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05.09.2017

Tübinger Neurowissenschaftlerin erhält Sofja Kovalevskaja-Preis 2017 der Humboldt-Stiftung

Von links nach rechts: Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, Preisträgerin Dr. Anna Martius, Professor Dr. Wolfgang Rosenstiehl, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Matthias Bethge. Centre for Integrative Neuroscience (CIN) und Susanna Hübschmann, Abteilung Exzellenzinitiative der Universität Tübingen. Foto: Humboldt-Stiftung/David Ausserhofer
Von links nach rechts: Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, Preisträgerin Dr. Anna Martius, Professor Dr. Wolfgang Rosenstiehl, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Matthias Bethge. Centre for Integrative Neuroscience (CIN) und Susanna Hübschmann, Abteilung Exzellenzinitiative der Universität Tübingen. Foto: Humboldt-Stiftung/David Ausserhofer

Die Alexander von Humboldt-Stiftung zeichnet sechs internationale Forschertalente im Alter von 30 bis 37 Jahren mit einem der höchstdotierten Wissenschaftspreise Deutschlands aus: Mit dem Sofja Kovalevskaja-Preis erhalten die Preisträger bis zu 1,65 Millionen Euro für den Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe an ihrem Gastinstitut. Zu den diesjährigen Preisträgerinnen gehört auch die Tübinger Neurowissenschaftlerin Anna Martius (geb. Levina), die unter anderem im Bereich Systemische Neurowissenschaft, Computational Neuroscience am Werner Reichardt Centre for Integrative Neuroscience (CIN) der Universität Tübingen forscht. (Prof. Matthias Bethge)

Das Gehirn am Rande des Chaos

Millionen Neuronen interagieren im Gehirn, das sich als komplexes System selbst organisiert. Die Neurowissenschaftlerin Anna Martius befasst sich insbesondere mit der so genannten Kritikalität. Diese gilt als wichtige Eigenschaft bei der Selbstorganisation des Hirns: Im kritischen Zustand verläuft die Signalweitergabe ähnlich wie bei einer Lawine. Sendet eine Nervenzelle einen elektrischen Impuls, kann dies in einem nachgeschalteten Neuron ebenfalls einen Impuls auslösen, muss es aber nicht. Je nachdem, ob und wie oft Impulse weitergegeben werden, kann es zu lawinenartigen Ketten neuronaler Entladungen kommen. Diesen Vorgängen wird eine wichtige Rolle bei der Informationsverarbeitung im Gehirn zugesprochen. Anna Martius hat bereits in frühen Arbeiten wesentliche Beiträge zur mathematischen Analyse und Modellierung solcher kritischer Zustände in neuronalen Systemen vorgelegt. Künftig will sie nicht nur das Verständnis neuronaler Dynamiken im Gehirn weiter vorantreiben. Als Sofja Kovalevskaja-Preisträgerin will sie sich zudem stark auf die Analyse besonders leistungsfähiger neuronaler Netze konzentrieren, die auch bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz von Bedeutung sind.

Dr. Anna Martius (geb. 1981 in der UdSSR) studierte an der St. Petersburg State University Mathematik. 2004 ging sie an die Universität Göttingen, wo sie 2008 promoviert wurde. Als Postdoktorandin forschte sie zunächst am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, 2011 wechselte sie dann zum Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig. Von 2015 bis 2017 war Anna Martius Fellow am Institute of Science and Technology in Klosterneuburg, Österreich. Seit April 2017 forscht sie am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen.

Mit dem Sofja Kovalevskaja-Preis bekommen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in einer frühen Phase ihrer Karriere Risikokapital für innovative Projekte. Sie forschen bis zu fünf Jahre lang an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen und bauen eigene Arbeitsgruppen an ihren Gastinstituten auf. Der Preis wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Die Preise werden am 15. November in Berlin überreicht.

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