zum Beispiel beim Ausbau der Windenergie oder Elektromobilität. In der Asche gebunden sind sie aber unbrauchbar und machen die Entsorgung kostspielig.

Um die Potentiale von Asche nutzbar zu machen und die Entsorgungskosten zu senken, startete an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) in Kooperation mit der Universität Tübingen im April 2017 das Forschungsprojekt „Aufbereitung von Holzaschen zur individuellen Nutzung der Mineralstoffe und Spurenelemente“ (AMinS). An der Universität Tübingen entwickelte der Geomikrobiologe Professor Dr. Andreas Kappler die grundlegenden Ansätze zur Wiedergewinnung wertvoller Metalle aus Müllverbrennungsschlacken. Im nächsten Schritt wollen Professor Kappler und Professor Harald Thorwarth, Experte für Feuerungstechnik an der HFR, gemeinsam nach Anwendungsmöglichkeiten suchen. Harald Thorwarth wird mit seiner Arbeitsgruppe eine Datenbasis für Urban-Mining (siehe Info-Kasten) aus Holzaschen und technische Lösungen für die Nutzbarmachung der darin enthaltenen Spurenelemente erarbeiten. Ziel ist es, gemeinsam ein Verfahren zu entwickeln, mit dem Mikroelemente in der Asche, insbesondere Edelmetalle zuverlässig abgeschieden werden können. Dadurch könnten die Kosten für die Ascheentsorgung deutlich gesenkt werden. Die aufbereitete Asche würde als Dünger oder in Baustoffen und die Spurenelemente als wertvolle Rohstoffe weiter verwendet.

Das Projekt AminS ist eingebettet in das Konzept der Hochschulregion Tübingen-Hohenheim und beinhaltet auch eine Doktorandenstelle, die von der Universität Tübingen und der HFR gemeinsam betreut wird. Die Untersuchungen werden durch das Land Baden-Württemberg mit 160.000 Euro gefördert. Außer dem Land Baden-Württemberg unterstützen die Firmen NOVIS GmbH, Biomasse Heizkraftwerk Herbrechtigen GmbH, EnBW Energie Baden-Württemberg AG und MVV Energy Solutions GmbH das Projekt.

Susanne Zahn

Kontakt:

Foto: Wolfgang Gerber

Prof. Dr. Andreas Kappler
Universität Tübingen
Zentrum für Angewandte Geowissenschaften
Telefon +49-(0)7071-29-74992
andreas.kapplerspam prevention@uni-tuebingen.de

Foto: Petra Martin-Jakob

Prof. Dr.-Ing. Harald Thorwarth
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Professur für Feuerungstechnik
Tel. +49 (0)7472-951-142
thorwarthspam prevention@hs-rottenburg.de

Julian Tejada wird in seiner Dissertation unter anderem eine Versuchsanlage konstruieren, mit deren Hilfe Aschen aufbereitet werden können.

Foto: Petra Martin-Jakob

Im Labor werden die Aschen genau analysiert und in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt.

Foto: Petra Martin-Jakob

In der vorderen Reihe sind zerkleinerte Brennstoffe zu sehen: Buche, Eiche und Fichte, in der hinteren Reihe zerkleinerte Aschen.

Foto: Petra Martin-Jakob

Urban Mining:

Urban-Mining heißt „Städtischer Bergbau“ und steht für einen Vorgang, in dem Rohstoffe in Abfall, alten Elektrogeräten, Autos und vielem mehr identifiziert und für die Weiterverwertung aufbereitet werden. Urban Mining ist eine Möglichkeit, wertvolle Rohstoffe zu gewinnen und dabei die natürlichen Ressourcen der Erde zu schonen.

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